Die Kult-Frau
Sibylle Berg will als neue Chefredaktorin aus dem Lifestyle-Magazin Kult eine literarische Zeitschrift machen.
Sibylle Berg will als neue Chefredaktorin aus dem Lifestyle-Magazin Kult eine literarische Zeitschrift machen.Sie sei «ein ganz fauler Hund», meint Sibylle Berg. Gerne liege sie am Boden ihrer Zürcher Wohnung, schaue an die Decke und denke. Was der faule Hund so denkt, wirkt allerdings ziemlich fleissig. Sechs Romane und sechs Theaterstücke gehören bereits zum Werk der jungen Autorin. Ihr letztes Buch «Ende gut» – über Zynismus, Grausamkeit und Melancholie in der heutigen Zeit – soll demnächst noch mit einer musikalischen CD als eine Art «Oper zum Buch» ergänzt werden. Daneben ist das siebte Theaterstück beinahe fertig. Es wird in diesem Sommer in Bochum auf die Bühne kommen – im Haus von Alexander Hartmann, der in der kommenden Spielzeit Nachfolger von Christoph Marthaler in Zürich wird. Berg will in Bochum wie meistens bei ihren Stücken bei den Proben mit dabei sein. Weiter in ihrem Terminplan steht auch ein Auftrag für ein modernes Opernlibretto.Bei all diesen Aktivitäten hat es nicht wenige überrascht, dass Sibylle Berg in diesen Wochen auch die Chefredaktion des Zeitgeistmagazins Kult übernommen hat.
«Leise im Hintergrund» sei sie zwar schon mehr als ein Jahr lang beim erfolgreichen Szeneheft von Rainer Kuhn mit dabei. Sie hat Texte ausgewählt und Autoren gesucht. Diese Beratung hat sich jetzt zu einer richtigen Chefredaktion entwickelt.
«Die Arbeit für Kult ist ein Bestandteil von vielen Sachen, aus denen sich mein Einkommen zusammensetzt», erklärt die Schriftstellerin, die «noch nicht lange» von ihren Büchern leben kann. Und freut sich: «Kult ist auch ganz schön eine Möglichkeit, Freunde zu ernähren, Schriftsteller ein bisschen zu unterstützen und zu fördern.»
Bei solchen Zielsetzungen ist klar, dass Kult sich ein wenig verändern wird. «Keinen Bezug», hat die gesellschaftskritische Autorin zur Party- und Liefestyle-Szene. Zwar findet sie es bewundernswert, wie sich die anfängliche Spassidee von Rainer Kuhn in diesem Umfeld zu einem erfolgreichen Selbstrenner entwickelt hat. Kult wurde immer dicker und besser und mehr gelesen. «Kult ist ein richtiges Blatt geworden, das ich auch selber lesen würde», wirbt Berg für ihr neues Sprachrohr.
Dieses soll statt bei Partygängern jetzt immer mehr auch in intellektuellen Kreisen seine Resonanz finden. «Wir merkten, dass Leute die Bücher lesen, jetzt auch das Kult lesen. Das finde ich schön», freut sich Berg. Mit der neuen Ausrichtung will Kult auch mit Orell Füssli kooperieren. Das Heft wird gratis im Buchhandel ausgelegt. Neu dazugekommen ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater in Zürich, «dort, wo jetzt die Hauptleserschaft sitzt».
Als neue Schreiber will Kult möglichst viele bekannte deutschsprachige Autoren verpflichten. Sie habe sich immer ein Magazin gewünscht, in dem alle ihre Lieblingsautoren schreiben. Weil es das nicht gab, macht Sibylle Berg jetzt selber ein solches Heft. Bereits hat sie Kollegen wie Elfride Jelinek, Wim Wenders oder Henrik Broder für Kult gewinnen können.
Mit Bergs Chefredaktion will sich Herausgeber Rainer Kuhn vermehrt in die Verlagsfunktionen zurückziehen. Für die Gestaltung des Hefts sieht die Chefredaktorin «vier gleichberechtigte Leute im kreativen Kern». Shamir Yanay ist für die Bild-Direktion zuständig. Der Werber Frank Bodin – ebenfalls Ko-Herausgeber des Kult – «macht wahrscheinlich so den grossen intellektuellen Zusammenhang». Rainer Kuhn «vernetzt und wirbelt rum».
Und das redaktionelle Konzept? Man habe einmal gesagt: «Fotografen und Autoren beschreiben die Welt.» Mit diesem immer noch gültigen Konzept will man allerdings nicht aktuell die Weltpolitik kommentieren. Aber durch die Geschichten fügt sich doch ein Weltbild zusammen – mit dem Zusammenspiel von Fotos und Texten sowie «auch ein bisschen Kunst, die wir ins Heft reinbringen wollen». Als einzige Klammer habe man immer nur die grossen Themen. Dazu macht jeder in seinem Bereich, was er gerade für wichtig findet. «Am Schluss sind wir selber überrascht, was dabei rauskommt», verrät Berg.
Die Autorin, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist und in Zürich in einer Hausgemeinschaft mit der Sängerin Sina wohnt, lässt sich entlocken, dass sie früher als Werbetexterin gejobbt hat. Allerdings hätte sie das nervlich nicht lange ausgehalten. «Die haben das alle viel zu ernst genommen. Das hat für mich nicht funktioniert.»
