IAA Trend Talk: «The World of Creativity» – Ein Weckruf über den Dächern von Zürich
Beim diesjährigen IAA Trend Talk im Sorell Hotel Zürichberg rüttelte Keynote-Speaker Fredrik Härén die Schweizer Kommunikationsbranche wach: Wer in Zeiten von KI und globalem Wandel wirklich innovativ bleiben will, braucht weit mehr als nur ein grosses kreatives Selbstbewusstsein.
Die Kulisse hätte kaum passender sein können: Herrlichstes Spätsommerwetter, Kaffee und Gipfeli nach herzlicher Begrüssung und ein weiter Blick über Zürich, den See und den Albis bis hin zum schneebedeckten Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau. Diese weite Sicht korrespondierte ideal mit dem Vortrag von Fredrik Härén, der einen Blick in die unterschiedlichsten kreativen Kulturen rund um den Globus warf. Nach der internen Jahresversammlung begrüssten IAA-Präsident Matthias Kiess und Geschäftsführerin Chantal Landis die Gäste im langen Hotelsaal, bevor das Furioso des schwedischen Bestsellerautors (The Idea Book) begann.

Die Schweiz zwischen Innovationsrangliste und Bedenkenträgertum
Zwar belegt die Schweiz in weltweiten Innovationsrankings regelmässig Spitzenplätze. Doch als Härén das Zürcher Publikum herausforderte, mit blosser Fantasie zehn Dinge zu nennen, die absolut unmöglich sind, zeigte sich eine gewisse Schweizer Vorhersehbarkeit: Statt völlig neue Szenarien zu erfinden, griffen die Anwesenden auf Bekanntes zurück – von Teleportation über Zeitreisen und ewiges Leben bis hin zu «auf Wasser gehen».

Neun von zehn Antworten standen bereits exakt so auf seinen Folien. «You suck! You are utterly predictable!», frotzelte Härén unter grossem Gelächter. Die Lektion dahinter: «Ihr habt euer Wissen benutzt, nicht eure Fantasie. Aber in einer Welt, die sich rasend schnell verändert, verliert reines Wissen an Wert, während Vorstellungskraft entscheidend wird.»
Zu seiner Botschaft an das Schweizer Publikum ergänzte er:
«Switzerland is one of the most creative countries on the planet, but imagine if you were even more creative. I even quoted a Swiss watchmaker, Mr. Gerber, who said: The Swiss definition of creativity is something better than perfect. Which I love.»
Die Formel für echte Ideen: Wissen × Information × Kombination
Häréns Grundsatz: Es gab in der Geschichte der Menschheit noch nie eine völlig isolierte, brandneue Idee. Jede Idee entsteht, indem ein Mensch (oder heute auch ein Prozessor) vorhandenes Wissen mit neuen Informationen verknüpft und auf neuartige Weise kombiniert.
Wer nur im gewohnten Umfeld verharrt, kombiniert immer dieselben Bausteine. Erst echte Neugier auf die Welt und das bewusste Zusammenführen scheinbar unzusammenhängender Elemente erzeugt wirkliche Innovation – so wie Härén einst Buch und Notizbuch zu seinem Erfolgsformat The Idea Book verschmolz.
Besonders lebhaft diskutiert wurde Häréns «10×10×10»-Ansatz: Wer an einem Problem tüftelt, scheitert oft an der Einengung der Fragestellung. Statt schlicht zu fragen: «Wie erreiche ich Ziel X?», formuliert man die Frage auf zehn völlig unterschiedliche Arten um. Lässt man diese dann beispielsweise durch eine KI auf 100 Variationen ausweiten und hört sich diese Fragestellungen etwa bei einem Spaziergang an, erhält das Unterbewusstsein hunderte neue Anknüpfungspunkte. Und genau darauf springt das kreative Denken an.

Stimmen aus dem Video: Das nehmen die Teilnehmenden mit
Ein Teilnehmer meinte: «Es war ein inspirierender Morgen. Ich nehme mit: Wir müssen mutiger sein und wir müssen wieder kreativer sein – und nicht nur meinen, wir seien kreativ.» Eine Teilnehmerin resümierte knapp ihr Highlight: «Mein Highlight heute war: Gwunder.» Ein weiterer Gast betonte: «Ein Takeaway für mich: Fragen stellen! Fragen, Fragen, Fragen, um weiterzukommen, um kreativ zu sein und sich selber zu challengen. Das hat Fredrik Härén definitiv bei mir ausgelöst.» Eine Besucherin ergänzte den Blickwinkelwechsel: «Mein Takeaway ist, einmal auf die Seite zu stehen und das Ganze von einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Nicht immer gleich drauflosschiessen, wenn man das Gefühl hat, man weiss schon alles, sondern einen Sidestep machen und nach einer anderen Lösung suchen.» Eine weitere Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: «Was ich mitnehme: Die Welt gehört einfach den Mutigen. Wenn ihr eine Idee habt, macht es, hört nicht auf andere und geht einfach euren Weg.»
Auch IAA-Geschäftsführerin Chantal Landis zeigte sich begeistert über das Echo: Man habe Fredrik Härén im Vorjahr in Mailand erlebt und gewusst, dass man ihn auf die Schweizer Bühne holen müsse – die Reaktionen im ausgebuchten Saal hätten dies vollauf bestätigt.


Fazit: Der Blick in die Weite der Alpen passte perfekt zum Kern der Tagung: Wer im Zeitalter von generativer KI bestehen will, darf sich nicht auf bisherigen Lorbeeren ausruhen, sondern muss Neugier, Demut und mutige Kombinationen wagen.


