Keyword Gabriel

Markus Gabriel feiert fünf Jahre Angelink und ist seiner Zeit um zwei Jahre voraus.

Markus Gabriel feiert fünf Jahre Angelink und ist seiner Zeit um zwei Jahre voraus.Mit Socks hat alles angefangen. Das war 1995, als US-Präsident Bill Clintons Katze im Weissen Haus in Washington den ersten virtuellen Besuch von Surfern aus aller Welt empfing. Das Schnurren von Socks auf einer Website wurde zum Medienthema. Auch der Werber Markus Gabriel las damals über Socks und wollte wissen: «Was bedeutet ‹Internet› und was wären das für neue Möglichkeiten, vielleicht für unsere Branche?» Permission Marketing, Viral Marketing oder Suchmaschinenmarketing und Keywordwerbung sind seither Begriffe, die Gabriel kürzlich am Töchtertag der Schweizer Schulen auch dem jüngeren seiner zwei Mädchen zu erklären suchte, als diese einen Tag lang in der Agentur an der Zürcher Bolleystrasse schnupperte.
Die Zehnjährige hat heute bereits mehr begriffen als altgediente Werbechefs diverser Grosskunden damals, als Gabriel zu Beginn der Interneteuphorie schon einmal zu einem Aufklärungstag in seine frühere Agentur Schminke und Gabriel geladen hatte. Das Wissensdefizit der Werbebranche brachte Gabriel auf die Nischenidee für seine Crossover-Agentur. «Angelink», wie seine neue Agentur in Anlehnung an «Angel» für Engel Gabriel, «Ink» für Tinte und Texte sowie «Link» für die wertvollen Verbindungen heisst, bietet «die Orchestrierung von On- und Offline-Kommunikation über alle Bereiche an».
Damit es auch seine Tochter begriff, hat Vater Gabriel die Methode des Suchmaschinenmarketings an einem einfachen Beispiel erklärt. Demnach bringe es kaum Kunden, wenn jemand, der Bücher verkaufen wolle, bei Google das Wort «Buch» eingebe. Es bringe aber sehr viel, wenn der Buchhändler als Keyword «Buch bestellen» definiere. Solche Eingaben werden von Angelink und Co. für potenzielle Kunden erfasst, sei es durch technische Eingriffe in die Website oder durch das Schalten von keywordgestützten Anzeigen, welche die Surfer auf die entsprechenden Seiten lenken und damit zum Kauf verlocken.
In den USA ist solche Keywordwerbung die Werbeform «mit dem grössten Schub, und es gibt kein Absinken», weiss Gabriel. Es sei die am schnellsten wachsende Sparte im Bereich Onlinemarketing mit einem Wachstum von 100 Prozent im vergangenen Jahr. Werbung mit Suchbegriffen erziele bereits halb so viel Umsatz wie Bannerwerbung. Auch in Deutschland zeigten die Zahlen nach oben. Zwar sei man hier noch zwei Jahre hinter der Entwicklung zurück. «Die Zeit arbeitet aber für uns», ist der Pionier von Angelink überzeugt. Von zwei auf sechs ist die Zahl der Mitarbeitenden der Agentur in den fünf Jahren ihres Bestehens gewachsen. Dazu arbeitet man mit Freelancern, wie zum Beispiel mit Programmierern in Sibirien.
Im Suchmaschinenmarketing, seit Jahren eine Spezialität von Angelink, hat sich die Agentur jetzt auch noch mit seinen «härtesten und gleichzeitig am meisten geschätzten Konkurrenten» zusammengetan. Das Suchmaschinenmarketing als die neuste Form von Direct Marketing wurde von der Fullserviceagentur ausgelagert. Zusammen mit den Webspezialisten Insign und Envia wurde die Angelink Yourposition GmbH gegründet. Die Suchmaschinenmarketing-Agentur Angelink Yourposition ist im ersten Monat nach ihrer Gründung schon mit sechs Etats betraut worden. Neben dem Online-Sockenvertrieb Blacksocks .ch und dem Zementkonzern Holcim zum Beispiel für die Student Travel School oder den Online-Computerhändler ARP Datacon.
Zu den wichtigsten Kunden in den noch immer gepflegten klassischen Werbedisziplinen von Angelink gehören die Helsana-Gruppe, Rivella, Swarovski oder Henkel, für die Angelink sogar ein Konzept nach Deutschland exportieren konnte. Wobei viele dieser Projekte nicht reine klassische Werbung, sondern eben Crossover-Konzepte seien. «In diesem Zusammenführen der realen und der virtuellen Welt können wir unsere entscheidende Stärke ausspielen», weiss Gabriel.
Der Crossover-Spezialist fing gleich nach der Matura als Texter an. Er arbeitete bei Wirz und Advico, bevor er mit 30 Jahren CD bei McCann wurde. Da ihn das Neue «grundsätzlich mehr lockt als das, was es schon gegeben hat», kam für Gabriel das Internet gerade zur rechten Zeit. Multimedia faszinierte ihn, weil er damit «mehr Instrumente beherrschen und in Einklang bringen muss» als in der klassischen Werbung.
Aber nicht nur die Instrumente des World Wide Web beherrscht Gabriel heute. Der Werber spielt in seiner Freizeit mit dem Didgeridoo auch meditative Kassetten ein und zählt zu den Top Five der Schweizer Mundharmonika-Blueser. «Falls alle Stricke reissen, könnte ich von der Schnurregiige leben», meint der unbekannte Studiomusiker, der schon mit Eddie Harris, Super Charge und Louisianna Red auf der Bühne stand und auf einer Platte von Nena zu hören ist.
Spielt virtuos mit den Möglichkeiten des Web und mit denen der «Schnurregiige»: Angelink-Inhaber Markus Gabriel.
Andreas Panzeri

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