Neue Dimensionen erschliessen

Innovation Die Hediger AG produziert auf einem Flachbett-Inkjetsystem erstmals mit Deckweiss und erobert so die letzte Siebdruckbastion.

Innovation Die Hediger AG produziert auf einem Flachbett-Inkjetsystem erstmals mit Deckweiss und erobert so die letzte Siebdruckbastion.Wo andere Druckverfahren an ihre Grenzen stossen, erschliesst sich der Inkjettechnologie ein weites Einsatzgebiet. Hinsichtlich Formaten und Bedruckstoffen gab es bereits in der Vergangenheit kaum Einschränkungen; einzig das direkte Bedrucken sehr dicker und starrer Materialien war im Inkjet bis anhin nicht möglich und blieb weit gehend die Domäne des Siebdrucks. Mit dem bei der Hediger AG eingesetzten und von der Lüscher AG gelieferten JetPrint 3530 UV ist dies jetzt möglich. Die beiden im Aargau ansässigen Unternehmen arbeiten seit der im Juni 2004 erfolgten Installation des grossformatigen Inkjetdruckers bei der Entwicklung intensiv zusammen.
Möglich ist nun etwa die Verwendung von Deckweiss – analog zum Siebdruck. Damit ergibt sich eine grössere Freiheit in der Gestaltung sowie bei der Wahl farbiger und transparenter Substrate. Neben der damit weitestgehend freien Wahl des Materials wird die Produktion damit erheblich beschleunigt, vereinfacht und beherrschbar; bis anhin getrennt ablaufende Prozesse lassen sich auf nur einen Druckvorgang reduzieren.
Alternative zum SiebdruckDer von Lüscher entwickelte und vertriebene Grossformatdrucker ist für das Bedrucken von 350 x 305 cm grossen Flächen ausgelegt. Das Flachbettprinzip erlaubt es, Materialstärken mit Dicken bis zu 80 mm zu verarbeiten. Das System produziert wahlweise mit vier (CMYK), sechs (CMYKLcLm) oder acht Farben (CMYKLcLmLyLk, CMYKLcLm plus 2 x Weiss, CMYKLcLmLk plus 1 x Weiss, 2 x CMYK). Damit ist das Verfahren insgesamt eine echte Alternative zum Siebdruck.
Für die Weiterentwicklung des JetPrint 3530 UV zur Marktreife hat Lüscher in Peter Hediger einen innovativen Partner gefunden. Nach der fast einjährigen Pilotphase mit der an der Fachmesse drupa ausgestellten Maschine konnte im April das neue, im Wesentlichen für die Anwendung von Deckweiss modifizierte Modell in Betrieb genommen werden.
Inkjet attackiert SiebdruckMit Flachbettdruckern wie dem JetPrint erobert das Inkjetverfahren die letzte Siebdruckbastion, denn damit können Materialien für Kulissen (auf Sperrholz), Banner (auf Gewebe), Plakate, Karton, Styropor, Glas, Stein oder andere Werkstoffe bedruckt werden. Neben der Verarbeitungsmöglichkeit dicker und starrer Materialien bietet Lüschers Grossformatdrucker in Verbindung mit der Piezo-Technologie zugleich die Voraussetzungen für den Einsatz von Tinten, die unter Einwirkung ultravioletter Strahlung innerhalb kurzer Zeit vollständig durchhärten.
Die normalerweise verwendeten Inkjettinten basieren auf lasierenden Bindemitteln. Dieser Umstand führt insbesondere bei glasklaren Materialien zu einem erheblichen Zusatzaufwand, weil opake Folien bzw. opakes Plexiglas hinterklebt werden müssen oder im Anschluss an den Druckprozess mittels Spritztechnik eine deckende Schicht aufgetragen werden muss. Dieser Vorgang kann beim Einsatz UV-härtender Tinten komplett entfallen.
Von der Hediger AG wurde damit insgesamt ein grosses Stück Pionierarbeit geleistet. Sie mündete in eine Technologie, welche der visuellen Kommunikation neue kreative Felder öffnen wird.
UV-Inkjet noch in den KinderschuhenIm Offset-, Flexo- und Siebdruck wird seit über 20 Jahren mit UV-härtenden Druckfarben gearbeitet. Die Reduktion flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) durch den Wegfall von Lösemittel ist dabei eine der treibenden Kräfte für die rasch fortschreitende Entwicklung. Demgegenüber befinden sich UV-Anwendungen im Inkjet erst in den Anfängen. Zurzeit sind lösemittelbasierende Tinten, die so genannten Solvent-Inks, vorherrschend.
Um den Kriterien wie Wetter- und Lichtbeständigkeit sowie den hohen Qualitätsanforderungen zu genügen, sind entweder aggressive, in den Bedruckstoff eindringende Lösemittel oder Substrate mit einer Tintenempfangsschicht und nachträglicher Laminierung vorausgesetzt. Hinzu kommt, dass Werkstoffe mit vollkommen geschlossener Oberfläche wie Plexiglas, Glas, Acryl etc. den Direktdruck nicht zulassen. Hier müssen Folien seitenverkehrt bedruckt und diese in einem weiteren Arbeitsgang auf das gewünschte Material aufgezogen werden. (jm)
Hediger AGDie im Kanton Aargau ansässige Hediger AG kann im Umgang mit Technologien rund um die visuelle Outdoor- und Indoor-Kommunikation auf eine über 60-jährige Erfahrung zurückblicken. Das Unternehmen zählt auch die Fertigung dreidimensionaler Objekte zu seinem Kompetenzbereich. Das dazu eingesetzte Schneidsystem mit Wasserstrahltechnik hat Peter Hediger in wesentlichen Teilen selbst auf seine Bedürfnisse hin konzipiert.
Neben dem JetPrint 3530 UV stehen zwei Vutek-Maschinen mit 3,2 bzw. 5 Meter Breite für das Bedrucken von Lkw-Planen und -Folien, Frontlit- und Backlit-Drucken sowie Megapostern für die unterschiedlichsten Anwendungsgebiete im Einsatz. Eine vor kurzem erstellte Halle bietet Raum, um gleichzeitig zwei Sattelschlepper mit Folien auszustatten. (jm)
Mit dem Einsatz von Deckweiss ergibt sich eine weit grössere Freiheit bei der Gestaltung und eine grössere Auswahl bei den sowohl farbigen als auch transparenten Werkstoffen.
Der JetPrint bei Hediger verwendet UV-Farben.
Jürg Marti

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