Loebenswerte Karriere
Kaspar Loeb, neuer Chief Executive Officer bei Publicis sagt, warum er lieber Werber als Journalist ist.
Kaspar Loeb, neuer Chief Executive Officer bei Publicis sagt, warum er lieber Werber als Journalist ist.
Der frisch gekürte Geschäftsführer bei Publicis freut sich über seine neu gewonnenen Aussichten. Links von seinem Schreibtisch kann der «Newsjunky» und Ex-Journalist Kaspar Loeb auf die Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung blicken. Rechts fällt der Blick auf den Hinrichtungsplatz des Zürcher «Böögs». Der nach dem Knie-Gastspiel immer noch recht unbestellt wirkende Acker beim Bellevue provoziert geradezu die Hoffnung, dass dieser Winter auch in wirtschaftlicher Hinsicht spätestens mit dem Sechseläuten von wärmeren Stimmungen vertrieben wird. «Wenn es gut kommt, wächst die Schweizer Werbebranche 2004 um vier bis fünf Prozent», hat Kaspar Leob in seinem ersten Interview als CEO von Publicis in der HandelsZeitung prophezeit. Es werde dabei Agenturen geben, die zwar auch in diesem Jahr «sehr leiden». Andere werden 2004 «sehr gut arbeiten».Wer die ansteckende Dynamik beim Interviewtermin schon am frühen Morgen bei Kaspar Loeb in seinem neuen Büro erfahren durfte, muss gar nicht fragen, zu welcher Kategorie die Publicis im kommenden Jahr gehören soll.
Der spannendste Job der Szene
Ihm sei «der spannendste Job in der Schweizer Agenturszene» angeboten worden», hat Kaspar Loeb kommentiert, als er kurz vor Weihnachten überraschend, aber von einigen schon länger kolportiert, als Nachfolger von Fredy Collioud berufen wurde. Zwar hatte Cornelia Harder als sichere Kronprinzessin für diesen wichtigen Job gegolten. Ihre Beförderung wurde aber – für einige nicht weniger überraschend – blockiert, weil ihr Lebenspartner CEO bei McCann-Erickson und damit bei der Konkurrenz ist. Der Wettbewerb ist offenbar härter geworden. In einem nach wie vor sportlich klingenden Ton formuliert Kaspar Loeb aber seine gesetzten Ziele: «Fredy und ich freuen uns gemeinsam, dass wir diesen Markt ein bisschen aufmischen können.»
Die Publicis Gruppe vereinigt mit der Publicis Werbeagentur, mit Fisch.Meier.Direkt und der Mediaagentur Optimedia die drei führenden Unternehmen in Werbung, Dialogmarketing und Media in der Schweiz. Die Gruppe betreut unter anderem Kunden wie UBS, Coca-Cola, Neue Zürcher Zeitung, Nestlé, Migros oder Swisscom Mobile. Die Agentur führt nicht nur regelmässig die Kreativ-Rankings der meistausgezeichneten Agenturen an, sondern dominierte 2003 mit drei Effie Gold Awards auch die Preisverleihung für «Effiziente Werbung».
Er sei sich bewusst, dass er «in ein Paar sehr grosse Schuhe steige», meinte Kaspar Loeb deshalb bei seiner Antrittsrede an der Theaterstrasse. Der «Teamplayer mit grosser Marken- und Führungserfahrung» verkörpert für Fredy Collioud aber auch die ideale «Verjüngung der Geschäftsleitung». Kaspar Loeb ermöglicht «zum richtigen Zeitpunkt einen wichtigen Schritt in die Zukunft der Agentur».
Mit Loeb werden die bis anhin geteilten Funktionen eines Managing Directors und des Chief Executive Officers zusammengelegt. «Ich will aber keine One-Man-Show machen», erklärt der neue Chief, der sich mit Fredy Collioud als Chairman und Präsident des Verwaltungsrates weiterhin auf «ein starkes Back-up» stützen kann.
