Glass wird very British
Marcello Schnyder rekrutiert für seine Filmproduktionsfirma Glass neue Talente in London
gefragten Kameraleuten Steve Downer und Daniel Pearl abgeschlossen.
Seit über zehn Jahren weilt Marcello Schnyder für die Postproduction seiner Werbefilme mindestens drei Monate pro Jahr in London. In dieser Zeit haben sich viele Kontakte zu neuen und jungen Spezialisten aus der Filmbranche ergeben, die Schnyder nun für eine personelle Neuorientierung seiner Zürcher Glass Film nutzen will.
«Bis jetzt haben wir vor allem mit eigenen Leuten gearbeitet. Neu will ich in Zukunft mit ein paar jungen Talenten aus London einen Stamm von freien Regisseuren aufbauen, die wir in der Schweiz vertreten können», erklärt Schnyder.
Erste konkrete Formen angenommen hat die Zürich-London-Connection mit Filmerin Emma und ihrem Team. Emma, als Kind Schweizer Eltern in London geboren, suchte den Kontakt mit Glass für eine Tätigkeit in der Schweiz. Mit ihrer schnellen Filmsprache und eigenwilligen Geschichten, die oft losgelöst von einem realistischen Hintergrund spielen, hat die junge Regisseurin mit ihrer Showreel die Zürcher Produktionsfirma sofort überzeugt. Mit einem Budget von nur 25000 Franken hat Emma in der Folge einen ersten Spot für Adelboden realisiert. Die Story macht mit Unterwasseraufnahmen eines verspielten Paars neugierig. Innerhalb von 15 Sekunden folgt die Auflösung, dass sich dieses Paar in einer Badewannentränke für Kühe tummelt. Im Hintergrund lockt der Ferienort Adelboden mit seiner Alpenwellness.
Die weiteren neuen Leute bei Glass sind Spezialisten, die bis jetzt vorwiegend im Bereich Postproduction in der britischen Metropole gearbeitet haben und nun ihr fundiertes technisches Wissen auch als Regisseure einbringen wollen. «Solche Leute sind für die heutigen Spotproduktionen viel besser geeignet als Filmer, die mehr vom erzählerischen Film herkommen», ist Schnyder überzeugt. Oft würden solche verkappten oder auch erfolgreichen Spielfilmregisseure viel zu viele und falsche Einstellungen drehen, die man in der immer trickreicher werdenden elektronischen Postproduction entweder gar nicht brauchen oder nur mit Mühe verarbeiten könne.
Schnyder bindet Top-Kameraleute an Glass
Als Vertreter einer neuen Regiegeneration im Spotbereich will Glass etwa mit Stephen Hiam arbeiten. «Die langjährige Tätigkeit als Compositor bei Red Post erlaubt Hiam heute, bei seinen Regiearbeiten gezielt für die Postproduction zu drehen», meint Schnyder. Trotzem liege ihm daran, so viel wie möglich in der Kamera zu realisieren, um ein harmonisches Bild zu erlangen, «obwohl heute digital praktisch alles machbar ist».
Ein Mann der Kamera ist Steve Downer. In seiner Mikrowelt sind die meisten seiner Akteure nur wenige Millimeter gross. «Mit speziellen Objektiven setzt er vom Wassertropfen bis zum Insekt alles perfekt in Szene», sagt Schnyder, der sich mit seinen Coop-Spots in einer ähnlichen Mikrowelt bewegt. Downer wird künftig in der Schweiz exklusiv für Glass arbeiten, ebenso Daniel Pearl. Der Starkameramann aus Los Angeles hat 1984 den ersten MTV Cinematography Award mit The Police’s «Every Breath You Take» gewonnen. Seither hat er über 900 Musikvideos und Werbespots gedreht.
Als weitere freie Mitarbeiter neben dem Schweizer Luzius Sprüngli werden an der Badenerstrasse 109 in Zürich Simon Cracknell sowie das Duo Trifecta für frischen Wind im Business sorgen. Hinter Trifecta stecken die Graphic Designer Dan Williams und Glyn Tebbutt, die in London schon verschiedene animierte Musikvideos und TV-Trailers realisiert haben.
Der harte Kern von Glass wird heute nur noch von Cello Schnyder als Regisseur sowie Gabi Benz als Producer gebildet.
Manifesto kommt nach Zürich
Verschiedene Ziele bedingen auch verschiedene Firmen. Bereits per Ende letzten Jahres ist Gründungsmitglied Reto Salimbeni aus der Glass Film ausgetreten. Zusammen mit dem ehemaligen Propaganda- und Tsunami-Produzenten Mark Andrews hat er im April in London die Werbefilmproduktionsfirma Manifesto Films gegründet.
Erste Arbeit war ein Spot mit dem japanischen Starfussballer Nakata für die WM in Japan und Korea. Reto Salimbeni, dessen zweiter Spielfilm «Was ist bloss mit meinen Männern los?» im Mai mit hervorragender Quote auf Pro7 lief, arbeitet zurzeit für den deutschen Produzenten Bernd Eichinger (Constantin) an einem weiteren Spielfilmprojekt. Für den Werbefilmbereich will Salimbeni im Herbst neben seinen Büros in Los Angeles und Vancouver ebenfalls in Zürich eine Niederlassung von Manifesto eröffnen. (pan)
