Kommunikation aus Grosszügigkeit

Bei Immagina entsteht Werbung mitten in einem Weinberg im Mendrisiotto

Bei Immagina entsteht Werbung mitten in einem Weinberg im MendrisiottoVon Luca Aloisi Der ehemalige Fotoreporter Adriano Heitmann gründete vor drei Jahren im Tessiner Ort Stabio die kleine Agentur Immagina. Dank des grossen Netzwerks und der hohen Bildkompetenz sind dem kleinen Büro schon Achtungserfolge gelungen.
Wohl keine Kleinagentur würde sich mit dem oft pejorativ belasteten Etikett Wald-und-Wiesen-Agentur bezeichnen lassen. Adriano Heitmann, Gründer der dreiköpfigen Immagina, hat keine Probleme mit der Lage seiner Agentur und präzisiert höchstens die Umschreibung. Schliesslich steht sein Büro eigentlich in einem Tessiner Weinberg: «Wir arbeiten in einem umgebauten Weinbauernhaus oberhalb von Stabio», sagt er und öffnet gleich eine Klammer: «Dort befinden sich nicht nur unser grosses Fotostudio und das Atelier, der Dachstock ist auch Austragungsort kultureller Aktivitäten wie Konzerte, Degustationen, Meetings, Ausstellungen und Workshops.»
Vom Fotoreporter zum sesshaften Werbekonzepter
So unkonventionell dieses Tessiner Networking-Konzept aus Zürcher Sicht erscheinen mag, so erklärt es doch Heitmanns generöse Auffassung von Kommunikation am treffendsten. Für ihn muss Kommunikation eine Haltung der Grosszügigkeit einnehmen. Diese soll für den Auftraggeber nach innen und aussen vermittelt werden. Wer zu stark auf den Return on Invest schiele, werde kaum neue Kunden erschliessen, geschweige denn auf neue Inspirationsquellen stossen. Erst recht nicht hier, im abgelegenen Stabio. Obwohl man von hier aus dank der nahen Flughäfen Agno und Mailand innert Kürze auf der Alpennordseite oder sonstwo auf der Welt sei, versucht er nicht, die Distanzen kleinzureden, sondern aus der Not eine Tugend zu machen.
Zum ehemals selbstständigen, um den Globus rasenden Fotoreporter, der als Quereinsteiger zur Werbung fand, kommen denn auch nur Auftraggeber und Grossagenturen, die von Heitmanns Arbeit überzeugt sind. Davon gibt es nicht wenige und, worauf der Tessiner besonders stolz ist, kaum zwei aus der gleichen Branche. Adriano Heitmann, der bis in die Neunzigerjahre für Magazine und Zeitungen wie Geo, Merian, Stern, Schweizer Illustrierte, NZZ, Die Zeit oder das italienische Airone Fotoreportagen und Porträts machte, betreut heute eine völlig andere Klientel: vom edlen Chianti-Weingut Castello di Ama oder dem internationalen Pferderennen St. Moritz White Turf im Jahr 2000 über die Tessiner Modehauskette Monn bis hin zum weltweit führenden Präzisionspinzetten-Hersteller Rubis.
Gerade Rubis macht sich im Portfolio gut, wird die Firma doch von CEO Fides Baldesberger geführt. Sie wurde von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young 2001 zum ersten weiblichen «Entrepreneur of the Year» erkoren.
Seinen Leistungsauftrag legt der 51-jährige Heitmann weit aus. Vieles, was über seine Kernkompetenz – die visuelle Konzeptions- und Umsetzungsstufe – geht, übergibt er Freelancern, die er meist in seinem riesigen, internationalen Beziehungsnetz findet, das er noch als viel reisender Journalist geknüpft hatte.
Künstlerader prägt Kommunikationsform
Nicht selten gelingt es ihm, mit der Ideenmelange, die aus verschiedenen unabhängigen Bereichen stammt, seine Visionen in eine verblüffende und kohärente Form zu bringen. So beispielsweise für Rubis: Für seine Produktverpackung – ein durchsichtiges, aufgeschlitztes Stück Kunststoff-rohr, in dem die innovative Alu-Pinzette sauber versorgt und trotzdem sichtbar ist – wurde er in Frankfurt mit dem deutschen Design-Preis 2001 ausgezeichnet.
Ebenso erfolgreich war seine harmonische Verknüpfung von Mode und Kunst: In der anspruchsvollen Katalogtrilogie, die über die Kantonsgrenzen Wellen schlug, wob er einmal Tessiner Architektur, dann die Expressionistin Marianne Werefkin und schliesslich Rolf Gérard, Kostümschneider und Bühnenbildner der Metropolitan Opera New York, mit den Kleidern des Modegeschäfts Monn zusammen. Dass er die Absichten der Auftraggeber mustergültig bis zur Sichtbarmachung führt, beweist auch die 1999 von GGK, Zürich, konzipierte Broschüre für Ticino Turismo, in der Heitmanns Fotos zu einer Riesenauflage kamen.
Nicht nur die Ehe mit der berühmten mexikanischen Kunstfotografin Flor Garduño («Zeugen der Zeit») oder die Zusammenarbeit mit Stararchitekt Mario Botta, für den er eine Ausstellung im Museum of Modern Art in New York produziert hatte, prägten Heitmanns vielseitige Art, sich Aufträgen zu nähern. Auch das Familienleben mit zwei Kindern, das ihn vom faszinierenden Beruf des Fotoreporters wegbrachte und stärker an seine Tessiner Wurzeln band, hat sein Schaffen beeinflusst.

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