Heute denkt sie über die Branche natürlich versöhnter. «Lange Zeit waren ja die Werber ein bisschen die Buhmänner oder schwarzen Schafe von so eher linken, intellektuellen Kreisen. Das hat zum Glück aufgehört. Heute sind es die Journalisten, die viel mehr Blödsinn anstellen als die Werber.»
Aber das muss ja nicht im Kult abgedruckt werden.
Sibylle Berg, die neue Chefin von Kult sieht ihren Job als «eine Möglichkeit, Freunde zu ernähren und Schriftsteller zu fördern».
Andreas Panzeri
«Leise im Hintergrund» sei sie zwar schon mehr als ein Jahr lang beim erfolgreichen Szeneheft von Rainer Kuhn mit dabei. Sie hat Texte ausgewählt und Autoren gesucht. Diese Beratung hat sich jetzt zu einer richtigen Chefredaktion entwickelt.
«Die Arbeit für Kult ist ein Bestandteil von vielen Sachen, aus denen sich mein Einkommen zusammensetzt», erklärt die Schriftstellerin, die «noch nicht lange» von ihren Büchern leben kann. Und freut sich: «Kult ist auch ganz schön eine Möglichkeit, Freunde zu ernähren, Schriftsteller ein bisschen zu unterstützen und zu fördern.»
Bei solchen Zielsetzungen ist klar, dass Kult sich ein wenig verändern wird. «Keinen Bezug», hat die gesellschaftskritische Autorin zur Party- und Liefestyle-Szene. Zwar findet sie es bewundernswert, wie sich die anfängliche Spassidee von Rainer Kuhn in diesem Umfeld zu einem erfolgreichen Selbstrenner entwickelt hat. Kult wurde immer dicker und besser und mehr gelesen. «Kult ist ein richtiges Blatt geworden, das ich auch selber lesen würde», wirbt Berg für ihr neues Sprachrohr.
Dieses soll statt bei Partygängern jetzt immer mehr auch in intellektuellen Kreisen seine Resonanz finden. «Wir merkten, dass Leute die Bücher lesen, jetzt auch das Kult lesen. Das finde ich schön», freut sich Berg. Mit der neuen Ausrichtung will Kult auch mit Orell Füssli kooperieren. Das Heft wird gratis im Buchhandel ausgelegt. Neu dazugekommen ist eine Zusammenarbeit mit dem Theater in Zürich, «dort, wo jetzt die Hauptleserschaft sitzt».
Als neue Schreiber will Kult möglichst viele bekannte deutschsprachige Autoren verpflichten. Sie habe sich immer ein Magazin gewünscht, in dem alle ihre Lieblingsautoren schreiben. Weil es das nicht gab, macht Sibylle Berg jetzt selber ein solches Heft. Bereits hat sie Kollegen wie Elfride Jelinek, Wim Wenders oder Henrik Broder für Kult gewinnen können.
Mit Bergs Chefredaktion will sich Herausgeber Rainer Kuhn vermehrt in die Verlagsfunktionen zurückziehen. Für die Gestaltung des Hefts sieht die Chefredaktorin «vier gleichberechtigte Leute im kreativen Kern». Shamir Yanay ist für die Bild-Direktion zuständig. Der Werber Frank Bodin – ebenfalls Ko-Herausgeber des Kult – «macht wahrscheinlich so den grossen intellektuellen Zusammenhang». Rainer Kuhn «vernetzt und wirbelt rum».
Und das redaktionelle Konzept? Man habe einmal gesagt: «Fotografen und Autoren beschreiben die Welt.» Mit diesem immer noch gültigen Konzept will man allerdings nicht aktuell die Weltpolitik kommentieren. Aber durch die Geschichten fügt sich doch ein Weltbild zusammen – mit dem Zusammenspiel von Fotos und Texten sowie «auch ein bisschen Kunst, die wir ins Heft reinbringen wollen». Als einzige Klammer habe man immer nur die grossen Themen. Dazu macht jeder in seinem Bereich, was er gerade für wichtig findet. «Am Schluss sind wir selber überrascht, was dabei rauskommt», verrät Berg.
Die Autorin, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist und in Zürich in einer Hausgemeinschaft mit der Sängerin Sina wohnt, lässt sich entlocken, dass sie früher als Werbetexterin gejobbt hat. Allerdings hätte sie das nervlich nicht lange ausgehalten. «Die haben das alle viel zu ernst genommen. Das hat für mich nicht funktioniert.»
Heute denkt sie über die Branche natürlich versöhnter. «Lange Zeit waren ja die Werber ein bisschen die Buhmänner oder schwarzen Schafe von so eher linken, intellektuellen Kreisen. Das hat zum Glück aufgehört. Heute sind es die Journalisten, die viel mehr Blödsinn anstellen als die Werber.»
Aber das muss ja nicht im Kult abgedruckt werden.
Sibylle Berg, die neue Chefin von Kult sieht ihren Job als «eine Möglichkeit, Freunde zu ernähren und Schriftsteller zu fördern».
Andreas Panzeri
