Glücklich eingelöstes Versprechen

Rechtzeitig vor ihrem Ende ist das Buch zur Ausstellung «Happy. Das Versprechen der Werbung» erschienen

Rechtzeitig vor ihrem Ende ist das Buch zur Ausstellung «Happy. Das Versprechen der Werbung» erschienenMehr als ein halbes Jahr nach Eröffnung, aber noch rechtzeitig vor Ende der Ausstellung «Happy. Das Versprechen der Werbung» am 28. Juli ist jetzt das Buch dazu erschienen. Das Warten hat sich gelohnt. Auf 280 Seiten ist eine umfangreiche und akribisch bebilderte Dokumentation rund um das Phänomen «Glücksversprechen in der Werbung» zusammengestellt worden. Wie wird Glück heute verstanden? Wie entsteht es? Welche Vorbilder stehen am Anfang dieser Vorstellungen? – Das sind die Fragen, denen Herausgeber und Ausstellungsmacher Christoph Doswald in seiner Arbeit nachgehen wollte. Vor dem Hintergrund der abnehmenden Bedeutung von religiösen und politischen Werten will die Ausstellung und jetzt noch vertiefter auch die vorliegende Publikation untersuchen, «in welchem Ausmass die Bilder der Werbung diesen frei werdenden Platz im Orientierungsdispositiv einer multi-optionalen Gesellschaft besetzen und welchen Anteil die Werbesujets an der Kreation von neuen Rollen- und Gesellschaftsvorstellungen haben».
Werbung und Konsum als Weltreligion? Antworten darauf geben im Katalog zum Beispiel Stefan Oglesby und Daniela Schütz vom Institut Link. Sie führten eine Bevölkerungsbefragung durch, und die Ergebnisse lieferten Grundlagen für die Ausstellung. Im Buch werden sie ausführlich analysiert und kommentiert. Neu und überraschend als Erkenntnis ist dabei die grosse Bedeutung der sozialen Einbindung und der altruistischen Familienwerte, ganz besonders auch bei der jüngeren Generation, die selbst noch keine Familie gegründet hat.
Im Kapitel «Happy TV» analysieren Regula Bochsler und Pascal Derungs, wie Werbung Produkte veredelt oder Sympathie durch die Inszenierung von Glück evoziert. Sie stellen zum Beispiel fest, dass im Gegensatz zur klassischen Lebenstreppe das Alter in der Werbung ein Abschnitt ist, der angefüllt ist mit Vitalität und «gar verliebten Gefühlen». Nur die Pubertät sehen diese Autoren als Lebensabschnitt, der zu sperrig ist, um ihn ins allgemein herrschende Werbeglück integrieren zu können. Als wirkungsvollste Werbefigur wird beim TV der junge Erwachsene gesehen. Diese «idealen Menschen» vereinigen auf sich die Kaufkraft der Berufstätigen mit der Attraktivität der Jugend.
«Happy Propaganda» zeigt eine Sammlung von Politinseraten aus mehr oder weniger glücklichen Ländern und Systemen. In einem dazu verknüpften Kapitel «Happy Agencies» stellen acht Agenturen ihre individuelle Definition von Glück in für die Ausstellung gestalteten Inseraten vor.
Weitere Beiträge stammen aus den Federn von Stefan Banz, Daniel Di Falco, Richard Frick, Tom Kummer, Liliane Lerch, Muda Mathis, Samir und Sus Zwick. Andreas Panzeri Chronos Verlag, Zürich, ISBN 3-0340-0549-0

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