Gratisleser vermehren sich rasant

Laut MA Comis lesen immer mehr Leute Onlinenews – aber zahlen wollen sie nichts

Laut MA Comis lesen immer mehr Leute Onlinenews – aber zahlen wollen sie nichtsVon Stefano Monachesi Die Websites der grossen Schweizer Tageszeitungen haben deutlich an Nutzern zugelegt. Das bescheinigt ihnen die MA Comis 2002 der Wemf AG für Werbemedienforschung. Die Finanzierung der Onlinewerbemittel steht allerdings immer noch auf tönernen Füssen. Kostenpflichtige Inhalte sollen helfen – aber die Brieftaschen der Nutzer bleiben geschlossen.
Das Senden und Empfangen von E-Mail-Nachrichten bleibt für Deutschschweizer der wichtigste Nutzen des Internets. Wie bereits im vergangenen Jahr erklärten 97% der Befragten, sie würden das Netz für die elektronische Post benützen. Tagesaktuelle Informationen interessieren dagegen nur 59% – das entspricht innerhalb der statistischen Unschärfe ebenfalls dem Vorjahresergebnis.
Generell hat sich bei den Anwendungen wenig geändert. Am auffallendsten indes ist die Tatsache, dass Surfen zum Spass und ohne Ziel nur noch 54% gegenüber 64% im Vorjahr nennen. Dazu passt auch das Ergebnis, wonach sich nur 61% statt 64% der Befragten für die Homepages von Freunden und Bekannten interessieren. Geschrumpft ist zudem das Downloaden von Programmen (um 5 auf 63%), während Ausgeh-Infos etwas mehr Nutzer finden (+ 3 auf 60%).
20min.ch hat am meisten Nutzer dazugewonnen
Obwohl sich die Zahl jener, die tagesaktuelle Informationen suchen, nicht verändert hat, dürfen sich die Anbieter dieser Informationen über satte Zuwachsraten freuen. Die Websites der grossen Tageszeitungen steigerten ihren engeren Nutzerkreis (ENK) erheblich. Zuvorderst liegt blick.ch mit 255000 Personen (+ 18%), die die Website mindestens einmal pro Woche besuchen. Nzz.ch verzeichnet 181000 Personen (+ 33%), tages-anzeiger.ch 155000 (+ 13%) und 20min.ch 138000 Personen (+ 52%). Damit verzeichnen alle (ausser dem TA) deutlich mehr Neunutzer als das Internet insgesamt: Die Datenbasis der MA Comis stieg 2002 um 13,7% auf 2,289 Millionen Personen.
Weniger erfolgreich sieht die Lage bei den Magazinen aus. Facts, NZZ Folio, Schweizer Familie und Annabelle mussten alle Verluste hinnehmen. Facts.ch als grösste Magazinsite verlor fast 11% des ENK und liegt neu bei 59000 Personen.
An der Spitze der Nutzerrangliste liegen nach wie vor bluewin.ch (1,145 Millionen) und
search.ch (601000). Bei den Rubrikenplattformen lässt sich kein Trend ausmachen. Stark im Kommen sind dagegen Adressdienste. Weisseseiten.ch konnte seinen Nutzerkreis mehr als verdreifachen (neu 171000 Personen), der Konkurrent tel.search.ch legte um 57% auf 324000 Personen zu.
Offen bleibt, wie sich der wachsende Nutzerkreis in finanziellen Erfolg ummünzen lässt. Als Werbemedium ist das Internet trotz guter Reichweiten noch nicht in Fahrt gekommen. Ein Indiz dazu liefern auch die Angaben der Befragten, wie sie zu den E-Commerce-Angeboten gefunden haben, die sie nutzen. Von Bannerwerbung liessen sich gerade
einmal 11% führen. Wichtiger für die Bekanntmachung einer Website sind Presse (42%) und TV (19%). 56% benutzten Suchmaschinen und Webkataloge, 47% folgten Hinweisen von Bekannten. Wenn selbst Webangebote kaum mit Bannern operieren, dürfte hier in absehbarer Zeit nicht viel zu holen sein.
Viele Onlineanbieter experimentieren daher mit kostenpflichtigen Inhalten. Die meisten Nutzer stehen dem aber skeptisch gegenüber. Einzig für Musik- und Programmdownloads sowie den Zugang zu Datenbanken würde eine Mehrheit jener, die solche Angebote bereits nutzen, auch etwas zahlen wollen. Hingegen können sich 73% der Nutzer von Börseninfos nicht vorstellen, dafür Geld auszugeben. Für Unterhaltung wollen 70% nichts zahlen, für Wirtschaftsinfos 71% und Wetterprognosen 81%. Am unbeliebtesten sind kostenpflichtige Angebote bei tagesaktuellen Informationen (82%) und Stelleninseraten (83%). Damit besteht für Onlinemedien kaum grosse Aussicht auf Einkünfte. Allerdings wächst die Hoffnung, dass sich User an Bezahlinhalte gewöhnen werden. 53% der Befragten rechnen nämlich damit, dass sie in Zukunft für Internetangebote vermehrt werden in die Tasche greifen müssen.

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