«Jetzt steht der Verband finanziell auf starken Beinen»
Peter Hartmeiers letztes Werk ist die Strukturreform des Verbands Schweizer Presse
Peter Hartmeiers letztes Werk ist die Strukturreform des Verbands Schweizer Presse«Jetzt steht der Verband finanziell auf starken Beinen»
Die Strukturreform des Verbandes Schweizer Presse ging an der jährlichen Mitgliederversammlung reibungslos über die Bühne. Damit sind das Präsidium markant aufgewertet und die prekäre Finanzsituation entschärft. Die Arbeitsgruppen werden künftig näher bei der Marktwirklichkeit positioniert (siehe auch Seite 21).
Peter Hartmeier, Ihr letztes grosses Werk als Geschäftsführer der Schweizer Presse, die Strukturreform, ist über die Bühne. Sind Sie zufrieden?
Peter Hartmeier: Ich bin sehr erleichtert. Diese wichtige Angelegenheit, die uns über Monate beschäftigt hat, ist erledigt. Es beginnt eine neue Ära mit der besten Struktur, die der Verband je hatte. Das Zusammenspiel zwischen der Geschäftsstelle und den Exponenten aus den Medienhäusern, die Meinungsbildung und die Verbandsdemokratie sind jetzt viel besser gewährleistet. Was mich besonders befriedigt: Die neue Verbandsstruktur ist von der Mitgliederversammlung praktisch einstimmig angenommen worden.
Ein zentraler Punkt war die desolate Finanzlage des Verbandes. Ist dieses Problem gelöst?
Hartmeier: Desolat ist die Situation nicht, das muss ich zurückweisen. Tatsache ist aber, dass der Verband in den vergangenen Jahren seine Infrastruktur nicht mehr vollständig mit den Mitgliederbeiträgen finanzieren konnte und deshalb stille Reserven auflösen musste.
Wie viel Geld muss insgesamt mehr in die Kassen kommen?
Hartmeier: Wir haben eine Beitragserhöhung von 17,5 Prozent budgetiert. Mit diesen Mehreinnahmen wird der Verband in den nächsten Jahren finanziell auf starken Beinen stehen und die laufenden Ausgaben bestreiten können.
Sind die Erhöhungen proportional auf alle Mitglieder überwälzt worden?
Hartmeier: Nein. Für die kleinen Medienhäuser haben die Beiträge überproportional zugenommen. Aber das geschah nicht etwa auf Druck hin. Die Betroffenen haben das selber so vorgeschlagen. Statt des bisherigen Mindestbetrags von 1300 Franken entrichten sie neu mindestens 2500 Franken pro Jahr. Der Aufschlag für die grossen Medienhäuser fällt deshalb proportional gesehen kleiner aus. Der Maximalbetrag beträgt neu 180000 Franken.
In Sachen Verbandsdemokratie ist man aber nicht viel weiter gekommen. Zwar wurden die Stimmrechte neu verteilt, trotzdem sind sie aber nach wie vor bei den grossen Medienhäusern konzentriert.
Hartmeier: Dieses Übergewicht war vorher viel ausgeprägter. Zum Beispiel vereinigte die Basler Mediengruppe über 20 Stimmen auf sich. Der Grund: Sie besteht aus verschiedenen Unternehmen – Basler Zeitung, Jean Frey AG, WM Wirtschaftsmedien AG –, deren Stimmen addiert wurden. Das Medienhaus Ringier hingegen, das über eine einheitliche Struktur verfügt, hatte nur fünf Stimmen. Da haben wir jetzt Ordnung geschaffen.
Aber nur halbherzig, denn mit bis zu acht Stimmen pro Medienhaus ist das Übergewicht der Grossverlage nach wie vor enorm.
Hartmeier: Wenn die zahlreichen kleinen und mittleren Verlage sich einig sind, dann verfügen sie zusammen über weit mehr Stimmen als die fünf oder sechs Grossverlage zusammen. Andererseits muss man aber sehen: Verbandsdemokratie ist in erster Linie auch eine Frage der inneren Gesprächskultur und weniger der Stimmrechte. In den letzten beiden Jahren haben die mittleren und kleinen Medienhäuser im Verband massiv an Einfluss gewonnen. Und zwar einfach deshalb, weil sie sich intensiver an der Meinungsbildung beteiligten. Wer sich in unserem Verband äussert, wer an den Sitzungen auftritt oder sich schriftlich kundtut, hat innerhalb kürzester Zeit einen überproportionalen Einfluss. Das haben die mittleren und kleinen Verlagshäuser gemerkt und zu ihren Gunsten genutzt.
Welche der diversen Neuerungen würden Sie als die wichtigste bezeichnen?
Hartmeier: In der neuen Struktur wird das Präsidium massiv aufgewertet. Jedes Präsidiumsmitglied wird verantwortlich sein für eines der sieben Departemente, die wir jetzt anstelle der bisherigen Arbeitsgruppen eingesetzt haben.