Kaspar Loeb weiss, dass er bei Publicis «aus einer starken Position heraus antreten kann» und er freut sich, dass er in seinem neuen Job auf die kreativen Ideen vieler «sensationeller Leute» hoffen darf. Und wo sieht er Probleme oder Herausforderungen? «Wenn Sie im Dezember 2000 in die Werbung eingestiegen sind und Sie haben überlebt bis Dezember 2003, dann schreckt Sie nichts mehr», meint er.
Verantwortung übernehmen
Eine solche Blitzkarriere in der Werbung hat sich auch bei Kaspar Loeb nicht von Beginn weg abgezeichnet. Nach dem Jus-Studium in Basel hat er trotz Abschluss wenig Begeisterung für eine Laufbahn als Anwalt verspürt. Der junge Jurist arbeitete zuerst einmal als Gewerbelehrer. Mit 26 Jahren lockten dann erstmals die Medien. Loeb schaffte die Aufnahme in die Ringier-Journalistenschule. «Eine glückliche Weichenstellung», meint er heute. Er durfte verschiedene Stages absolvieren, «das wichtigste davon» ein halbes Jahr auf der Blick-Redaktion beim «Heissen Draht». Dort hätte er den entscheidenden Abstand gewonnen von der eher akademischen Welt der Uni. «Da rufen Menschen mit wirklich echten Problemen an», erinnert er sich an diese Lebenserfahrung.
Auf seinen weiteren Stationen hat der junge Journalist bei der Projektierung und Lancierung der SonntagsZeitung mitgearbeitet. Später wechselte er zu Politik und Wirtschaft, wo der erklärte Politmensch zum erstenmal über Wirtschaft schrieb. Diese neue Spezialisierung führte ihn zur Weltwoche sowie schliesslich zu Cash-TV. Eine weiterführende journalistische Herausforderung hätte vielleicht das Magazin Reflex werden können. Das Konkurrenzprojekt zu Facts aus dem Hause Ringier wurde aber im letzten Moment gestoppt.
«Wie es der Zufall so will» hat Kaspar Loeb genau in dieser Zeit ein erstes Angebot aus der Werbung bekommen. Die Zürcher Agentur Zintzmeyer & Lux wollte den ausgewiesenen Journalisten als Branding-Spezialisten testen. Der Kommunikationsfachmann hat es geschafft. Nach anderthalb Jahren wurde er bereits in die Geschäftsleitung der Branding-Agentur berufen. «Kann ein Journalist erfolgreich Werbung machen?», fragte man sich in der Branche misstrauisch, als Loeb nach fünf Jahren bei den Markenspezialisten direkt als CEO zur klassischen Agentur Seiler DDB wechselte.
Werbung, Branding oder Journalismus – Kaspar Loeb sieht das nicht so stark als getrennte Disziplinen. «Mich interessiert Kommunikation in all ihren Formen», meint er. Texter allerdings sei für ihn nie eine erstrebenswerte Option gewesen. «Dann wäre ich lieber Journalist geblieben», sinniert er.
Dass er es nicht geblieben ist, bereut er heute nicht. Ein Journalist könne zwar viel Einfluss nehmen, ohne dafür gross die Verantwortung tragen zu müssen. «Mich hat aber immer interessiert, dass ich auch den Kopf hinhalte für das, was ich mache», meint Loeb stolz. Als Werber trage er viel mehr Verantwortung, denn die Kunden haben ganz klare Erwartungen. Und wenn man diese Vorgaben nicht erfüllt, hat man ein Problem. «Diese Herausforderung lockt mich», verrät der neue Manager auf dem höchsten Stuhl der Schweizer Agenturszene.
Kaspar Loeb ist mit einer Kultur-Journalistin verheiratet, liebt deshalb Kultur in den verschiedensten Formen und entspannt sich gerne in Südfrankreich.
