«Es gibt durchaus Lichtblicke»
Auf einen Zeitpunkt für den Aufschwung wagt sich derzeit niemand festzulegen.
Auf einen Zeitpunkt für den Aufschwung wagt sich derzeit niemand festzulegen.Ralph Büchi, Verleger der Gruppe HandelsZeitung, glaubt aber nicht an den grossen Exodus von der durchgeschüttelten Börse. Wann kommt der konjunkturelle Aufschwung zurück?
Ralph Büchi: Niemand weiss es. Und wer es zu wissen vorgibt, ist ein Schwindler. Die Verunsicherung über den Zeitpunkt des konjunkturellen Aufschwungs ist allgegenwärtig. Deshalb kommt es auch zu so starken Volatilitäten an den Finanzmärkten.
Aber die Börse hat auf lange Sicht Vertrauen verloren. Jetzt wird gemutmasst, viele der gebeutelten Anleger würden für die nächsten fünf bis zehn Jahre die Finger von der Börse lassen.
Büchi: Das ist Humbug. All die Sprüche, Privatanleger hätten sich von der Börse verabschiedet und wollten nun für die nächsten zehn Jahre von Aktien nichts mehr wissen, stimmen erfahrungsgemäss nicht. Auch eine Börsenbaisse kann die menschliche Natur nicht nachhaltig verändern. Sobald es einige Wochen lang aufwärts geht, sind die allermeisten wieder dabei. Wenn Anleger die Chance sehen, an der Börse wieder Geld zu verdienen, werden sie diese Chance auch wahrnehmen.
Woher beziehen Sie diese Überzeugung?
Büchi: Die Börse bietet die einzige realistische Chance, zumindest einen Teil der verlorenen Investments zurückzugewinnen. Das Sparbüchlein und der ganze festverzinsliche Anlagemarkt bieten diese Möglichkeit nicht. Auch im Immobilienmarkt sind die Renditen nicht überragend, aber die Risiken sind ähnlich hoch wie im Aktienmarkt.
Das heisst, die Leute werden schon bald wieder wie vorher mit der Börse umspringen?
Büchi: Das nicht. Die Leute werden mit mehr Erfahrung und risikobewusster investieren. Man wird viel disziplinierter arbeiten als bisher, beispielsweise mit Stopp-Loss-Orders. Wir alle mussten lernen, dass auch Schweizer Blue Chips nicht um fünf oder zehn Prozent, sondern um 50 oder 70 Prozent fallen können – das hatte niemand erwartet.
Im Moment zeigen allerdings immer noch alle Indikatoren nach unten. Sehen Sie irgendwo positive Signale?
Büchi: Es gibt durchaus auch Lichtblicke, zum Beispiel bei den Unternehmensabschlüssen. Im dritten und vierten Quartal werden diese vom Basiseffekt profitieren. Denn im vergangenen Jahr waren diese Quartalsabschlüsse bereits im Keller. Die diesjährigen Resultate werden demnach an den schlechten Resultaten von 2001 gemessen. Das hat zur Folge, dass die Abschlüsse 2002 automatisch in einem besseren Licht erscheinen. Bereits dieser Sachverhalt kann zu einer positiveren Stimmung beitragen.
Wie sieht Ihr Best-Case-Szenario aus?
Büchi: Bestätigen sich die konjunkturellen Erholungstendenzen, wird es an den Finanzmärkten und an den Werbemärkten relativ rasch einen substanziellen Aufschwung geben.
Was passiert, wenn die Wirtschaft in ein zweites Loch hineintaucht?
