Kommentar: Gemischtwarenladen (2)

René Worni über clever terminierte Medienerzeugnisse der Post.

Wir haben es bereits einmal vermeldet: Der Gemischtwarenladen Post gebärdet sich auch verlegerisch und will selber Zeitungen und Zeitschriften publizieren. Alles halb so wild, winkten die Verantwortlichen der Posttochter DMC ab. Bisher ging es auch bloss um eine Art Minizeitung «in-», die zweimal wöchentlich, jedoch bald in einer Auflage von einer Million Exemplaren in die Haushalte verteilt wird. Das Potenzial ist enorm.
Zum jährlichen Verlegerkongress gibt die Post zusammen mit dem Verlegerverband die 16-seitige Kongress-Zeitung heraus mit praktischem Nutzwert in Form eines faltbaren Kongressführers, der beiliegt. Das Blatt beleuchtet nicht bloss die Kongressagenda, sondern steuert kongruente Inhalte bei: Ein Interview mit der LeTemps-Verlagsleiterin zur Gratispresse in der Romandie, ein Frontbericht über den sich wandelnden Arbeitsalltag des Auslandkorrespondenten, Expertenmeinungen zur Debatte über die Herausforderungen im Journalismus bis hin zur geschickten Eigenwerbung über die Vorzüge der Frühzustellung oder über ein Vertriebsportal im Internet. Das Heft ist seriös gemacht, bestandene Journalisten und Fotografen waren am Werk und man merkt, die Post hat das Zeug zur Verlegerin. Sie wird nicht zögern, wenn sie, durch die fortschreitende Postmarktliberalisierung genötigt, neue Erlösquellen erschliessen muss.

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