Auf dem Olymp der Schweizer Agenturszene: Kaspar Loeb, neuer Geschäftsführer von Publicis
Andreas Panzeri
Der frisch gekürte Geschäftsführer bei Publicis freut sich über seine neu gewonnenen Aussichten. Links von seinem Schreibtisch kann der «Newsjunky» und Ex-Journalist Kaspar Loeb auf die Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung blicken. Rechts fällt der Blick auf den Hinrichtungsplatz des Zürcher «Böögs». Der nach dem Knie-Gastspiel immer noch recht unbestellt wirkende Acker beim Bellevue provoziert geradezu die Hoffnung, dass dieser Winter auch in wirtschaftlicher Hinsicht spätestens mit dem Sechseläuten von wärmeren Stimmungen vertrieben wird. «Wenn es gut kommt, wächst die Schweizer Werbebranche 2004 um vier bis fünf Prozent», hat Kaspar Leob in seinem ersten Interview als CEO von Publicis in der HandelsZeitung prophezeit. Es werde dabei Agenturen geben, die zwar auch in diesem Jahr «sehr leiden». Andere werden 2004 «sehr gut arbeiten».Wer die ansteckende Dynamik beim Interviewtermin schon am frühen Morgen bei Kaspar Loeb in seinem neuen Büro erfahren durfte, muss gar nicht fragen, zu welcher Kategorie die Publicis im kommenden Jahr gehören soll.
Der spannendste Job der Szene
Ihm sei «der spannendste Job in der Schweizer Agenturszene» angeboten worden», hat Kaspar Loeb kommentiert, als er kurz vor Weihnachten überraschend, aber von einigen schon länger kolportiert, als Nachfolger von Fredy Collioud berufen wurde. Zwar hatte Cornelia Harder als sichere Kronprinzessin für diesen wichtigen Job gegolten. Ihre Beförderung wurde aber – für einige nicht weniger überraschend – blockiert, weil ihr Lebenspartner CEO bei McCann-Erickson und damit bei der Konkurrenz ist. Der Wettbewerb ist offenbar härter geworden. In einem nach wie vor sportlich klingenden Ton formuliert Kaspar Loeb aber seine gesetzten Ziele: «Fredy und ich freuen uns gemeinsam, dass wir diesen Markt ein bisschen aufmischen können.»
Die Publicis Gruppe vereinigt mit der Publicis Werbeagentur, mit Fisch.Meier.Direkt und der Mediaagentur Optimedia die drei führenden Unternehmen in Werbung, Dialogmarketing und Media in der Schweiz. Die Gruppe betreut unter anderem Kunden wie UBS, Coca-Cola, Neue Zürcher Zeitung, Nestlé, Migros oder Swisscom Mobile. Die Agentur führt nicht nur regelmässig die Kreativ-Rankings der meistausgezeichneten Agenturen an, sondern dominierte 2003 mit drei Effie Gold Awards auch die Preisverleihung für «Effiziente Werbung».
Er sei sich bewusst, dass er «in ein Paar sehr grosse Schuhe steige», meinte Kaspar Loeb deshalb bei seiner Antrittsrede an der Theaterstrasse. Der «Teamplayer mit grosser Marken- und Führungserfahrung» verkörpert für Fredy Collioud aber auch die ideale «Verjüngung der Geschäftsleitung». Kaspar Loeb ermöglicht «zum richtigen Zeitpunkt einen wichtigen Schritt in die Zukunft der Agentur».
Mit Loeb werden die bis anhin geteilten Funktionen eines Managing Directors und des Chief Executive Officers zusammengelegt. «Ich will aber keine One-Man-Show machen», erklärt der neue Chief, der sich mit Fredy Collioud als Chairman und Präsident des Verwaltungsrates weiterhin auf «ein starkes Back-up» stützen kann.
