Die neue Flexibilität

Kommentar René Worni über multimediale Perspektiven am Genfersee.

René Worni über multimediale Perspektiven am Genfersee.Die Mauern der Ressorts fallen – herkömmliche Redaktionen sind ein Auslaufmodell. An ihrer Stelle wachsen grossräumige Informationszentren, die Newsrooms. Dort gelten Redaktorinnen und Redaktoren als sogenannte Informations- und Newsmanager. Newsrooms sind in erster Linie eine Antwort  auf den lastenden Kostendruck. Die neue, ressortverneinende Flexibilität ist dynamischer und senkt Kosten. Noch nie zuvor haben sich so viele Zeitungsverlage eine Umstrukturierungskur verschrieben wie im laufenden Jahr.«Online zuerst», hiess es im letzten Juli bei Springer in Berlin. Diesem Credo werden ab 2007 Die Welt und die Berliner Morgenpost in einem multimedialen Newsroom Rechnung tragen. Kaum ist eine Story ruchbar und aufbereitet, geht sie zunächst ins Netz und erst später aufs Papier. Tage danach gab auch die Financial Times den Bau eines integrierten Multimedia-Newsrooms bekannt, um Print und Online redaktionell zu fusionieren. Selbstredend macht Österreichs enfant terrible, Wolfgang Fellner, sein nach der Sommerpause lanciertes Boulevardblatt in einem riesigen Newsroom. Die Verschmelzung von Print und Online ist Konzept.
Im April hat hier zu Lande die Berner Zeitung ihre Ressortstruktur auf- und durch eine Themenbörse abgelöst – mit ambitiösen Zukunftsplänen. Zeitung, Online sowie Radio und Fernsehen sollen im Medienverbund dereinst unter einem Dach Platz finden. Und kürzlich lancierte Ringier sein Cash-daily-Projekt, eine bis dato noch nicht gesehene Verbindung von Zeitung und multimedialen Zusatzangeboten.
Und jetzt zieht auch Edipresse die Lehren aus der Internetinvasion. Grundstein zur multimedialen Regionalzeitung am Léman, bestehend aus Tribune und 24heures, bildet ab März 2007 die neue gemeinsame Onlineredaktion. Edipresse UL-Mitglied Eric Hösli forderte schon im Juli von den Medienschaffenden mehr Flexibilität. Denkbar, dass der Online-Newsroom am Genfersee einmal die beiden Printredaktionen einsaugt – an Vorbildern mangelt es nicht.
René Worni, Redaktor

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