Der Motz von Butz: Windschlüpfrige Autos, aber holprige Werbung

Die Werbung für Automobilmarken repräsentiert die Ohnmacht der heutigen Werbelandschaft. Kreativität, Witz, Frische, Überraschungen und Wow existieren nicht mehr. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]

Um was es hier geht: Es geht um viel und darum, dass die Werbung auf allen Kanälen den Konsumenten nicht länger langweilen sollte. Seit ich diese Kolumne schreibe – und das sind schon über zwei Jahre –, stelle ich keine Verbesserung der Werbung fest. Im Gegenteil.

Woran liegt das? Meiner Theorie nach geht es um Folgendes: Die Automobilbranche boomt im Moment nicht mehr, denn in Europa macht ihr eine Absatzkrise zu schaffen. Nicht nur die Autos bis 50 000 Franken sehen sich immer dank Windkanaltechnologie ähnlicher. Die Werbung, die dafür geschaltet wird, auch. Es gibt nur noch wenige Marken, die ein Profil und ein klares Image aufweisen. Oder kann mir jemand die Unterschiede der Positionierung von Dacia, Ford, Honda, Hyundai, Kia, Mazda, Nissan, Opel, Peugeot, Renault, Toyota usw.

aufzeichnen? Diese Unprofiliertheit ist nicht ein plötzliches, kurzfristiges Problem. Die Sünden in der Kommunikation durch Werbung haben schon vor Jahren begonnen. Denn nicht nur die einzelnen Marken und ihre Modelle sind sich verwechselbar ähnlich, auch die Werbeaussagen sind ausser dem Logo austauschbar. Massive Inserate-, Plakat- und Prospektkampagnen gehen meiner Meinung nach für viel Geld unbeachtet am Zielpublikum vorbei (s. Werbewoche 3/2011, 3/2012, 6/2012, 19/2012.)

Wenn ich mich an TV-Spots für Automarken erinnern will, kommen mir da nur mit viel Aufwand produzierte und bis zum Überdruss geschaltete Filme in den Sinn. Da werden Autos mit Farbe beworfen. Ein anderer Wagen fährt durch ein aus Holz geformtes, merkwürdiges Tunnel und kommt auf der anderen Seite als Pferd mit Reiter raus. Unzählige Schlagzeuger trommeln, dann ist Ruhe, und man erblickt ein Auto, das durch die Stadt fährt. An alle diese und noch andere – der mit dem Gecko ist ja noch gut gemacht – erinnere ich mich. Aber nicht an deren Marken.

Die Marken der VW-Gruppe mit Audi sind mir über die letzten 15 Jahre in guter Erinnerung. Mercedes und eventuell BMW ebenso. Diese Marken sind auch diejenigen, die immer noch Rekordergebnisse verbuchen können. Mit Bestimmtheit hat dies mit guter Werbung, die läuft und läuft und läuft, zu tun.

Selbst die Journalisten schreiben jetzt zur Salonzeit nur über den neuesten Rolls Royce, den schnellsten Porsche und den teuersten Ferrari. Aber auch über den XL1 von Volkswagen. Wieder ein Imageplus für VW.

Mein Aufsteller war der FCB.

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