Edelman Trust Barometer 2026: Vertrauen zieht sich zurück

Das Edelman Trust Barometer 2026 zeigt eine tiefgreifende Verschiebung: Vertrauen konzentriert sich zunehmend auf das unmittelbare Umfeld. 81 Prozent der Befragten sind zögerlich, Menschen mit anderen Werten oder Hintergründen zu vertrauen. Der eigene Arbeitgeber ist mit 74 Prozent Vertrauen die einzige Institution im Vertrauensbereich.

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Quelle: zvg

Das Edelman Trust Barometer 2026 zeigt für Deutschland eine tiefgreifende Verschiebung: Vertrauen ist nicht verschwunden, aber es zieht sich zurück. Statt abstrakten gesellschaftlichen Institutionen vertrauen Menschen zunehmend dem, was sie unmittelbar erleben – dem eigenen Umfeld, dem Arbeitsplatz und konkreten persönlichen Beziehungen. Mit einem Trust Index von 44 Punkten bleibt Deutschland auch 2026 im unteren Bereich des institutionellen Vertrauens.

Abschottung prägt das Vertrauensklima

Die Daten zeigen eine deutliche Verschiebung im Vertrauensklima. Der Zukunftsoptimismus ist weiter gesunken: Nur 8 Prozent der Menschen in Deutschland glauben, dass es der nächsten Generation besser gehen wird als heute – ein Rückgang um 6 Punkte im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig nimmt der Austausch über politische Unterschiede ab, und viele Menschen berichten von wachsenden Sorgen vor wirtschaftlicher Unsicherheit und gesellschaftlicher Spaltung.

81 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, zögerlich oder nicht bereit zu sein, Personen zu vertrauen, deren Werte, Informationsquellen, Problemlösungsansätze oder kulturelle Hintergründe sich von ihren eigenen unterscheiden. Damit wird Abschottung zu einem prägenden Merkmal des Vertrauensklimas. Vertrauen konzentriert sich auf den eigenen Kreis und wird darüber hinaus eher unwahrscheinlich.

«Das Edelman Trust Barometer 2026 ist kein Blick nach vorn, sondern ein schonungsloses Lagebild. Es zeigt, wie tief der Zukunftspessimismus in Deutschland verankert ist und wie stark wirtschaftliche Unsicherheit, technologische Umbrüche und Sorgen um Stabilität das Vertrauen bereits aushöhlen. Wenn 81 Prozent der Menschen Vertrauen vor allem im eigenen Kreis zulassen, ist Abschottung keine abstrakte Debatte mehr, sondern gesellschaftliche Realität», sagt Nils Giese, CEO von Edelman Deutschland.

Einkommensunterschiede prägen Vertrauen

Ein zentrales Ergebnis des deutschen Trust Barometers ist, dass die grösste Vertrauenslücke entlang der Einkommensgrenzen verläuft. Der Unterschied im Vertrauen zwischen hohen und niedrigen Einkommensgruppen beträgt in Deutschland 18 Punkte.

Arbeitgeber als Vertrauensanker

Mit 74 Prozent Vertrauen unter Beschäftigten ist der eigene Arbeitgeber die einzige Institution in Deutschland, die eine klare Vertrauensmehrheit erreicht. Demgegenüber liegen Wirtschaft (48 Prozent), Medien (46 Prozent), Regierung (42 Prozent) und NGOs (41 Prozent) im Bereich des Misstrauens. Unternehmen sind damit Orte, an denen Vertrauen konkret erlebt wird – durch Führung, Kultur und tägliche Zusammenarbeit.

Erwartung an Vermittlung

Das Trust Barometer 2026 zeigt eine klare Erwartungshaltung: Institutionen und Organisationen sollen aktiv Vertrauen zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen fördern. In Deutschland sehen 81 Prozent die Regierung, 73 Prozent die Medien, 69 Prozent die Wirtschaft, 69 Prozent (unter Beschäftigten) den eigenen Arbeitgeber und 61 Prozent NGOs in der Pflicht, gesellschaftliche Gräben aktiv zu überbrücken und Vertrauen zwischen Gruppen aufzubauen, die einander misstrauen.

«In Zeiten von Abschottung entsteht Vertrauen dort, wo es sowohl Menschen als auch Institutionen gelingt, Unterschiede zu überbrücken. Trust Brokering bedeutet, Unterschiede nicht zu überdecken, sondern zu übersetzen und gemeinsame Interessen sichtbar zu machen. Unternehmen, insbesondere der eigene Arbeitgeber, haben heute die grösste Verantwortung und zugleich die grösste Chance, Vertrauen über gesellschaftliche Gräben hinweg aufzubauen», so Nils Giese.

Umsetzungslücke bei Institutionen

Gleichzeitig zeigt sich eine Umsetzungslücke: In Deutschland sagen nur 33 Prozent, dass die Regierung Gräben wirksam überbrückt und Vertrauen fördert, verglichen mit 39 Prozent bei den Medien, 42 Prozent bei der Wirtschaft, 33 Prozent bei NGOs und 55 Prozent (unter Beschäftigten) beim eigenen Arbeitgeber.

Unternehmen können Vertrauen stärken, indem sie Begegnung und Austausch über Unterschiede hinweg ermöglichen – etwa durch das gezielte Zusammenbringen von Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Hintergründen (73 Prozent der Deutschen halten dies für wirksam) oder durch Partnerschaften mit unerwarteten Organisationen, um interkulturellen oder parteiübergreifenden Dialog zu fördern (68 Prozent).

Politik und öffentliche Verwaltung stehen in der Verantwortung, den Ton zu setzen und den zivilen Diskurs zu sichern: Als wirksam gelten in Deutschland unter anderem die Verpflichtung von Politikerinnen und Politikern zu respektvollem Diskurs (80 Prozent), der Verzicht auf Rhetorik, die Gruppen beschuldigt oder diffamiert (79 Prozent), sowie lokale Vermittlungs- oder Dialogprogramme von NGOs (69 Prozent).

Von den Medien wird erwartet, deeskalierend zu wirken und fair zu kontextualisieren – etwa durch gleichberechtigte Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven zu zentralen Themen (83 Prozent) sowie durch präzise statt überzogener oder angstschürender Schlagzeilen (81 Prozent).

Über das Edelman Trust Barometer 2026

Das Edelman Trust Barometer 2026 ist die 26. jährliche globale Vertrauensstudie von Edelman. Die Untersuchung wurde vom Edelman Trust Institute durchgeführt und basiert auf 30-minütigen Online-Interviews, die zwischen dem 23. Oktober und dem 18. November 2025 erhoben wurden. Befragt wurden knapp 34.000 Teilnehmende in 28 Ländern.

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