Jekami

René Worni schreibt in dieser Woche über die führungslose Regionalpresse der NZZ.

 
René Worni über die führungslose Regionalpresse der NZZ 
Was macht eigentlich die NZZ mit ihren Regionalzeitungen? Im Gegensatz zu Konkurrentin Tamedia (fast) gar nichts. Zuständig für ihre Regionalblätter ist die Tochtergesellschaft Freie Presse Holding (FPH). Über die FPH ist die NZZ zum Beispiel am St. Galler Tagblatt, an der Neuen Luzerner Zeitung und an den Blättern der Züriland-Zeitung (Unterländer, Oberländer, Zürichsee Zeitung) beteiligt. Und regelmässig treffen sich Führungsleute der Regionalblätter zum Ideenaustausch. So gesehen ist die FPH eine mehr oder weniger geschätzte Schnittstelle. Und damit hat es sich auch schon. Zu einem Konsens, wie sich die Regionalpresse im Schatten der NZZ und im umkämpften Regionalmarkt strategisch entwickeln oder wenigstens verhalten sollte, kam es bis heute nicht.Die FPH ist im Hause NZZ (untergebracht in einem Nebengebäude) ein stiefmütterlich behandeltes Gebilde. Denn wer in den publizistischen Höhenlagen eines Weltblattes arbeitet, hat wohl kaum Interesse für die Sorgen von ein paar versprengten Regionaltiteln. Die sollen selber schauen, wie sie zurechtkommen. Deshalb mangelt es auch weitgehend an Orientierungshilfen und Leitsignalen von der Falkenstrasse. So passiert es denn einfach, dass die Luzerner jetzt mit einer eigenen Sonntagsausgabe auf den Sonntagsmarkt kommen und sich in direkter Konkurrenz zur NZZ am Sonntag ihre Kooperationspartner (aktuell die AZ Medien) selber aussuchen. Nicht nur, dass Luzern und Baden sonntags redaktionell und auf dem Inseratemarkt kooperieren wollen, auch der neue Sonntagstalk auf den AZ-Sendern Tele Tell und Tele M1 wird redaktionell mit den beiden Sonntagsblättern verknüpft. Zwar heisst es bei der NZZ, der Fall Luzern passe hervorragend in die Strategie des Hauses. Doch dieses hat es selbst als Mehrheitseignerin der Neuen Luzerner Zeitung und des
St. Galler Tagblatts nicht geschafft, beide Blätter von einer gemeinsamen Sonntagausgabe zu überzeugen beziehungsweise das Vorhaben mit der NZZ am Sonntag abzustimmen. Ein strategischer Gau und für die NZZ-Regionalpresse ein beliebiges Jekami. AZ-Verleger Peter Wanner, durch Tamedias News-Offensive im Mittelland in der Bredouille, ist da ein idealer Katalysator für allerlei Kooperationen. Wie ernst es dabei der NZZ mit notwendigen kommerziellen Interessen ist, bleibt ein Rätselraten.
René Worni, Redaktor

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