Ein Hahn mit vielen Rätseln

Der Vierwaldstätter Verlag lancierte einen zweiten Titel und plant weitere

Der Vierwaldstätter Verlag lancierte einen zweiten Titel und plant weitereVon Markus Knöpfli Die Vierwaldstätter Verlags GmbH, die im Frühjahr 2001 mit dem vierwöchigen Programmtitel TV 4 gestartet ist, hat in aller Stille im März ein monatliches Rätselheft lanciert. Bis Ende 2003 plant Verleger Rüdiger Hahn noch zwei bis drei weitere Titel.
Nach wie vor ist das grösste Rätsel um Rüdiger Hahn, Alleininhaber der Vierwaldstätter Verlags GmbH in Kastanienbaum LU, nicht gelüftet: Woher stammt das Geld, mit dem er sein TV 4 in dessen ersten acht Monaten mit einer Auflage von je 300000 Exemplaren grösstenteils gratis verteilen liess und im Frühjahr 2002 mit TV 4-Rätselspass ein zweites Magazin lancierte? Vom Geld für das im November 2002 geplante Heft (siehe Kasten) ganz zu schweigen.
Umgekehrt gibt es Hinweise, wonach Hahns Verlag seine Rechnungen nicht immer termingerecht bezahlt habe. Zu «so allgemeinen Gerüchten» will der Verleger aber nicht Stellung nehmen. Immerhin: Hahn wird das Geheimnis um seine Geldquelle im Herbst lüften.
Dass eine solche bestehen muss, ist klar, denn die Hefte des kleinen Vierwaldstätter Verlags (Aktienkapital 40000 Franken) sind nicht selbsttragend. Zwar gibt Hahn an, dass TV 4 im September Break-even erreichen werde und der Rätselspass bis Ende Jahr kostendeckend sein sollte, Letzteres notabene ohne Anzeigen gerechnet! Doch wie das möglich sein soll, darüber will er partout nichts sagen.
An den Anzeigen kann es jedenfalls nicht liegen, diese sind in beiden Heften dünn gesäht. Gemäss Hahn hatte TV 4 in den letzten Monaten je eine bezahlte Anzeigenseite zu 8900 Franken. Beim neuen Rätselheft, bei dem die ganze Umschlagseite vorläufig 2900 Franken kostet, ist es ähnlich. «Das Anzeigengeschäft steht bei diesen Titeln nicht im Vordergrund, es wird vernachlässigt», sagt Hahn locker.
Auch über Abos ist die Kostendeckung kaum zu schaffen, selbst wenn diese offenbar zunehmen. Bei TV 4 spricht Hahn von derzeit 20000 zahlenden Abonnenten, darunter einige Grosskunden wie Hotels, die mehrere Exemplare beziehen, so dass 25000 Exemplare über Abos weggehen. Die Kioskauflage beträgt derzeit 35000 Exemplare, davon werden gemäss Hahn 25000 Stück pro Monat verkauft. Zum Vergleich: Im letzten Herbst setzte TV 4 14000 Hefte über Abos und 19000 Exemplare am Kiosk ab.
Viele Rätsel wollen auch in Flugzeugen gelöst werden
Beim 34-seitigen, durchgehend vierfarbigen Familien-Rätselheft, das ohne Kommunikation und Gratisauflage gestartet ist und einzig über Kioske vertrieben wurde, weiss angeblich selbst Hahn nicht, wie viele Exemplare er bisher zum Preis von vier Franken verkauft hat. Dennoch hat er die Kioskauflage von zunächst 20000 auf 15000 Exemplare reduziert. Anderseits ist jetzt erstmals dem TV 4-Programmheft ein Gratis-Rätselspass beigelegt – eine Promotion, die Hahn nur zweimal durchführen will.
Mittlerweile sollen Zeitungsverlage bei ihm angefragt haben, das Heft ihren Abonnenten als Beilage abzugeben. Zudem will Hahn die unverkauften Kioskretouren seines Rätselheftes an Hotels, Reisebüros oder auch an eine Airline weiterverscherbeln. Obwohl sein dritter Titel noch nicht existiert, denkt Hahn bereits an einen vierten oder fünften. Möglich wären weitere Rätselhefte für spezifische Zielgruppen. Ihm schwebt aber auch etwas in den Bereichen Lifestyle oder Auto vor.
Billiger als zwei Tele-Ausgaben

Derzeit bereitet Rüdiger Hahn die Lancierung eines 14-täglichen TV-Programmheftes vor – «für eine völlig andere Zielgruppe als jene von TV 4», wie er sagt. Mit seinem dritten Schweizer Titel stösst er wieder in eine Nische vor, die bisher hierzulande nur von den deutschen Titeln TV 14, TV direkt, TV Movie, TV Spielfilm und TV today beackert wird. Mit einem Preis von rund fünf Franken wird Hahns Heft aber etwa doppelt so viel kosten.
Inhaltlich und preislich dürfte das 160-seitige Heft hingegen Ringiers Wochentitel Tele (Einzelpreis: 3.60 Franken) konkurrenzieren, soll doch eine vierköpfige Redaktion auf 25 Seiten über Multimedia, DVD, Video, TV- und Film-News berichten. Die ersten drei Ausgaben umfassen je 500000 Exemplare, von denen 100000 an die Kioske und der Rest regionenweise gratis an alle Haushalte gehen. Diesmal plant Hahn TV- und Radiospots, Anzeigen und einen Werber-Event. Denn beim neuen Titel setzt er auf Anzeigen, mindestens fünf will er pro Ausgabe platziert sehen. Der Einführungspreis pro Seite in den drei Grossauflagen wird sich «unter 10000 Franken» bewegen, sagt Hahn, der sich freut, schon dreimal zwei Inserate fix verkauft zu haben.

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