Kleine Redaktion, grosse Zeitung
Rund 500 Redaktorenstellen hat die Krise bislang in der Schweiz gefordert. «Experten» wie Kurt W. Zimmermann, Res Strehle oder Felix E. Müller begreifen diesen Kahlschlag als Chance, die Qualität der Zeitungen zu verbessern. Fragt sich bloss: Womit? Gastkommentar von Hans Stutz, freier Journalist.
Wie wir ja (fast) alle inzwischen erkennen mussten, haben Neoliberale in den Jahren seit Milton Friedmann und Margaret Thatcher die Wirtschaftswelt neu erfunden, und Kurt W. Zimmermann ist ihr lautestes Sprachrohr in der Schweiz, zumindest in der Medienbranche. Oder vielleicht auch nur in der Weltwoche, und da auch erst nach Roger Köppel. Wie dem auch sei, der «bekannte Sportjournalist» (Festschrift Golfclub Realp) zeigte unlängst im Wochenblatt für den genervten Rechtsbürgerlichen eine bemerkenswerte Gedankenpirouette, als er die Streichung von rund 500 Redaktorenstellen kommentierte, wobei Zimmermann nur bis 250 mitzählen wollte.
Es gebe nun Hoffung, so Zimmermann, dass «die Zeitungen wieder echte Zeitungen» würden. Und weiter: «Wenn nun Redaktionen kleiner werden, werden Zeitungen fast automatisch besser.» Eine Zeitung habe Aktualität zu vermitteln und diese intelligent zu analysieren. Man kann sich das auch sehr gut als eine Zeitung mit vielen Agenturmeldungen und einigen Kommentaren, allenfalls noch Analysen vorstellen. In Krisenzeiten haben Kurpfuscher und Wahrsager eben Hochkonjunktur, könnte man meinen.
Auch Res Strehle (Tages-Anzeiger) und Felix E. Müller (NZZ am Sonntag) plädieren als Motto für Qualitätszeitungen: weniger, präziser, originaler. So weit so einleuchtend. Ungesichert ist, ob dies mit weniger JournalistInnen geht. Journalistische Kompetenz verlangt vertiefte Dossierkenntnisse und dies geht nicht ohne bezahlte Arbeit, ausser man überlässt die Kommentierung irgendwelchen «Experten» von Interessenorganisationen, beispielsweise der Avénir Suisse. Dies geht allerdings nur auf Kosten der journalistischen Reputation.
Wie der Zufall so spielt, gerade an jenem Tag, da Zimmermann sein Wochengeplapper publiziert, fordert Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument in einem Interview mit der Basler Zeitung für die Verleger staatliche Entlastungen von – grob geschätzt – über einer halben Milliarde Franken. Das Wort «Subventionen» mag der Südostschweiz-Monopolist nicht in den Mund nehmen, er spricht von «Rahmenbedingungen» und meint geringere Mehrwertsteuern, Verbilligungen bei den Posttaxen (wie einst gang und gäbe) und staatlichen Beihilfen bei der Journalistenausbildung. Auch Lebrument reagiert defensiv, er will «einen Pressevielfaltsartikel» in der Verfassung verhindern.
Nun gehörten bis anhin Lebruments Breitseiten gegen staatliche Regelungen zu den Höhepunkten jedes Verlegerkongresses, obwohl die meisten Zuhörerinnen wussten, dass Lebrument selbst der ungekrönte Schweizer Meister im Hechten nach Subventionen war. Der Verlegerpräsident hat nun neue Verleger-Vorschläge angekündigt. In der Tat ist der Service public für die Meinungsvielfalt in der Schweiz gefährdet, ungesichert aber ist, ob zu ihrer Sicherung die heute existierenden regionalen Monopolhäuser die richtige Adresse sind. (Wer stellt die nächs¬te Zeitung auf die Beine? Vielleicht auch zuerst nur ins Internet?)
Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Erstens. Der Neoliberalismus pfeift aus dem allerletzten Loch. Kein vernünftiger Mensch kann dies beklagen. Zweitens. Wenn Lebrument die Ideologie wechselt, dann besteht wirklich Handlungsbedarf, nicht nur im eidgenössischen Parlament (Medienartikel in der Verfassung), sondern auch beim börsenkotierten Tamedia-Konzern selbstverständlich. Der entlässt zwar rund 80 Leute (Tagi & Der Bund), weist einen Gewinn für 2008 von 105 Millionen Franken aus, wovon er über 31 Millionen an die Aktionäre auszahlt, das heisst dem Konzern entzieht. Mit diesem Geld könnten die Entlassenen gleich für mehrere Jahre zur Verbesserung der Zeitungen beitragen. Wenn die Redaktionen grösser bleiben, sinkt die Wahrscheinlichkeit des Qualitätsabbaus. Würden wir so hemmungslos wie Zimmermann formulieren, könnten wir gar schreiben: Wenn die Redaktionen grösser werden, dann steigt fast automatisch die Qualität. Und zum Schluss. Drittens: «Ein Verleger darf keine allzu grossen Gewinne erwarten», sagt Lebrument. Wo er recht hat, hat er recht. Vielleicht muss er sich für ein Jahr oder zwei sogar mit geringen Verlusten zufrieden geben. Das allerdings geht an der Börse nicht.
