Die Vertrauensfrage

Gastkommentar Für die Schweizer Werbewirtschaft hat die im Oktober anstehende Zwischenbeglaubigung durch die Wemf klar Signalwirkung, mahnt Urs Schneider.

Gastkommentar Für die Schweizer Werbewirtschaft hat die im Oktober anstehende Zwischenbeglaubigung durch die Wemf klar Signalwirkung, mahnt Urs Schneider.Wegen der Einführung eines neuen Zählverfahrens findet die nächste obligatorische Beglaubigung bekanntlich erst im Oktober 2005 statt. Einem Teil der Verleger sind anderthalb Jahre zu lang, weswegen die von ihnen finanzierte Wemf diesen Oktober eine Zwischenbeglaubigung offeriert. Die Resultate würden erstmals praktisch zeitgleich mit den Leserzahlen veröffentlicht. Eine äusserst sinnvolle Aktion, speziell im Hinblick auf die Festlegung der neuen Tarife. Das neue Beglaubigungsreglement scheint bereits Wirkung zu zeigen. Verschiedene Verlage achten plötzlich genauer auf die Entwicklung ihrer Auflagen, was aus Sicht der Auftraggeber positiv zu werten ist. Nach den jüngsten Fällen von Falschdeklarationen kann nur rasche und vollständige Transparenz das notwendige Vertrauen wieder herstellen. Schon deshalb wäre es angezeigt, dass alle grossen, für die Werbewirtschaft wichtigen Publikationen eine Zwischenbeglaubigung durchführen.
Big Player haben ihre Teilnahme angemeldet. Wenn aber nur etwa 60 Titel an der Zwischenbilanz teilnehmen, bleibt die gute Wemf-Initiative wenig aussagekräftig. Eine lückenhafte Beglaubigung wäre das falsche Signal an die Werbewirtschaft. Ein kollektives freiwilliges Reinemachen in zwei Monaten würde das Vertrauen in die Auflagen wieder herstellen. Dies gilt gerade auch für die kleineren und mittleren Tageszeitungen.
Das Argument, im vergangenen Jahr habe sich nicht viel geändert, ist nicht stichhaltig. In letzter Zeit haben sich verschiedene Titel zum Teil überraschend entwickelt. Das neue Reglement der Wemf hat ja auch Auswirkungen auf die Methodik der Erhebung. Dieser Schritt wird grössere Abweichungen zur Folge haben. Umso verständlicher ist die Forderung der Werbewirtschaft nach rascher Transparenz. Eine Verzögerung bis Oktober 2005 wäre inakzeptabel. In Deutschland werden die Auflagen grosser Publikationen sogar vierteljährlich kontrolliert. Das mag des Guten etwas zu viel sein, aber die Logik stimmt.
Eine andere Ausrede ist der Kostenfaktor. Dieser ist von der Auflagenhöhe abhängig und beträgt für Auflagen über 300000 Exemplare maximal 3700 Franken. Für die Zwischenbeglaubigung gewährt die Wemf ein Drittel Rabatt. Die maximalen Kosten für diesen Vertrauensbeweis ins eigene Produkt betragen also schlappe 2467 Franken, bei Publikationen bis 50000 Auflage gar nur 1167 Franken.
Die Zwischenbeglaubigung bietet den Verlegern eine im doppelten Sinne günstige Gelegenheit, der Werbewirtschaft zu zeigen, dass sie die Problematik der Auflagenzahlen erkannt haben und ihren Teil zu deren Lösung beitragen.
> Urs Schneider ist Inhaber der Zürcher Agentur Media Schneider.

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