Die beste Verteidigung

Pierre C. Meier über Strategien im Nachgang zu Ringiers Daily-Baby.

Pierre C. Meier über Strategien im Nachgang zu Ringiers Daily-Baby.
Es ist noch nicht die Gratiszeitung, über
der bei Ringier die Köpfe brüten und mit der sich die Verlagsstrategen
an der Dufourstrasse gegen Tamedias Erfolgsblatt 20 Minuten in die
Schlacht werfen wollen.

Mit dem Launch von Ringiers jüngstem Baby Cash Daily stärkt der
Verleger zunächst einmal seinen Titel Cash. Der neuartige
Medienverbund, bestehend aus der täglichen, tabloiden Gratiszeitung am
Morgen, Audio- und Videoapplikationen auf dem Internet sowie auf
mobilen Plattformen, wird vielleicht die Marke Cash revitalisieren. Man
hofft, dass damit neues, junges Lesepublikum für Cash angefixt werden
kann. Die Redaktion kann sich verstärkt auf breit recherchierte
Geschichten konzentrieren und die aktuellen Happen aus dem Räderwerk
der Wirtschaft der Gratisschwester überlassen. So weit so gut.

Es wäre nichts als folgerichtig, dieses unbestreitbar logische Setting
für das Sorgenkind Blick zu klonen, im Hinblick auf den beabsichtigten
Launch eines auflagenstarken Ringier-Umsonstblattes. Hier stehen
theoretisch zwei Möglichkeiten zur Disposition. Zum einen eine echte
(keine emanzipierte!) Gratis-Boulevardzeitung, der Gratis-Blick am
Morgen, mit breiter Distribution, aber mit einem klaren, urbanen
Schwergewicht und dem Fokus auf ein jüngeres Publikum, notabene 
erweitert mit multimedialen Angeboten auf Internet und mobilen Geräten
– in direkter Konkurrenz also zur etablierten Gratiszeitung 20 Minuten.

Folgerichtig wäre weiter die Expansion im Inserateverbund zusammen mit
Le Matin Bleu in die Romandie. Edipresse hätte damit – nachdem im
letzten Herbst mit Tamedia am Genfersee ja alles schief gelaufen ist –
einen Anzeigenpartner in der Deutschschweiz für Le Matin Bleu
(geschickt geködert, Peter Rothenbühler!). Ob mit diesem «Blick-Bleu»
aber eine neue, urbanere Leserschaft an das Mutterschiff herangeführt
werden kann, ist fraglich.

Und ein Gratis-Blick am Abend? So stünde man der Konkurrenz nicht mehr
Aug in Aug gegenüber. Das ist beileibe nicht der Stil des Hauses, wo
man – Angriff ist die beste Verteidigung – mit grosser Kelle
anzurichten beliebt.

Pierre C. Meier, Chefredaktor

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