«Neue Jury bringt Glaubwürdigkeit»

Othmar Casutt von der APG-Unternehmensleitung freut sich über die Neulancierung des Plakatwettbewerbs.

Othmar Casutt von der APG-Unternehmensleitung freut sich über die Neulancierung des Plakatwettbewerbs.WW Die führenden Werbeagenturen zeigten immer weniger Interesse am alten Wettbewerb. Die Auszeichnungen verloren an Bedeutung. Wieso war das so und mit welchen neuen Ideen will die APG dem Wettbewerb wieder seine Bedeutung geben?
Othmar Casutt Der bisherige Wettbewerb wurde 1942 zum ersten Mal durchgeführt. Seither haben sich die Voraussetzungen in der Kommunikation völlig verändert. Bei der Einführung des Wettbewerbes ging es darum, vor allem das künstlerische Schaffen zu fördern. Es gab damals auch nur ein Plakatformat, das Weltformat (heute das F4). Später kamen zusätzliche Formate dazu und veränderten die Plakatgestaltung gravierend. Je älter der Wettbewerb wurde, umso grösser wurde die Kritik der Gestalter von Plakaten. Das waren zunehmend die Kreativen in den Werbeagenturen und immer weniger die Künstler. Die Beurteilungskriterien aber verharrten und so kam der Wettbewerb in der Werbebranche in den Verruf, ein Kulturplakat-Wettbewerb zu sein, bei welchem das kommerzielle Plakat zu wenig Stellenwert hat.
Was wird jetzt neu beim Swiss Poster Award?Die Veränderung des jetzt von der APG lancierten Wettbewerbs liegt fast ausschliesslich bei der völlig neu besetzten Jury. Sie besteht aus anerkannten und aktiven Art Directors, wobei zum Beispiel mit Dominic Geissbühler ein ausgewiesener Kenner des kulturellen Plakates mit dabei ist und auch die Auftraggeberseite mit zwei Vertretern mitbestimmen kann. Diese Jury wird jene Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs schaffen, die in den vergangenen Jahren verloren gegangen ist.
Im Jahr 2001 hat man es bereits ohne viel Erfolg mit einem neuen Reglement versucht. Nach welchem Prozedere wird nun beim neuen Wettbewerb juriert?
Das Prozedere der Jurierung ist nicht das Ausschlaggebende. Dies hat sich bei der 2001 gemachten Reglementsänderung gezeigt. Wohl wollte man damals mit dem Einbezug von verschiedenen Kategorien dem kommerziellen Plakat den Weg ebnen. Doch die Zusammensetzung der Jury konnte die Werbeszene nicht überzeugen und die Tatsache, dass im letzten Jahr trotz der Auszeichnung von vier Kategoriensiegern der Titel «Plakat des Jahres» mit einer nicht sehr überzeugenden Begründung nicht vergeben wurde, hat den Wettbewerb wohl endgültig ins Abseits gedrängt.
Ist es ein Makel, dass der Wettbewerb nicht mehr vom EDI abgesegnet wird?Ich denke nein. Die Interessen der APG als Marktführerin in der Aussenwerbung und des EDI sind immer mehr auseinander gedriftet.
Der neu geschaffene Swiss Poster Award soll auch für das Ranking der Werbeagenturen zählen. Wäre ein solches Ranking ohne Beurteilung der Plakate überhaupt noch repräsentativ?
Natürlich gehören Plakate in das Ranking. Es gab aber bis heute keinen Grund, die Resultate des bisherigen Wettbewerbs in das Ranking aufzunehmen. Dazu fehlte diesen Resultaten einfach die Kompetenz. Deshalb machte sich die APG Gedanken über eine Neuausrichtung des Plakatwettbewerbs und hat das Projekt in kürzester Zeit realisiert und umgesetzt.
Wieso glauben die Beteiligten an einen Erfolg des neuen Poster Awards?Die Überzeugung, dass sich dieser neue Wettbewerb in der Branche schnell und gut etabliert, begründet sich damit, dass die Werbeagenturen daran interessiert sind, dass ihre Plakatkampagnen von einer kompetenten Jury fachmännisch beurteilt werden. Die jetzige Zusammensetzung der Jury des Swiss Poster Award ist genau das, was bisher gefehlt hat. Zudem steht hinter dem Wettbewerb ein Unternehmen, das alles Interesse daran hat, etwas für die Erhaltung der hohen Schweizer Plakatkunst auch beim kommerziellen Plakat zu tun, ohne dabei zu vernachlässigen, dass auch im Bereich des kulturellen Plakates der hohe Standard erhalten und gefördert werden muss.
Top-Jury für Swiss Poster AwardPräsident: Fredy Collioud Publicis AG Werbeagentur, Zürich
Mitglieder: Daniel Comte, Advico Young & Rubicam; Remy Fabrikant, JWT+Hostettler + Fabrikant; Tobias Trevisan, Neue Zürcher Zeitung; K.
Domenic Geissbühler, Creativ Director; Markus Gut, Publicis Werbeagentur; Wendelin Hess, Atelier Müller-Hess; Danielle Lanz Ruf, Lanz Werbeagentur; Roger Möschler, Leiter Marketing APG Winterthur; Martin Spillmann, Spillmann/Felser/Leo Burnett; Dominique von Matt, Jung von Matt/Limmat; Beat Mühlemann, MGB.
Eingaben zum Plakat-Wettbewerb «Swiss Poster Award» ab 4. Oktober 2004 unter www.apg.ch/kultur. Eingabeschluss ist der 15. November.
Interview: Andreas Panzeri

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