Was waren die Beweggründe für diese doch einschneidende Gewichtsverlagerung zugunsten des Präsidiums?
Hartmeier: In der bisherigen Struktur konnten die Präsidiumsmitglieder zu wenig in die Arbeit integriert werden; so konzentrierte sich viel Arbeit auf wenige Exponenten. Nun stützen wir die Themensetzung und die Führung des Verbandes breiter ab. Die Zusammenarbeit zwischen dem Präsidium und der Geschäftsstelle einerseits und den Mitarbeitern aus den Verlagen andererseits wird damit verbessert. Die Bedürfnisse unserer Mitglieder können direkter einfliessen.
Aber die Geschäftsstelle ist damit geschwächt, wenn nicht gar entmachtet worden.
Hartmeier: Ich sehe hier keine Schwächung. Die Geschäftsstelle besitzt nach wie vor die Aufgabe, den gesamten Apparat zu koordinieren.
Eine wichtige Neuerung ist die Einführung der sieben Departemente Nutzermarkt, Werbemarkt, Recht, Bildung, Ethik, Distribution und Technologie. Ist damit der Anschluss an die Marktwirklichkeit und an den Marktwandel besser gewährleistet als bisher?
Hartmeier: Auf alle Fälle. Die neuen Departemente sind Ausdruck einer betriebswirtschaftlich vernünftigen, mehr von Management- und weniger von Machtüberlegungen inspirierten Struktur. Die Departemente bilden den Rahmen, um sachorientiert Probleme zu lösen; die alten Gattungsgruppen waren dafür weniger geeignet.
Wenn man die Departemente anschaut, fällt auf: Es fehlt ein Departement für Internet/Onlinemedien. Ist dies Ausdruck für das neu erstarkte Selbstbewusstsein der Printmedien, die nach Jahren des Zitterns vor dem Internet nun wieder aufatmen können?
Hartmeier: Absolut. Zwar wird die Bedeutung des Internets weiter zunehmen, davon bin ich überzeugt. Aber es ist zu einem Medium unter vielen geworden, das man nicht mehr speziell zu behandeln braucht. Wenn wir über den Nutzermarkt, den Werbemarkt, die Distribution oder die Technologie reden, dann wird das Internet selbstredend Teil der Diskussion sein.
Erwarten Sie von den neuen Departementen eine Dynamisierung der Verbandsarbeit?
Hartmeier: Ob und wie stark dies eintreten wird, hängt nun davon ab, wie wir die einzelnen Departemente besetzen können. Gelingt es uns, Leute mit den richtigen Kenntnissen und Affinitäten zum Mitmachen zu bewegen, wird es sicher eine Dynamisierung geben. Interview: Daniel Schifferle
Die Strukturreform des Verbandes Schweizer Presse ging an der jährlichen Mitgliederversammlung reibungslos über die Bühne. Damit sind das Präsidium markant aufgewertet und die prekäre Finanzsituation entschärft. Die Arbeitsgruppen werden künftig näher bei der Marktwirklichkeit positioniert (siehe auch Seite 21).
Peter Hartmeier, Ihr letztes grosses Werk als Geschäftsführer der Schweizer Presse, die Strukturreform, ist über die Bühne. Sind Sie zufrieden?
Peter Hartmeier: Ich bin sehr erleichtert. Diese wichtige Angelegenheit, die uns über Monate beschäftigt hat, ist erledigt. Es beginnt eine neue Ära mit der besten Struktur, die der Verband je hatte. Das Zusammenspiel zwischen der Geschäftsstelle und den Exponenten aus den Medienhäusern, die Meinungsbildung und die Verbandsdemokratie sind jetzt viel besser gewährleistet. Was mich besonders befriedigt: Die neue Verbandsstruktur ist von der Mitgliederversammlung praktisch einstimmig angenommen worden.
Ein zentraler Punkt war die desolate Finanzlage des Verbandes. Ist dieses Problem gelöst?
Hartmeier: Desolat ist die Situation nicht, das muss ich zurückweisen. Tatsache ist aber, dass der Verband in den vergangenen Jahren seine Infrastruktur nicht mehr vollständig mit den Mitgliederbeiträgen finanzieren konnte und deshalb stille Reserven auflösen musste.
Wie viel Geld muss insgesamt mehr in die Kassen kommen?
Hartmeier: Wir haben eine Beitragserhöhung von 17,5 Prozent budgetiert. Mit diesen Mehreinnahmen wird der Verband in den nächsten Jahren finanziell auf starken Beinen stehen und die laufenden Ausgaben bestreiten können.
Sind die Erhöhungen proportional auf alle Mitglieder überwälzt worden?
Hartmeier: Nein. Für die kleinen Medienhäuser haben die Beiträge überproportional zugenommen. Aber das geschah nicht etwa auf Druck hin. Die Betroffenen haben das selber so vorgeschlagen. Statt des bisherigen Mindestbetrags von 1300 Franken entrichten sie neu mindestens 2500 Franken pro Jahr. Der Aufschlag für die grossen Medienhäuser fällt deshalb proportional gesehen kleiner aus. Der Maximalbetrag beträgt neu 180000 Franken.
