In St. Moritz ist der Streit um die Tourismus-Organisation eskaliert
Die Gemeinde St. Moritz hat dem Verwaltungsrat von Engadin St. Moritz Tourismus das Vertrauen entzogen. Mit der Marketingorganisation will man unter dieser Führung nicht mehr zusammenarbeiten.

Wie Recherchen der SonntagsZeitung zeigen, ist in St. Moritz der Streit zwischen der Gemeinde und der Marketingorganisation Engadin St. Moritz Tourismus eskaliert. Kritik kam im September auf, als der Verwaltungsrat der Tourismus-AG den CEO fristlos entlassen hatte und später ein Defizit von 600’000 Franken öffentlich machte. Die verbreitete Meinung: Der ganze Verwaltungsrat hätte bei solchen Zahlen den Hut nehmen müssen.
Die AG gehört Gemeinden wie St. Moritz, Samedan, Pontresina oder Sils. Mit Abstand grösster Aktionär ist St. Moritz, die Gemeinde besitzt über 34 Prozent der Aktien.
Brief entzieht dem VR das Vertrauen
Laut SonntagsZeitung hat die Gemeinde St. Moritz unter Präsident Christian Jott Jenny dem Verwaltungsrat vergangene Woche einen eingeschriebenen Brief geschickt. Darin steht, dass das Vertrauen in den Verwaltungsrat in den letzten Wochen erodiert und schliesslich ganz verschwunden sei. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem jetzigen Verwaltungsrat könne man sich deshalb nicht vorstellen.
Der Verwaltungsrat selbst hatte den Gemeinden die Vertrauensfrage gestellt. VR-Präsident Marcus Gschwend sieht sein Gremium noch halbwegs gestützt, bis auf St. Moritz hätten die Gemeinden, die sich bisher geäussert hätten, ihr Vertrauen ausgesprochen. Doch die Meinung von St. Moritz hat zu viel Gewicht, um ignoriert zu werden. Denn auch der Engadiner Hotelierverein stützt das Misstrauen: Nur gut ein Fünftel findet, der Verwaltungsrat mache einen guten Job, 65 Prozent der Hoteliers finden, es brauche eine Veränderung.
Showdown an der Generalversammlung
Wie es weitergeht, wird sich an der anstehenden Generalversammlung zeigen. Gemeindesprecher Fabrizio D’Aloisio deutet an, dass man gegebenenfalls weiter auf Konfrontation und von den Aktionärsrechten Gebrauch macht. So sei eine Kündigung des Leistungsauftrages eine Option, sagt er.
Ex-CEO will klagen
Weiteres Ungemach droht dem Verwaltungsrat von seiten des gefeuerten Ex-Direktors Gerhard Walter. Der will von einem Defizit von 600’000 nichts gewusst und erst im Nachhinein erfahren haben – er habe bis heute keine Beweise gesehen. Ihn stört zudem, dass ihm der Verwaltungsrat in einem Communiqué im Dezember «mangelnde Führung» und «Kompetenzüberschreitung» vorgeworfen hat. Nun will Walter – sollte es nicht noch zu einer kurzfristigen Einigung kommen – auf gerichtlichem Weg klagen und seine arbeitsrechtlichen Ansprüche geltend machen sowie sich gegen die rufschädigenden Äusserungen des Verwaltungsrates zur Wehr setzen.
