Hochzeit in Rot-blau?
Gastkommentar Für die Werbewirtschaft wäre ein Kombiangebot von Blick und 20 Minuten nur ein schlechter Witz, warnt die Mediaplanerin Dominique Schilling.
Gastkommentar Für die Werbewirtschaft wäre ein Kombiangebot von Blick und 20 Minuten nur ein schlechter Witz, warnt die Mediaplanerin Dominique Schilling.Ich habe nichts gegen Gratiszeitungen, auch nichts gegen Kaufzeitungen. Auch nicht, wenn diese «warm» und «rot» ist, wie Bernhard Weissberg die Kernunterschiede seines Blick zu 20 Minuten beschreibt. Aber ich habe etwas dagegen, wenn man die Werbewirtschaft quasi belehrend auf die qualitativen Vorzüge seines Titels hinweist und sämtliche Mediastudien entgegen früherer Argumentationen plötzlich bar aller Wahrheit sein sollen.Wir Planerinnen und Planer wissen sehr wohl, wie wir uns durch den Dschungel aus Reichweiten-zahlen und Qualitätsargumenten bewegen müssen. Wir wissen auch, dass Regionalzeitungen und Pendlerblätter jeweils völlig andere Kommunikationsaufgaben erfüllen als überregionale oder sprachnationale Titel. Nicht zuletzt deshalb hinken alle Versuche, Blick und 20 Minuten einander gegenüberzustellen.
Nachdem Bernhard Weissberg und Rolf Bollmann in der Werbewoche die Unterschiede ihrer Titel zur Genüge dargelegt haben, erstaunt es mich umso mehr, dass laut Tages-Anzeiger von letzter Woche in den Verlagen dennoch ernsthaft Kombinationsmöglichkeiten von Blick und 20 Minuten erwägt werden. Was, bitte schön, soll denn da kombinierbar sein?
Über einen solchen Kombi-Rabatt würden sich allenfalls Werbeauftraggeber mit der Universalzielgruppe «alle und jeder» freuen. Sie könnten von einer zusätzlichen Preisreduktion in jenen Titeln profitieren, in denen sie sowieso schon vertreten sind. Doch was bitte haben Kunden von dieser Kombination zu erwarten ausser eklatante Streuverluste und damit letztlich eine Kostenexplosion?
Einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben die beiden Titel tatsächlich: das Tabloid-Format. Dabei bleibt es aber. Denn wenn man sich etwa auch die Tarifstrukturen oder die Farben beider Zeitungen genauer ansieht, gibt es Grund zum Rechnen. Ein Preisvergleich: Obschon beide Titel vierfarbig aufgebaut sind, kostet alleine der Farbzuschlag für eine Viertel- Seite im Blick gleichviel wie eine Viertel-Seite in der Gesamtausgabe von 20 Minuten. Soll heissen: Ringiers stärkste Zeitung hat zwar ihr Format umgestellt, die Farbzuschläge aber nicht angepasst. Das macht für den Leser keinen Unterschied, für die Werbetreibenden aber einen äusserst bedeutsamen.
Ich kann die Diskussion um eine Hochzeit von Blau und Rot sowieso nicht ganz ernst nehmen. Schliesslich wollen bollende Männer ja doch keine weissen Berge versetzen. Und das ist auch gut so.
> Dominique Schilling ist Mediaplanerin bei The Generation Media in Zürich.
Nachdem Bernhard Weissberg und Rolf Bollmann in der Werbewoche die Unterschiede ihrer Titel zur Genüge dargelegt haben, erstaunt es mich umso mehr, dass laut Tages-Anzeiger von letzter Woche in den Verlagen dennoch ernsthaft Kombinationsmöglichkeiten von Blick und 20 Minuten erwägt werden. Was, bitte schön, soll denn da kombinierbar sein?
Über einen solchen Kombi-Rabatt würden sich allenfalls Werbeauftraggeber mit der Universalzielgruppe «alle und jeder» freuen. Sie könnten von einer zusätzlichen Preisreduktion in jenen Titeln profitieren, in denen sie sowieso schon vertreten sind. Doch was bitte haben Kunden von dieser Kombination zu erwarten ausser eklatante Streuverluste und damit letztlich eine Kostenexplosion?
Einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben die beiden Titel tatsächlich: das Tabloid-Format. Dabei bleibt es aber. Denn wenn man sich etwa auch die Tarifstrukturen oder die Farben beider Zeitungen genauer ansieht, gibt es Grund zum Rechnen. Ein Preisvergleich: Obschon beide Titel vierfarbig aufgebaut sind, kostet alleine der Farbzuschlag für eine Viertel- Seite im Blick gleichviel wie eine Viertel-Seite in der Gesamtausgabe von 20 Minuten. Soll heissen: Ringiers stärkste Zeitung hat zwar ihr Format umgestellt, die Farbzuschläge aber nicht angepasst. Das macht für den Leser keinen Unterschied, für die Werbetreibenden aber einen äusserst bedeutsamen.
Ich kann die Diskussion um eine Hochzeit von Blau und Rot sowieso nicht ganz ernst nehmen. Schliesslich wollen bollende Männer ja doch keine weissen Berge versetzen. Und das ist auch gut so.
> Dominique Schilling ist Mediaplanerin bei The Generation Media in Zürich.
