«Keine Win-Win-Situation»

Matthias Luchsinger zum Verlust von MTV an Goldbach Media

Matthias Luchsinger zum Verlust von MTV an Goldbach MediaCinecom-Chef Matthias Luchsinger, der die MTV-Vermarktung per 1. Januar an Goldbach Media verloren hat, weint dem Musiksender keine Tränen nach.Cinecom hat kein Glück mit jugendaffinen Medien: MTV verlässt die Cinecom bereits wieder.
Matthias Luchsinger: Zuerst einmal bedarf diese Aussage der Relativierung. Mit Kino und dem Magazin Close-up haben wir nach wie vor sehr viel Kompetenz bezüglich junger Medien. Deshalb kann man nicht sagen, wir hätten kein Glück mit jungen Medien.
Was, denken Sie, veranlasste MTV zum Wechsel zu Goldbach Media?
Luchsinger: Wir waren gegenüber MTV zu keinen finanziellen Garantien bereit. Gerade in der heutigen Zeit macht es keinen Sinn, sich auf solche Risiken einzulassen. Es zeugt auch nicht unbedingt von einem partnerschaftlichen Denken, wenn in so schwierigen Zeiten allzu weit gehende Garantieleistungen verlangt werden. MTV hat aus meiner Sicht für das Sendermarketing in der Schweiz viel zu wenig getan. Verloren geht dabei ja auch die Win-Win-Konstellation, die es aber braucht, damit eine Zusammenarbeit überhaupt attraktiv ist.
Cinecom scheint Mühe zu haben, sich neben Kino auch noch mit anderen Medien zu positionieren: Im Oktober 2001 war Kult weggegangen, vor einem Jahr dann Radio 105 und im Februar 2002 der Toaster, der damals eingestellt wurde.
Luchsinger: Wir haben 2001 den strategischen Entscheid gefällt, uns auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, auf die Vermarktung von Kino und TV sowie aufs Kinomagazin Close-up. In diesem Zusammenhang lösten wir uns auch von Radio 105. Der damalige Entscheid zu Gunsten des Kerngeschäfts hat sich bereits positiv ausgewirkt. Mit einer schlanken Organisation ist es uns gelungen, 2002 im Bereich Kino ein sehr gutes Resultat zu realisieren. Stolz sind wir auch darauf, dass wir sämtliche grossen Kinobesitzer unter Vertrag halten konnten – trotz Mediavision, die uns aus der Westschweiz Konkurrenz macht. Zudem haben wir es geschafft, sämtliche neuen Multiplex-Kinos der Schweiz unter Vertrag zu nehmen.
Andererseits will Cinecom ja aber ihr zweites Kerngeschäft, die TV-Vermarktung, voranbringen. Mit dem Weggang von MTV schrumpfen die TV-Umsätze nun wieder.
Luchsinger: Wir verlieren mit MTV lediglich 0,5 Prozent unseres Gesamtumsatzes. Und das können wir mit Sat 1 mehr als kompensieren. Denn bei Sat 1 verzeichnen wir ein sehr starkes Wachstum – dank Fussball und einem Ausbau des Programmfensters. Natürlich schauen wir uns auch nach neuen möglichen TV-Partnern um.
Ist Cinecom nun gezwungen, beim TV-Verkauf Personal abzubauen?
Luchsinger: Nein, denn wir haben bereits in den vergangenen drei oder vier Monaten für MTV nicht mehr auf grosser Flamme gekocht.
Interview: Daniel Schifferle

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