Es gebe nun Hoffung, so Zimmermann, dass «die Zeitungen wieder echte Zeitungen» würden. Und weiter: «Wenn nun Redaktionen kleiner werden, werden Zeitungen fast automatisch besser.» Eine Zeitung habe Aktualität zu vermitteln und diese intelligent zu analysieren. Man kann sich das auch sehr gut als eine Zeitung mit vielen Agenturmeldungen und einigen Kommentaren, allenfalls noch Analysen vorstellen. In Krisenzeiten haben Kurpfuscher und Wahrsager eben Hochkonjunktur, könnte man meinen.
Auch Res Strehle (Tages-Anzeiger) und Felix E. Müller (NZZ am Sonntag) plädieren als Motto für Qualitätszeitungen: weniger, präziser, originaler. So weit so einleuchtend. Ungesichert ist, ob dies mit weniger JournalistInnen geht. Journalistische Kompetenz verlangt vertiefte Dossierkenntnisse und dies geht nicht ohne bezahlte Arbeit, ausser man überlässt die Kommentierung irgendwelchen «Experten» von Interessenorganisationen, beispielsweise der Avénir Suisse. Dies geht allerdings nur auf Kosten der journalistischen Reputation.
Wie der Zufall so spielt, gerade an jenem Tag, da Zimmermann sein Wochengeplapper publiziert, fordert Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument in einem Interview mit der Basler Zeitung für die Verleger staatliche Entlastungen von – grob geschätzt – über einer halben Milliarde Franken. Das Wort «Subventionen» mag der Südostschweiz-Monopolist nicht in den Mund nehmen, er spricht von «Rahmenbedingungen» und meint geringere Mehrwertsteuern, Verbilligungen bei den Posttaxen (wie einst gang und gäbe) und staatlichen Beihilfen bei der Journalistenausbildung. Auch Lebrument reagiert defensiv, er will «einen Pressevielfaltsartikel» in der Verfassung verhindern.
Nun gehörten bis anhin Lebruments Breitseiten gegen staatliche Regelungen zu den Höhepunkten jedes Verlegerkongresses, obwohl die meisten Zuhörerinnen wussten, dass Lebrument selbst der ungekrönte Schweizer Meister im Hechten nach Subventionen war. Der Verlegerpräsident hat nun neue Verleger-Vorschläge angekündigt. In der Tat ist der Service public für die Meinungsvielfalt in der Schweiz gefährdet, ungesichert aber ist, ob zu ihrer Sicherung die heute existierenden regionalen Monopolhäuser die richtige Adresse sind. (Wer stellt die nächs¬te Zeitung auf die Beine? Vielleicht auch zuerst nur ins Internet?)
Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Erstens. Der Neoliberalismus pfeift aus dem allerletzten Loch. Kein vernünftiger Mensch kann dies beklagen. Zweitens. Wenn Lebrument die Ideologie wechselt, dann besteht wirklich Handlungsbedarf, nicht nur im eidgenössischen Parlament (Medienartikel in der Verfassung), sondern auch beim börsenkotierten Tamedia-Konzern selbstverständlich. Der entlässt zwar rund 80 Leute (Tagi & Der Bund), weist einen Gewinn für 2008 von 105 Millionen Franken aus, wovon er über 31 Millionen an die Aktionäre auszahlt, das heisst dem Konzern entzieht. Mit diesem Geld könnten die Entlassenen gleich für mehrere Jahre zur Verbesserung der Zeitungen beitragen. Wenn die Redaktionen grösser bleiben, sinkt die Wahrscheinlichkeit des Qualitätsabbaus. Würden wir so hemmungslos wie Zimmermann formulieren, könnten wir gar schreiben: Wenn die Redaktionen grösser werden, dann steigt fast automatisch die Qualität. Und zum Schluss. Drittens: «Ein Verleger darf keine allzu grossen Gewinne erwarten», sagt Lebrument. Wo er recht hat, hat er recht. Vielleicht muss er sich für ein Jahr oder zwei sogar mit geringen Verlusten zufrieden geben. Das allerdings geht an der Börse nicht.
