Kopf der Woche: «Vor zehn Jahren hatte ich von Marken noch keine Ahnung»
Jürgen Häusler hat den Posten des CEO der Interbrand- Zintzmeyer & Lux-Gruppe übernommen
Jürgen Häusler hat den Posten des CEO der Interbrand- Zintzmeyer & Lux-Gruppe übernommenKopf der Woche«Vor zehn Jahren hatte ich von Marken noch keine Ahnung»
Jürgen Häusler könnte heute auch Hochschulprofessor sein – beruflich steckt der 46-Jährige bereits in seinem zweiten Leben. Als CEO von Interbrand Zintzmeyer&Lux führt er seit Anfang Mai die Geschäfte einer der erfolgreichsten Markenberatungsagenturen. Und das, obwohl er noch vor zehn Jahren keine Ahnung von Corporate Identity oder Branding gehabt habe, wie Häusler betont.
Damals stand er auf dem Zenit einer akademischen Karriere: Nach Tätigkeiten an deutschen Universitäten arbeitete er als Sozialwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Einzig eine Professur fehlte zur Krönung der Laufbahn. Doch bei Häusler regten sich Zweifel, ob dies wirklich die Traumposition sei: «Das akademische Leben in Deutschland ist stark an Seilschaften gebunden. Es hat mich irritiert, dass Beziehungen mehr zählen als die wirkliche Arbeit.» Dazu gesellte sich ein Mangel an beruflicher Befriedigung: «An der Uni habe ich zuletzt vier Jahre lang an einem Buch gearbeitet», erinnert sich Häusler, «und das haben vielleicht 40 Leute gelesen.»
Anderer Meinung war ein Freund bei Zintzmeyer&Lux, der ihn bewog, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Den Sprung ins kalte Wasser hat Häusler gewagt und nie bereut. Dabei kann er auch Verbindungen zu seinem akademischen Wissen herstellen. Eines seiner Forschungsgebiete war die Betrachtung von Firmen als politische Gebilde, in denen Konflikte und Kompromisse stattfinden, strategische Koalitionen gebildet und Hierarchien untergraben werden. «Mit solchen Prozessen habe ich mich auf theoretischer Ebene beschäftigt», erläutert Häusler, «vieles davon begegnet mir jetzt im Berufsleben.» Dieses Wissen kann er in die Beratung einfliessen lassen, bei der es ihm auch darum geht, den Kunden richtig zu verstehen. «Da hilft mir mein akademisches Wissen mehr als vieles, was man in der Betriebswirtschaft lernt», ist der Sozialwissenschafter überzeugt.
Der Erfolg gibt ihm recht: Rund drei Monate nach seinem Einstieg in die Markenwelt leitete er schon das deutsche Büro von Zintzmeyer&Lux in Bonn und übernahm die Deutsche Telekom als Hauptkundin. Mit München und Hamburg kamen weitere Filialen dazu, deren Geschicke er als Geschäftsführer lenkte. Dass er von Marken keine Ahnung hat, unterstellt ihm heute wohl niemand mehr.
Mit dem Aufstieg zum CEO der ganzen Interbrand-Zintzmeyer&Lux-Gruppe hat Häusler seinen Wohnsitz nach Zürich verlegt. Die Hälfte der Woche verbringt er aber nach wie vor in Deutschland. Ans Pendeln hat er sich schon als Geschäftsführer der deutschen Büros gewöhnt. «Geändert», so der CEO, «hat sich nur die Flugrichtung.» Bruno Amstutz
Jürgen Häusler könnte heute auch Hochschulprofessor sein – beruflich steckt der 46-Jährige bereits in seinem zweiten Leben. Als CEO von Interbrand Zintzmeyer&Lux führt er seit Anfang Mai die Geschäfte einer der erfolgreichsten Markenberatungsagenturen. Und das, obwohl er noch vor zehn Jahren keine Ahnung von Corporate Identity oder Branding gehabt habe, wie Häusler betont.
Damals stand er auf dem Zenit einer akademischen Karriere: Nach Tätigkeiten an deutschen Universitäten arbeitete er als Sozialwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Einzig eine Professur fehlte zur Krönung der Laufbahn. Doch bei Häusler regten sich Zweifel, ob dies wirklich die Traumposition sei: «Das akademische Leben in Deutschland ist stark an Seilschaften gebunden. Es hat mich irritiert, dass Beziehungen mehr zählen als die wirkliche Arbeit.» Dazu gesellte sich ein Mangel an beruflicher Befriedigung: «An der Uni habe ich zuletzt vier Jahre lang an einem Buch gearbeitet», erinnert sich Häusler, «und das haben vielleicht 40 Leute gelesen.»
Anderer Meinung war ein Freund bei Zintzmeyer&Lux, der ihn bewog, in die Privatwirtschaft zu wechseln. Den Sprung ins kalte Wasser hat Häusler gewagt und nie bereut. Dabei kann er auch Verbindungen zu seinem akademischen Wissen herstellen. Eines seiner Forschungsgebiete war die Betrachtung von Firmen als politische Gebilde, in denen Konflikte und Kompromisse stattfinden, strategische Koalitionen gebildet und Hierarchien untergraben werden. «Mit solchen Prozessen habe ich mich auf theoretischer Ebene beschäftigt», erläutert Häusler, «vieles davon begegnet mir jetzt im Berufsleben.» Dieses Wissen kann er in die Beratung einfliessen lassen, bei der es ihm auch darum geht, den Kunden richtig zu verstehen. «Da hilft mir mein akademisches Wissen mehr als vieles, was man in der Betriebswirtschaft lernt», ist der Sozialwissenschafter überzeugt.
Der Erfolg gibt ihm recht: Rund drei Monate nach seinem Einstieg in die Markenwelt leitete er schon das deutsche Büro von Zintzmeyer&Lux in Bonn und übernahm die Deutsche Telekom als Hauptkundin. Mit München und Hamburg kamen weitere Filialen dazu, deren Geschicke er als Geschäftsführer lenkte. Dass er von Marken keine Ahnung hat, unterstellt ihm heute wohl niemand mehr.
Mit dem Aufstieg zum CEO der ganzen Interbrand-Zintzmeyer&Lux-Gruppe hat Häusler seinen Wohnsitz nach Zürich verlegt. Die Hälfte der Woche verbringt er aber nach wie vor in Deutschland. Ans Pendeln hat er sich schon als Geschäftsführer der deutschen Büros gewöhnt. «Geändert», so der CEO, «hat sich nur die Flugrichtung.» Bruno Amstutz
