Der Zweite wird der Erste sein
Die Berner Verkehrserziehung ist dank Werbung von Faktor Plus gar nicht dröge und darum sehr erfolgreich
Die Berner Verkehrserziehung ist dank Werbung von Faktor Plus gar nicht dröge und darum sehr erfolgreichVon Luca Aloisi Berns Strassen gehören nach eigenem Bekunden zu den sichersten Europas. Ihre Vorbildfunktion verdankt die Hauptstadt dem Massnahmenplan Verkehrssicherheit (MVS). Dieses Projekt geht mit einem Präventions-TV-Spot der Berner Werbeagentur Faktor Plus bereits in sein neuntes Jahr.
Patrice Mosimann, Inhaber und Konzepter der Berner Agentur Faktor Plus, begleitet seit acht Jahren das MVS-Projekt werblich. In dieser Zeit konnte in Bern die Unfallziffer mit baulichen und kommunikativen Massnahmen um stolze 20 Prozent gesenkt werden.
Anders als die drögen, plakativen Umsetzungen der üblichen Präventionskampagnen haben sich die Berner Werber vorgenommen, mit inspirierteren Auftritten an Events und in klassischer Werbung positiv auf das Verhalten der häufigsten Unfallverursacher zu wirken. Nach dem Motto: Je bescheidener die Mittel für Prävention, desto überraschender und nachhaltiger müssen die Kommunikationsaktivitäten vor allem im Eventmarketing sein.
Spot in Comic-Manier mit gesplittetem Monitor
Im Auftrag der Stadtpolizei Bern realisierte Faktor Plus nun einen Low-budget-TV-Spot, der die junge Zielgruppe mit einer sympathischen, humorvollen Comic-Umsetzung rasch und unkompliziert erreichen dürfte. Spannend, witzig und dennoch lehrreich baut der Streifen gleich mehrere Inhalte wie Vortritt, Geschwindigkeit, Aggression oder Kinder im Verkehr ein und zeigt parallel auf beiden Monitorhälften, wie ein vorbildlicher und ein schlechter Autofahrer die Risiken im Verkehr bewältigen. Dass der Fahrer mit dem schlechten Benehmen als Erster durchs Ziel saust, ist ebenso klar wie die Tatsache, dass die Sympathien dem Zweitplatzierten als eigentlichem Sieger entgegenfliegen.
Als erste Stadt der Schweiz hat Bern 1993 einen MVS in die Wege geleitet. Die Zusammenarbeit mit Bund, Kanton und verschiedenen städtischen Direktionen hat sich inzwischen auch in weiteren Schweizer Städten bewährt, weil deren Kooperation den Beratungsdiensten ein Massnahmenpaket zusammenschnürt. Es beinhaltet zahlreiche Elemente – von der Verkehrserziehung in Form von Sicherheitstagen an Schulen, an Messen wie an der Bea oder auf dem Bundesplatz mit Schrottautos, bis hin zum Einsatz von klassischer Werbung bei Unfallpräventionskampagnen.
Funktioniert Unfallprävention mit Horror-Bildern besser?
Der Ansatz scheint nötig zu sein, weil konventionelle Massnahmen wie Tempolimite oder Gurten- und Helmtragepflicht praktisch ausgeschöpft sind. Als aber Auszüge von «Vision Zero», einer vom Bundesamt für Strassen (Astra) erarbeiteten Grundlage für eine neue Verkehrspolitik, bekannt wurden, gerieten die Vorschläge bei den Boulevardmedien schwer unter die Räder. Astras Pläne basieren auf der Firmenstrategie des US-Chemiemultis DuPont, wonach jeder Unfall vermeidbar ist. Aber auch die 16 bis 20 Millionen Franken, die jährlich auf freiwilliger Basis in Aktionen zur Verkehrssicherheit fliessen, haben offenbar ihre maximale Wirkung erreicht.
Hans Koller, geschäftsleitender Sekretär des Schweizerischen Verkehrssicherheitsrates, kennt sich in der Problematik aus. Der Verband, der 2002 sein 50-jähriges Bestehen feiert, gehört zu den Hauptakteuren in Sachen Prävention. Daneben gibt es unzählige weitere Stellen, die sich um eine bessere Verkehrssicherheit bemühen. Das sind unter anderem die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), Versicherungen und Polizeikorps sowie die Verbände TCS und VCS.
Zwar gelinge es, mit der ständigen Berieselung durch Mahnplakate und Events die Sensibilisierung bei Verkehrsteilnehmern zu steigern. Doch stellten die vielfältigen Kampagnen und Aktionen ihre Absender immer wieder vor Koordinationsprobleme, bemängelt Koller. Die negativen Folgen wie verzettelte finanzielle Ressourcen, ungenutzte Synergien oder zeitliche Überschneidungen, spürten die Angesprochenen glücklicherweise nicht, meint Koller. Spezialisten bemängelten aber auch die Wirksamkeit von Kampagnen, die an die Vernunft appellieren. Bei den Jungen – die Altersgruppe mit den häufigsten und schwersten Unfällen – würden abschreckende und drohende Botschaften viel mehr bewirken.
