Fallgrube Englisch
Stefano Monachesi über die Tücken der Werbesprache.
Stefano Monachesi über die Tücken der Werbesprache.Gehören Sie auch zu jenen glücklichen Generationen, die noch Kinder sein durften? Heute gibt es ja nur noch «Kids». Das klingt cooler und passt besser auf eine kurze Schlagzeile. Das englische Wort wurde von Marketingleuten importiert, als Kinder zu Zielgruppen wurden – weil Kinder angeblich nicht als Kinder behandelt werden möchten.«Cracks» ist noch so ein Wort, das nur Leute benutzen, die Jugendliche erreichen wollen. Anders als Kids ist das nicht einmal richtiges Englisch. Wer cool über den Schnee gleitet, ist für die Briten kein Snowboard-Crack, sondern «a crack snowboarder». Als Substantiv ist «a crack» ein Spinner.
Was auch ein neues Licht auf den (letztlich wohl zu wenig coolen) Zeitungsnamen Cracks for Kids wirft. Mit «für» statt «for» wäre das zwar korrektes Neudeutsch. Aber suchen Sie einmal nach «Cracks for Kids» mit Google. Die einzigen englischen Fundstellen lauten «Cracks for kids to fall through»: (soziale) Risse, durch die Kinder fallen können.
Englisch ist voller solcher Risse, und Werber fallen immer wieder hinein. Das hält sie nicht davon ab, sich fleissig weiter der Weltsprache zu bedienen. Laut einer Studie der Uni Hannover benutzen heute dreissig Prozent der deutschen Werbeslogans englische Ausdrücke. In den 80er-Jahren waren es noch drei Prozent. Zum Glück für die Werber werden ihre Stürze in der Zielgruppe selten bemerkt. Dazu versteht sie zu wenig Englisch.
Doch damit öffnet sich die nächste Fallgrube: Englische Slogans werden von den Konsumenten oft gar nicht verstanden. Die Kölner Markenagentur Endmark legte 1100 Personen zwölf aktuelle englische Slogans vor. Nur zwei wurden von mehr als der Hälfte richtig übersetzt.
Der Versuchung, sich mit englischen Wörtern herauszuputzen, konnte allerdings auch die Werbewoche nicht widerstehen. Diese Kolumne zum Beispiel ist nicht einfach meine Meinung – sie ist «Opinion». Das hat Gewicht, ist relevant. Meinen kann schliesslich jeder.
Bis diese Zeitung einmal Advertising Weekly heisst, werden aber hoffentlich noch ein paar Generationen vergehen.
> Stefano Monachesi, Redaktor
Was auch ein neues Licht auf den (letztlich wohl zu wenig coolen) Zeitungsnamen Cracks for Kids wirft. Mit «für» statt «for» wäre das zwar korrektes Neudeutsch. Aber suchen Sie einmal nach «Cracks for Kids» mit Google. Die einzigen englischen Fundstellen lauten «Cracks for kids to fall through»: (soziale) Risse, durch die Kinder fallen können.
Englisch ist voller solcher Risse, und Werber fallen immer wieder hinein. Das hält sie nicht davon ab, sich fleissig weiter der Weltsprache zu bedienen. Laut einer Studie der Uni Hannover benutzen heute dreissig Prozent der deutschen Werbeslogans englische Ausdrücke. In den 80er-Jahren waren es noch drei Prozent. Zum Glück für die Werber werden ihre Stürze in der Zielgruppe selten bemerkt. Dazu versteht sie zu wenig Englisch.
Doch damit öffnet sich die nächste Fallgrube: Englische Slogans werden von den Konsumenten oft gar nicht verstanden. Die Kölner Markenagentur Endmark legte 1100 Personen zwölf aktuelle englische Slogans vor. Nur zwei wurden von mehr als der Hälfte richtig übersetzt.
Der Versuchung, sich mit englischen Wörtern herauszuputzen, konnte allerdings auch die Werbewoche nicht widerstehen. Diese Kolumne zum Beispiel ist nicht einfach meine Meinung – sie ist «Opinion». Das hat Gewicht, ist relevant. Meinen kann schliesslich jeder.
Bis diese Zeitung einmal Advertising Weekly heisst, werden aber hoffentlich noch ein paar Generationen vergehen.
> Stefano Monachesi, Redaktor
