Ein Herz für Mitglieder
Gastkommentar Fällt die Presseförderung, ist das Engagement von Nonprofit-Organisationen in Gefahr, befürchtet Felix Wirz.
Entwurf zu einem Erlass der Bundesversammlung vorzulegen oder eine
Massnahme zu treffen. So stehts im Parlamentsgesetz. Bei der
Presseförderung scheint dieser Grundsatz ins Gegenteil verkehrt: Kurz
nach der Überweisung der Motion «Presseförderung mittels Beteiligung an
den Verteilungskosten» beantragt der Bundesrat Abschreibung des
Vorstosses. Dass der einstimmige Ständerat und die Mehrheit des
Nationalrats den Vorstoss überwiesen hatten, interessiert nicht. Der
Ball liegt wieder beim Parlament.
Zur gleichen Fragestellung hat sich nun auch Verlegerpräsident
Lebrument zu Wort gemeldet – und sich dabei als Elefant im
Porzellanladen aufgeführt. Die Verleger sollten auf die indirekte
Presseförderung verzichten und sich für ein einheitliches
Zeitungstarifsystem einsetzen. Die Vertreterinnen und Vertreter der
Regionalpresse werden sich für diese Worte ihres Verbandspräsidenten
sicherlich «bedankt» haben.
Es ist den grossen Verlegern mit ihren eigenen Verteilorganisationen
natürlich unbenommen, sich stärker auf ihre eigenen Vertriebskanäle
auszurichten. Für die Mitgliederpresse ist dies jedoch unmöglich. Ein
schweizerischer Verband ist darauf angewiesen, dass seine
Mitgliederzeitschrift von Genf bis Rorschach und vom Münstertal bis
Porrentruy zugestellt wird. Die Mitgliederpresse ist dafür auf einen
landesweit operierenden Distributor angewiesen – und diesen gibt es
derzeit nur in der Form der Schweizerischen Post.
Ohne die heutige Presseförderung würden sich die Versandkosten für die
Mitgliederpresse mehr als verdoppeln. Sie machen schon heute rund die
Hälfte der Produktionskosten aus und würden bei starken Preiserhöhungen
rund zwei Drittel der Kosten ausmachen. Für eine mittlere bis grosse
Nonprofit-Organisation bedeutet dies, dass sie Tausende zusätzliche
Mitglieder und Spenderinnen gewinnen müsste, um nur schon die
Mehrkosten zu kompensieren.
Dabei kämen die eigentlichen Aufgaben der Nonprofit-Organisationen zu
kurz. Geschwächt würden auch die wichtigen Funktionen der
Mitgliederpresse. So hat das Institut für Kommunikations- und
Medienwissenschaft der Universität Bern in einer kürzlich
durchgeführten Untersuchung zur Mitgliederpresse in der Schweiz
festgestellt, dass fast zwei Drittel der schweizweit vertriebenen
Mitgliederpresse dem Anspruch an sprachliche Integration gerecht
werden. Während die Publikumspresse ebenso wie Radio und Fernsehen
vorwiegend auf die jeweilige Sprachregion ausgerichtet sind, stellt die
Mitgliederpresse einen schweizerischen Diskurs her. Dies verursacht
erhöhte Kosten für Redaktion, Übersetzung und Druck, wobei Letzteres
für erhebliche Umsätze in den Druckereien grosser Verlage sorgt.
Damit die meist spendenfinanzierten Nonprofit-Organisationen ihre für
die Gesellschaft wichtigen Aufgaben weiterhin wahrnehmen können, sind
sie darauf angewiesen, die Mitgliederzeitschriften weiterhin zu einem
günstigen Tarif versenden zu können.
Felix Wirz vertritt die Interessen von 30 in der ig mitgliederpresse vereinigten Nonprofit-Organisationen. ([email protected])
