Die Banner-Schleuder

Gastkommentar Mit dem Eintritt in den Online-Anzeigenmarkt punktet Google, meint Markus Gabriel.

Gastkommentar Mit dem Eintritt in den Online-Anzeigenmarkt punktet Google, meint Markus Gabriel.Zur Klarstellung: Der letzte Woche angekündigte Vorstoss von Google ins Reich der visuellen Werbung betrifft die Suchmaschine selber nicht. Die gegenüber Auftraggebern fast schon provokative Ablehnung von Bannern und Buttons gehört weiterhin zum puritanischen Selbstverständnis von Google. Was für die eigene Site nicht in Frage kommt, delegiert Google nun an sein weltweites «AdSense»-Partnernetz. Und diese Partner werden sich nicht zweimal bitten lassen, können sie doch nun an kontextnahen Bannern mitverdienen, die Google aus dem Werbemarkt absaugt und ihnen automatisiert auf die Site schickt.Auch Heerscharen von Webmastern, die sich heute noch auf Affiliate-Plattformen mit provisionsverlinkten Bannern eindecken, dürften sich dem neuen Programm zuwenden. Denn hier gibts schon fürs Einblenden von Bannern Geld und nicht erst, wenn durch dessen Anklicken ein Toaster verkauft wird. So wird das Google-Netzwerk noch grösser und für Werbetreibende noch attraktiver. Diese können so nämlich ohne Mediaplaner oder Vermarkter ihre Botschaft extrem zielgruppengenau und themenaffin platzieren. Und das vermutlich erst noch zu massiv tieferen Preisen als üblich.
Die dabei angewandte Technologie unterstützt die Werbewilligen auf raffinierte Weise: Sie tippen die URLs von Seiten ein, die ihnen als Werbeträger gefallen, und Google sendet ihnen postwendend eine Liste von Partner-Sites zurück, die ähnlich geartet und somit als Streufläche geeignet sind. Anders als bei den «AdWords» entscheidet jedoch nicht die
Maschine, sondern der werbetreibende Mensch, auf welchen Google-Partnerseiten seine Banner erscheinen. Weshalb Do-it-yourself-Werber dieses neue Angebot massenweise nutzen werden.
Aber auch Kommunikationsagenturen wie unsere bekommen ein neues, komplementäres Instrument in die Hand. Wir können den Online-Marketing-Mix facettenreicher gestalten und die Selektion geeigneter Sites aus dem Google-Universum als neue Dienstleistung anbieten, ohne mit teuren Mediadaten komplizierte Berechnun-
gen anstellen zu müssen. Googles neuster Streich ist letztlich also für alle innovativen Marktteilnehmer eine gute Nachricht.
> Markus Gabriel ist Gründer und Inhaber der Zürcher Off- und Online-Marketingagentur Angelink.

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