Büchi: Dann wird es ungemütlich. Findet die negative Entwicklung nicht bald ein Ende, werden wir um schmerzhafte Anpassungen nicht herum kommen. Das gilt aber für die gesamte Wirtschaft, nicht nur für die Medienbranche. Trotzdem: Auch im schlimmsten Falle eines Double-Dip sähe ich noch keine Anzeichen für eine lang anhaltende Depression. Dann wäre es eine Frage von zusätzlich vielleicht einem Jahr, wo der Gürtel nochmals enger zu schnallen wäre. Interview: Daniel Schifferle
Ralph Büchi: Niemand weiss es. Und wer es zu wissen vorgibt, ist ein Schwindler. Die Verunsicherung über den Zeitpunkt des konjunkturellen Aufschwungs ist allgegenwärtig. Deshalb kommt es auch zu so starken Volatilitäten an den Finanzmärkten.
Aber die Börse hat auf lange Sicht Vertrauen verloren. Jetzt wird gemutmasst, viele der gebeutelten Anleger würden für die nächsten fünf bis zehn Jahre die Finger von der Börse lassen.
Büchi: Das ist Humbug. All die Sprüche, Privatanleger hätten sich von der Börse verabschiedet und wollten nun für die nächsten zehn Jahre von Aktien nichts mehr wissen, stimmen erfahrungsgemäss nicht. Auch eine Börsenbaisse kann die menschliche Natur nicht nachhaltig verändern. Sobald es einige Wochen lang aufwärts geht, sind die allermeisten wieder dabei. Wenn Anleger die Chance sehen, an der Börse wieder Geld zu verdienen, werden sie diese Chance auch wahrnehmen.
Woher beziehen Sie diese Überzeugung?
Büchi: Die Börse bietet die einzige realistische Chance, zumindest einen Teil der verlorenen Investments zurückzugewinnen. Das Sparbüchlein und der ganze festverzinsliche Anlagemarkt bieten diese Möglichkeit nicht. Auch im Immobilienmarkt sind die Renditen nicht überragend, aber die Risiken sind ähnlich hoch wie im Aktienmarkt.
Das heisst, die Leute werden schon bald wieder wie vorher mit der Börse umspringen?
Büchi: Das nicht. Die Leute werden mit mehr Erfahrung und risikobewusster investieren. Man wird viel disziplinierter arbeiten als bisher, beispielsweise mit Stopp-Loss-Orders. Wir alle mussten lernen, dass auch Schweizer Blue Chips nicht um fünf oder zehn Prozent, sondern um 50 oder 70 Prozent fallen können – das hatte niemand erwartet.
Im Moment zeigen allerdings immer noch alle Indikatoren nach unten. Sehen Sie irgendwo positive Signale?
Büchi: Es gibt durchaus auch Lichtblicke, zum Beispiel bei den Unternehmensabschlüssen. Im dritten und vierten Quartal werden diese vom Basiseffekt profitieren. Denn im vergangenen Jahr waren diese Quartalsabschlüsse bereits im Keller. Die diesjährigen Resultate werden demnach an den schlechten Resultaten von 2001 gemessen. Das hat zur Folge, dass die Abschlüsse 2002 automatisch in einem besseren Licht erscheinen. Bereits dieser Sachverhalt kann zu einer positiveren Stimmung beitragen.
Wie sieht Ihr Best-Case-Szenario aus?
Büchi: Bestätigen sich die konjunkturellen Erholungstendenzen, wird es an den Finanzmärkten und an den Werbemärkten relativ rasch einen substanziellen Aufschwung geben.
Was passiert, wenn die Wirtschaft in ein zweites Loch hineintaucht?
Büchi: Dann wird es ungemütlich. Findet die negative Entwicklung nicht bald ein Ende, werden wir um schmerzhafte Anpassungen nicht herum kommen. Das gilt aber für die gesamte Wirtschaft, nicht nur für die Medienbranche. Trotzdem: Auch im schlimmsten Falle eines Double-Dip sähe ich noch keine Anzeichen für eine lang anhaltende Depression. Dann wäre es eine Frage von zusätzlich vielleicht einem Jahr, wo der Gürtel nochmals enger zu schnallen wäre. Interview: Daniel Schifferle
