Eigenverantwortung statt Werbeverbot

Zigaretten Lesch + Freis Social-Responsibility-Kampagne will die Sicht der BAT aufzeigen und Fronten aufweichen.

Zigaretten Lesch + Freis Social-Responsibility-Kampagne will die Sicht der BAT aufzeigen und Fronten aufweichen.Die Schweiz gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Tabakwaren. Der Versuche, dies zu ändern, sind viele. Doch solange die Tabakpreise in der Schweiz – gemessen an der Kaufkraft – die günstigsten in ganz Europa bleiben, wird sich kaum etwas ändern.Wenn aber selbst nicht rauchenden Werbern die Köpfe rauchen, dann geht es höchst wahrscheinlich um drohende Werbeverbote. Nicht so bei Zürichs Agentur Lesch + Frei (L+F). Seit Februar 2000 gestaltet sie im Auftrag des Zigarettenkonzerns BAT (British American Tobacco) (Lucky Strike, Barclay, Parisienne u.a.) für den deutschen Markt eine Meinungskampagne, die die emotional geladene Diskussion versachlichen will. Ob sie die verhärteten Fronten aufzuweichen vermochte, darf angezweifelt werden. Immerhin hat sich der blaue Dunst in Deutschland merklich aufgelöst – um genau ein Fünftel. So gross ist bisher der Absatzeinbruch im Zigarettenverkauf im laufenden Jahr. Täglich gehen in unserem nördlichen Nachbarland rund 380 Millionen Zigaretten in Rauch auf, gut 4 Prozent weniger als ein Jahrzehnt zuvor.
Ernst Brückner, Geschäftsführer des Verbandes der Zigarettenindustrie, befürchtet, dass für das Gesamtjahr der Rückgang im Vergleich zu 2003 nahe bei 20 Prozent liegen wird. Der Negativtrend scheint sich zu beschleunigen. Obwohl L+F stolz auf den Erfolg der versöhnlichen BAT-Kampagne hinweist und bekannt gibt, dass sie in Spanien, Serbien und Italien adaptiert wurde, hat nicht sie den deutschen Zigarettenabsatz ins Rutschen gebracht, sondern die Erhöhung der Tabaksteuer. Für Brückner ist nämlich klar, dass nicht die Zahl der Aussteiger gestiegen ist, sondern der Handel mit Ersatzprodukten wie Schmugglerware und Feinschnitt. Um das zu beweisen, will der Branchenverband mit Müllkontrollen den tatsächlichen Tabakkonsum eruieren und diesen mit dem Zigarettenabsatz vergleichen.
So weit ist man in der Schweiz noch nicht. Wenige Monate nachdem der Bundesrat, dem deutschen Beispiel folgend, beschlossen hat, die Tabakabgabe massiv zu erhöhen, soll nun L+Fs BAT-Kampagne auch hier zu Lande die Gemüter mild stimmen. Die Kampagne nehme, so L+F-Geschäftsführer Walter Tagliaferri, Themen wie Toleranz, Jugendprävention und Werbeverbote auf und zeige, dass sich BAT mit einer ganzen Reihe von Massnahmen ihrer Verantwortung stellt. In neun Sujets haben die Kreativen die sensiblen Inhalte umgesetzt, um die Diskussion zu versachlichen. Angesichts des geplanten Budgets mutet dieser Wunsch etwas gar hoch angesetzt. 2002 haben die Werbeausgaben für Tabakwaren noch 59,3 Millionen Franken betragen.
BAT-Werbesujet: Die Tabakdebatte soll endlich sachlich werden.
Luca Aloisi

More articles on the topic