Kaspar Loeb weiss, dass er bei Publicis «aus einer starken Position heraus antreten kann» und er freut sich, dass er in seinem neuen Job auf die kreativen Ideen vieler «sensationeller Leute» hoffen darf. Und wo sieht er Probleme oder Herausforderungen? «Wenn Sie im Dezember 2000 in die Werbung eingestiegen sind und Sie haben überlebt bis Dezember 2003, dann schreckt Sie nichts mehr», meint er.
Verantwortung übernehmen
Eine solche Blitzkarriere in der Werbung hat sich auch bei Kaspar Loeb nicht von Beginn weg abgezeichnet. Nach dem Jus-Studium in Basel hat er trotz Abschluss wenig Begeisterung für eine Laufbahn als Anwalt verspürt. Der junge Jurist arbeitete zuerst einmal als Gewerbelehrer. Mit 26 Jahren lockten dann erstmals die Medien. Loeb schaffte die Aufnahme in die Ringier-Journalistenschule. «Eine glückliche Weichenstellung», meint er heute. Er durfte verschiedene Stages absolvieren, «das wichtigste davon» ein halbes Jahr auf der Blick-Redaktion beim «Heissen Draht». Dort hätte er den entscheidenden Abstand gewonnen von der eher akademischen Welt der Uni. «Da rufen Menschen mit wirklich echten Problemen an», erinnert er sich an diese Lebenserfahrung.
Auf seinen weiteren Stationen hat der junge Journalist bei der Projektierung und Lancierung der SonntagsZeitung mitgearbeitet. Später wechselte er zu Politik und Wirtschaft, wo der erklärte Politmensch zum erstenmal über Wirtschaft schrieb. Diese neue Spezialisierung führte ihn zur Weltwoche sowie schliesslich zu Cash-TV. Eine weiterführende journalistische Herausforderung hätte vielleicht das Magazin Reflex werden können. Das Konkurrenzprojekt zu Facts aus dem Hause Ringier wurde aber im letzten Moment gestoppt.
«Wie es der Zufall so will» hat Kaspar Loeb genau in dieser Zeit ein erstes Angebot aus der Werbung bekommen. Die Zürcher Agentur Zintzmeyer & Lux wollte den ausgewiesenen Journalisten als Branding-Spezialisten testen. Der Kommunikationsfachmann hat es geschafft. Nach anderthalb Jahren wurde er bereits in die Geschäftsleitung der Branding-Agentur berufen. «Kann ein Journalist erfolgreich Werbung machen?», fragte man sich in der Branche misstrauisch, als Loeb nach fünf Jahren bei den Markenspezialisten direkt als CEO zur klassischen Agentur Seiler DDB wechselte.
Werbung, Branding oder Journalismus – Kaspar Loeb sieht das nicht so stark als getrennte Disziplinen. «Mich interessiert Kommunikation in all ihren Formen», meint er. Texter allerdings sei für ihn nie eine erstrebenswerte Option gewesen. «Dann wäre ich lieber Journalist geblieben», sinniert er.
Dass er es nicht geblieben ist, bereut er heute nicht. Ein Journalist könne zwar viel Einfluss nehmen, ohne dafür gross die Verantwortung tragen zu müssen. «Mich hat aber immer interessiert, dass ich auch den Kopf hinhalte für das, was ich mache», meint Loeb stolz. Als Werber trage er viel mehr Verantwortung, denn die Kunden haben ganz klare Erwartungen. Und wenn man diese Vorgaben nicht erfüllt, hat man ein Problem. «Diese Herausforderung lockt mich», verrät der neue Manager auf dem höchsten Stuhl der Schweizer Agenturszene.
Kaspar Loeb ist mit einer Kultur-Journalistin verheiratet, liebt deshalb Kultur in den verschiedensten Formen und entspannt sich gerne in Südfrankreich.
Auf dem Olymp der Schweizer Agenturszene: Kaspar Loeb, neuer Geschäftsführer von Publicis
Andreas Panzeri