Koller versteht den Einwand, hält aber dagegen, dass sein Verband eine Philosophie der Bewusstseinsbildung für wirksamer betrachtet. Ausserdem habe man festgestellt, dass Verdrängung die häufigste Reaktion auf Kampagnen mit Horror-Bildern seien. Mit der Einstellung, «das kann mir nie passieren», bleibe die Botschaft darum meist unbeachtet.
Patrice Mosimann, Inhaber und Konzepter der Berner Agentur Faktor Plus, begleitet seit acht Jahren das MVS-Projekt werblich. In dieser Zeit konnte in Bern die Unfallziffer mit baulichen und kommunikativen Massnahmen um stolze 20 Prozent gesenkt werden.
Anders als die drögen, plakativen Umsetzungen der üblichen Präventionskampagnen haben sich die Berner Werber vorgenommen, mit inspirierteren Auftritten an Events und in klassischer Werbung positiv auf das Verhalten der häufigsten Unfallverursacher zu wirken. Nach dem Motto: Je bescheidener die Mittel für Prävention, desto überraschender und nachhaltiger müssen die Kommunikationsaktivitäten vor allem im Eventmarketing sein.
Spot in Comic-Manier mit gesplittetem Monitor
Im Auftrag der Stadtpolizei Bern realisierte Faktor Plus nun einen Low-budget-TV-Spot, der die junge Zielgruppe mit einer sympathischen, humorvollen Comic-Umsetzung rasch und unkompliziert erreichen dürfte. Spannend, witzig und dennoch lehrreich baut der Streifen gleich mehrere Inhalte wie Vortritt, Geschwindigkeit, Aggression oder Kinder im Verkehr ein und zeigt parallel auf beiden Monitorhälften, wie ein vorbildlicher und ein schlechter Autofahrer die Risiken im Verkehr bewältigen. Dass der Fahrer mit dem schlechten Benehmen als Erster durchs Ziel saust, ist ebenso klar wie die Tatsache, dass die Sympathien dem Zweitplatzierten als eigentlichem Sieger entgegenfliegen.
Als erste Stadt der Schweiz hat Bern 1993 einen MVS in die Wege geleitet. Die Zusammenarbeit mit Bund, Kanton und verschiedenen städtischen Direktionen hat sich inzwischen auch in weiteren Schweizer Städten bewährt, weil deren Kooperation den Beratungsdiensten ein Massnahmenpaket zusammenschnürt. Es beinhaltet zahlreiche Elemente – von der Verkehrserziehung in Form von Sicherheitstagen an Schulen, an Messen wie an der Bea oder auf dem Bundesplatz mit Schrottautos, bis hin zum Einsatz von klassischer Werbung bei Unfallpräventionskampagnen.
Funktioniert Unfallprävention mit Horror-Bildern besser?
Der Ansatz scheint nötig zu sein, weil konventionelle Massnahmen wie Tempolimite oder Gurten- und Helmtragepflicht praktisch ausgeschöpft sind. Als aber Auszüge von «Vision Zero», einer vom Bundesamt für Strassen (Astra) erarbeiteten Grundlage für eine neue Verkehrspolitik, bekannt wurden, gerieten die Vorschläge bei den Boulevardmedien schwer unter die Räder. Astras Pläne basieren auf der Firmenstrategie des US-Chemiemultis DuPont, wonach jeder Unfall vermeidbar ist. Aber auch die 16 bis 20 Millionen Franken, die jährlich auf freiwilliger Basis in Aktionen zur Verkehrssicherheit fliessen, haben offenbar ihre maximale Wirkung erreicht.
Hans Koller, geschäftsleitender Sekretär des Schweizerischen Verkehrssicherheitsrates, kennt sich in der Problematik aus. Der Verband, der 2002 sein 50-jähriges Bestehen feiert, gehört zu den Hauptakteuren in Sachen Prävention. Daneben gibt es unzählige weitere Stellen, die sich um eine bessere Verkehrssicherheit bemühen. Das sind unter anderem die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), Versicherungen und Polizeikorps sowie die Verbände TCS und VCS.
Zwar gelinge es, mit der ständigen Berieselung durch Mahnplakate und Events die Sensibilisierung bei Verkehrsteilnehmern zu steigern. Doch stellten die vielfältigen Kampagnen und Aktionen ihre Absender immer wieder vor Koordinationsprobleme, bemängelt Koller. Die negativen Folgen wie verzettelte finanzielle Ressourcen, ungenutzte Synergien oder zeitliche Überschneidungen, spürten die Angesprochenen glücklicherweise nicht, meint Koller. Spezialisten bemängelten aber auch die Wirksamkeit von Kampagnen, die an die Vernunft appellieren. Bei den Jungen – die Altersgruppe mit den häufigsten und schwersten Unfällen – würden abschreckende und drohende Botschaften viel mehr bewirken.
Koller versteht den Einwand, hält aber dagegen, dass sein Verband eine Philosophie der Bewusstseinsbildung für wirksamer betrachtet. Ausserdem habe man festgestellt, dass Verdrängung die häufigste Reaktion auf Kampagnen mit Horror-Bildern seien. Mit der Einstellung, «das kann mir nie passieren», bleibe die Botschaft darum meist unbeachtet.
