Mit der Pinzette

Gastkommentar Das Lifting der SonntagsZeitung tut allen gut. Bloss: Mit ihrem Redesign ist das Blatt in de Wecks Sackmesser gelaufen, findet Peter Rothenbühler.

Gastkommentar Das Lifting der SonntagsZeitung tut allen gut. Bloss: Mit ihrem Redesign ist das Blatt in de Wecks Sackmesser gelaufen, findet Peter Rothenbühler.
Ein genialer Wurf ist das neue Layout der SonntagsZeitung nicht. Muss es auch nicht. Denn das Blatt hatte schon immer eine gute Optik. Und wäre auch schlecht beraten, den Versuch zu unternehmen, das fantastische Design der NZZ am Sonntag zu toppen. Mission impossible.In diesem Bewusstsein sind die Gestalter offenbar auch ans Werk gegangen: beinahe etwas zögerlich. Design mit der Pinzette würde ich das nennen. Das Resultat sieht entsprechend nach «changer pour changer» aus. Gut, der sechsspaltige Umbruch ist lesefreundlicher. Sonst bringt das Lifting allerdings keine wesentlichen Besserungen. In der Blattstruktur bleibt alles beim Alten (danke!). Neu sind ein paar Kurzfutterrubriken und zwei, drei neue Kolumnisten (ich freue mich auf Markus Gisler).
Als ich verschlafen zur SonntagsZeitung griff und über dem Logo «heute neu» las, dachte ich erst: Wie in der Migros. Und dann: Das wollen wir doch hoffen. Es dauerte, bis ich merkte: Aha, Layout aufgemotzt! Wer dann genauer hinguckt, stellt fest: Am auffälligsten sind die Farbbalken auf den Bundauftaktseiten. Ähnlich wie bei den englischen Quality-Sonntagsblättern. Kann also nicht falsch sein. Bloss sind die Farben ein bisschen pastelliger als bei der Sunday Times, auch das Logo-Blau auf Seite eins hat etwas Hungriges (die sattere Variante gefiel mir besser).
Ärgerlich hingegen ist die Grossbuchstabenorgie in diesen Anrissbalken. Tut weh in den Augen. Dumme Modesache, widerspricht allen Regeln der Kunst, muss überdacht werden. Zeitungspsychologen lesen aus kleinsten Veränderungen Hochpolitisches heraus: Warum hat man den Namenszug DE WECK so massiv verkleinert, und sogar das Foto von «RdW»? Ranküne oder Dummheit? DE WECK war vorher eine Marke, kam – bumm! – daher wie ein Logo. Heute ist der Name nur noch mageres Obertitelchen.
Ich tippe auf Dummheit. Denn die neue Gestaltung der Kolumnenköpfe ist auch sonst hirnlos: Um bei Roger de Weck zu bleiben. Da liest man also undifferenziert: «De Weck, Wir laufen ins Sackmesser, Der Publizist Roger de Weck lebt in Zürich und Berlin, Er kam, sah und ging …». Sicherlich gehört der Titel «Wir laufen ins Sackmesser» nicht zum guten Roger de Weck, sondern direkt zum «Er kam, sah und ging», also zum Textanfang. Die Leserinnen und Leser lesen bekanntlich von oben nach unten. Und sie möchten Ordnung!
Doch das sind lediglich Details. Im Ganzen ist die neue SonntagsZeitung aus dem Hause Tamedia eleganter und schöner geworden. Doppelleser können jetzt auch das Original und das «Me Too»-Produkt von der Falkenstrasse viel besser (und auf jeder Seite) unterscheiden. Fazit: Das Lifting tut allen gut.
> Peter Rothenbühler ist Chefredaktor von Le Matin und Le Matin Dimanche.

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