Gipfeli im Champagnerbad

Das St. Galler Tagblatt erneuert seinen Look und zieht mit Matter & Partner das Florett der feinen Ironie

Das St. Galler Tagblatt erneuert seinen Look und zieht mit Matter & Partner das Florett der feinen IronieVon Luca Aloisi Gleich mehrere Änderungen stehen beim St.Galler Tagblatt ins Haus: Ein neues Druckzentrum wird in Betrieb genommen, das Blatt selbst erhält ein neues Kleid, verstärkt die Lokalredaktionen und bekommt ein erweitertes Streugebiet im Kanton Thurgau. Neu ist auch die Kampagne dazu, aber nicht deren Urheberin: Matter & Partner.
Im angestammten Gebiet kämpft die St.Galler Tagblatt AG (SGT) mit ihrem Monopolistenimage. Komfortabler stellt sich die Situation im Nachbarkanton Thurgau dar. Trotz der Verschmelzung ihrer beiden Splits zur Tagblatt-Ausgabe mit dem Zusatz «Ausgabe für den Thurgau» und der Erschliessung des Bezirks Steckborn werden sich die Marktleader Thurgauer Zeitung und Bote vom Untersee kaum vor der Konkurrenz aus St.Gallen fürchten müssen. Sowieso werde man den Markt «nicht sehr aggressiv» bearbeiten, sagte Verlagsleiter Daniel Ehrat gegenüber der WerbeWoche (WW 29/02).
Trotzdem hofft er, mit der Erweiterung die Auflagenrückgänge im bisherigen Bodensee-Tagblatt-Gebiet mehr als auszugleichen. Hilfreicher als das vergrösserte Streugebiet werden ihm beim Relaunch die USPs, verstärkte Lokalredaktionen und drei Bünde Lokalteil, sein. Am Blatt selbst wird nebst dem grafischen Redesign auch eine neue Bundabfolge und ein neues Teaser-Prinzip auf den Frontseiten der Bünde die Leserführung erleichtern.
Begleitet werden diese Neuerungen von einer Relaunch- sowie einer Imagekampagne der Zürcher Agentur Matter & Partner, die den Ostschweizer Werbeetat in einem Pitch verteidigte. Der Auftritt vermittelt den treuen sowie den potenziellen Lesern die Mehrwerte der grössten regionalen Tageszeitung. «Mehr als eine Zeitung», so der Claim, will genauso für das Vergnügen und die emotionale Bindung des Lesers wie für die Qualität der Zeitung stehen. Für den Thurgau fokussiert die Kampagne natürlich auf den Mehrwert, besser über den eigenen Kanton Bescheid zu wissen. Mit unzähligen Apfelgehäusen visualisiert eine Anzeige die Lesedauer, die man künftig im Thurgau dem Tagblatt widmet.
Ähnlich bestechend einfach und witzig sind auch die anderen Umsetzungen, bei denen die Zeitung stets im Mittelpunkt des Geschehens steht. Ob das nun ein Automechaniker ist, der in den ausgelegten alten Zeitungen spannende Berichte entdeckt, oder die Zeitungshalter eines Restaurants, von denen nur jenes mit dem SGT angekettet ist.
Humorvoll karikiert ein weiteres Motiv die Relevanz des SGT in der Ostschweiz, auf dem eine Ausgabe lückenlos mit Leuchtstift markiert ist und von der Headline «Kein Wort zu viel» erklärt wird. Ebenso zeichnet sich das Sondersujet zum neuen Look (Zeitungsleser badet sein Frühstückshörnchen zur Feier in Champagner) durch die einfache Idee aus.

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