In Sachen Verbandsdemokratie ist man aber nicht viel weiter gekommen. Zwar wurden die Stimmrechte neu verteilt, trotzdem sind sie aber nach wie vor bei den grossen Medienhäusern konzentriert.
Hartmeier: Dieses Übergewicht war vorher viel ausgeprägter. Zum Beispiel vereinigte die Basler Mediengruppe über 20 Stimmen auf sich. Der Grund: Sie besteht aus verschiedenen Unternehmen – Basler Zeitung, Jean Frey AG, WM Wirtschaftsmedien AG –, deren Stimmen addiert wurden. Das Medienhaus Ringier hingegen, das über eine einheitliche Struktur verfügt, hatte nur fünf Stimmen. Da haben wir jetzt Ordnung geschaffen.
Aber nur halbherzig, denn mit bis zu acht Stimmen pro Medienhaus ist das Übergewicht der Grossverlage nach wie vor enorm.
Hartmeier: Wenn die zahlreichen kleinen und mittleren Verlage sich einig sind, dann verfügen sie zusammen über weit mehr Stimmen als die fünf oder sechs Grossverlage zusammen. Andererseits muss man aber sehen: Verbandsdemokratie ist in erster Linie auch eine Frage der inneren Gesprächskultur und weniger der Stimmrechte. In den letzten beiden Jahren haben die mittleren und kleinen Medienhäuser im Verband massiv an Einfluss gewonnen. Und zwar einfach deshalb, weil sie sich intensiver an der Meinungsbildung beteiligten. Wer sich in unserem Verband äussert, wer an den Sitzungen auftritt oder sich schriftlich kundtut, hat innerhalb kürzester Zeit einen überproportionalen Einfluss. Das haben die mittleren und kleinen Verlagshäuser gemerkt und zu ihren Gunsten genutzt.
Welche der diversen Neuerungen würden Sie als die wichtigste bezeichnen?
Hartmeier: In der neuen Struktur wird das Präsidium massiv aufgewertet. Jedes Präsidiumsmitglied wird verantwortlich sein für eines der sieben Departemente, die wir jetzt anstelle der bisherigen Arbeitsgruppen eingesetzt haben.
Was waren die Beweggründe für diese doch einschneidende Gewichtsverlagerung zugunsten des Präsidiums?
Hartmeier: In der bisherigen Struktur konnten die Präsidiumsmitglieder zu wenig in die Arbeit integriert werden; so konzentrierte sich viel Arbeit auf wenige Exponenten. Nun stützen wir die Themensetzung und die Führung des Verbandes breiter ab. Die Zusammenarbeit zwischen dem Präsidium und der Geschäftsstelle einerseits und den Mitarbeitern aus den Verlagen andererseits wird damit verbessert. Die Bedürfnisse unserer Mitglieder können direkter einfliessen.
Aber die Geschäftsstelle ist damit geschwächt, wenn nicht gar entmachtet worden.
Hartmeier: Ich sehe hier keine Schwächung. Die Geschäftsstelle besitzt nach wie vor die Aufgabe, den gesamten Apparat zu koordinieren.
Eine wichtige Neuerung ist die Einführung der sieben Departemente Nutzermarkt, Werbemarkt, Recht, Bildung, Ethik, Distribution und Technologie. Ist damit der Anschluss an die Marktwirklichkeit und an den Marktwandel besser gewährleistet als bisher?
Hartmeier: Auf alle Fälle. Die neuen Departemente sind Ausdruck einer betriebswirtschaftlich vernünftigen, mehr von Management- und weniger von Machtüberlegungen inspirierten Struktur. Die Departemente bilden den Rahmen, um sachorientiert Probleme zu lösen; die alten Gattungsgruppen waren dafür weniger geeignet.
Wenn man die Departemente anschaut, fällt auf: Es fehlt ein Departement für Internet/Onlinemedien. Ist dies Ausdruck für das neu erstarkte Selbstbewusstsein der Printmedien, die nach Jahren des Zitterns vor dem Internet nun wieder aufatmen können?
Hartmeier: Absolut. Zwar wird die Bedeutung des Internets weiter zunehmen, davon bin ich überzeugt. Aber es ist zu einem Medium unter vielen geworden, das man nicht mehr speziell zu behandeln braucht. Wenn wir über den Nutzermarkt, den Werbemarkt, die Distribution oder die Technologie reden, dann wird das Internet selbstredend Teil der Diskussion sein.
Erwarten Sie von den neuen Departementen eine Dynamisierung der Verbandsarbeit?
Hartmeier: Ob und wie stark dies eintreten wird, hängt nun davon ab, wie wir die einzelnen Departemente besetzen können. Gelingt es uns, Leute mit den richtigen Kenntnissen und Affinitäten zum Mitmachen zu bewegen, wird es sicher eine Dynamisierung geben. Interview: Daniel Schifferle
