Feier und Frontlinie: VSM-Grillfest auf dem Bauschänzli

Wo einst Zürichs Stadtmauern Angriffe abwehrten, diskutierte die Medienbranche über den Schutz vor digitalen Raubzügen. Das VSM-Grillfest bot Geselligkeit, Kulinarisches und Erfrischendes – aber auch ernste Themen von Presseförderung zu KI-Bots sowie eine erfreuliche Personalie.

Das Grillfest des Verlegerverbands Schweizer Medien ist längst mehr als ein geselliger Sommertermin. Gestern, am 19. August, traf sich die Branche auf dem Bauschänzli – jener Flussinsel, die einst Teil der Zürcher Stadtbefestigung war. Bei Bier und Wein, Fleisch und Vegi-Spezialitäten stand aber nicht nur der Genuss im Vordergrund, sondern auch die grossen Abwehrkämpfe der Gegenwart: der Schutz unabhängiger Medien vor wirtschaftlichem Druck und vor dem kostenlosen Zugriff durch KI-Bots.

Bilanz und Ausblick von Andrea Masüger

In seiner Ansprache betonte VSM-Präsident Andrea Masüger, wie arbeitsintensiv das vergangene Jahr für den Verband gewesen sei. Ein wichtiger Erfolg sei die Erhöhung der indirekten Presseförderung, die am 11. Juli definitiv beschlossen wurde: neu 40 Millionen Franken jährlich für die Tageszustellung (bisher 30 Mio.) sowie 25 Millionen Franken für die Frühzustellung. Dass ein Referendum dagegen gar nicht erst zustande kam, wertete Masüger als klares Signal: Die Bedeutung unabhängiger Medien werde von Bevölkerung und Politik anerkannt.

Gleichzeitig skizzierte er den Kampf gegen die unentgeltliche Nutzung journalistischer Inhalte durch KI-Bots. Die Motion Gössi, die eine Vergütungspflicht vorsieht, sei vom Ständerat einstimmig angenommen worden. Nun gelte es, Widerstände von Tech-Firmen, Plattformen und Universitäten auszuhalten und die Motion durch die Wirtschaftskommission des Nationalrats zu bringen. Masüger sprach von einer „Abwehrschlacht“, die mit jener auf dem Bauschänzli in früheren Jahrhunderten durchaus Parallelen hat.

Neue Vizepräsidentin mit internationalem Profil

Zudem kündigte Masüger die Wahl von Ladina Heimgartner zur neuen Vizepräsidentin des VSM an. Die CEO von Ringier Medien Schweiz gehört dem Präsidium seit 2022 an und bringt breite Führungserfahrung in der Medienbranche mit. «Ladina Heimgartner bringt ausserordentliche Medienkompetenz und viel Führungserfahrung mit», sagte Masüger. «Ihre Ernennung ist ein grosser Gewinn für unseren Verband und die gesamte Branche.» Heimgartner folgt auf Verleger Peter Wanner, der im Mai nach 22 Jahren im Präsidium zurücktrat. Neben ihrer Rolle bei Ringier engagiert sie sich auch international: Seit 2024 präsidiert sie den Weltverband der Zeitungs- und Nachrichtenmedien WAN-IFRA und ist in weiteren branchenrelevanten Gremien aktiv.

Ladina Heimgartner, CEO Ringier Medien Schweiz und neu Vizepräsidentin des Verlegerverbands SCHWEIZER MEDIEN

Frischer Wind in der Direktion

Seit Februar 2025 steht Pia Guggenbühl an der Spitze der VSM-Geschäftsstelle. Auf dem Grillfest betonte sie die Bedeutung des persönlichen Austauschs mit Mitgliedern, Partnern und Freunden des Verbands. Sie bringe breite politische Erfahrung und ein starkes Netzwerk ein – mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für private, unabhängige Medien zu stabilisieren und zu verbessern. Bereits nach wenigen Monaten im Amt fühle sie sich als fester Teil des Teams und wolle die grossen Herausforderungen gemeinsam mit den Mitgliedern angehen.

Forschung zwischen Demokratie und KI

Einen Blick auf die wissenschaftliche Seite der Medienentwicklung gewährte Linards Udris, stellvertretender Forschungsleiter am fög der Universität Zürich. Er skizzierte die kommenden Schwerpunkte der Fög-Studie, deren Resultate im Oktober erwartet werden. Dazu zählen:

  • die anhaltende Untersuchung zur Qualität der Medien in der Öffentlichkeit,

  • neue Forschung zu News Deprivation und den Auswirkungen eines Nachrichtenentzugs auf die demokratische Teilhabe,

  • sowie Analysen zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im Journalismus und deren Effekte auf Qualität und Quellenarbeit.

Wiederkehrendes Motiv: Schutzwall im Wandel

So verband das VSM-Grillfest auf dem Bauschänzli Geselligkeit mit Ernst. Wo einst die Stadt Zürich militärische Angriffe abwehrte, diskutierten Medienvertreter über den Schutz vor digitalen Raubzügen. Die Parallele war spürbar: Wer die Medien als Teil der demokratischen Infrastruktur stärken will, muss heute nicht nur in Zustellsubventionen investieren – sondern auch im digitalen Raum für faire Bedingungen sorgen.

More articles on the topic