Der Motz von Butz: Die Sparkommunikationsglühbirnen

Ottavio in seinem Elektrofachgeschäft in Italien ist genau so überfordert, wenn es darum geht, mir eine 60-Watt-Birne im EU-Sparstrom-Sortiment anzubieten wie Iron-Meyer im Zürcher Seefeld auch.

Es geht hier um klare Kommunikation. Und die funktioniert überhaupt nicht. Ich wäre froh, wenn mir ein Leser, der Kenntnis hat, diese neue Glühbirnen-Weltordnung erklären könnte. Ich glaube aber nicht, dass mir ein Leser der Werbewoche helfen könnte.

Auf der Schachtel steht in 31 Sprachen geschrieben, dass die Glühbirne zehn Jahre lang oder 10‘000 Stunden brennt oder lebt. Also das sind 3650 Tage oder 2,73972603 Stunden täglich. Es steht auch geschrieben, dass man die Birne 20 000 Mal on oder off stellen kann. Bis aber die Lampe 60 Prozent Helligkeit abgibt, braucht sie bis zu 80 Sekunden. Da stehst du vor der Haustür und hast zu warten, bis du das Schlüsselloch finden kannst. Wenn die Birne dann endlich leuchtet, strahlt dir ein Persil-weissgewaschenes Licht entgegen. Auf der Packung steht jedoch «warm white». Dieses moderne Ding kann übrigens auch nicht gedimmt werden. Nach meiner Erfahrung haben solche Lichter schon nach zwei Jahren den Geist aufgegeben. Auf der Stromrechnung der EWZ hat sich preislich auch nicht viel Signifikantes verändert. Dieses Philips-Produkt hat übrigens auf der Skala A bis G mit der Bestnote abgeschnitten. Es handelt sich dabei offensichtlich um ein europäisches Kommunikations-Einheitsproblem. Und dies ist nicht nur in der Glühbirnenwelt so. Leider steckt in der Branche der Werbung auch oft der Kommunikationswurm drin.

Meine Theorie: Nicht immer ist die Werbebotschaft so uneinleuchtend wie bei Glühbirnen. Aber oft stehe ich vor einem Rätsel und begreife nicht, was mir dieses Produkt erklären oder sogar zu etwas überzeugen will.

Wie schon oft von mir beschrieben, ist einer der Gründe für diese Rätselkommunikation, dass die vielen Köche den Brei verderben. Der Werbeleiter denkt, dass der Chef so denkt. Der Beratungsgruppenleiter denkt, dass der Kunde zwar A und B bewerben möchte. Deshalb fügt der CD noch eine Überidee C dazu, und alle denken, so könnte das funktionieren. Nur der Konsument versteht nichts und hat auch weder Lust noch Zeit, solche Rätsel zu entschlüsseln. Apropos Rätsel: Für mich ist es noch immer nicht klar, wie Thomas Edison vor 125 Jahren die Kohlenfadenglühbirnen-Idee zum Erfolg bringen konnte. Ganz einfach: Sie kippen den Schalter und die Lampe brennt. Ja, aber wie geht denn das? Ach, ganz einfach. Wir müssen Strom erzeugen und diesen kilometerweit an den Ort der Glühbirne führen. Ist Strom denn gefährlich? Ja sicher, wenn man damit in Berührung kommt, kann man sofort tot sein. Ja, aber die Öllampen muss man immer wieder auffüllen, und die Kerzen brennen schnell ab. Finalmente, die Glühbirne setzte sich durch und ist nicht mehr wegzudenken. Nur die EU-Normen sind leider dazugekommen. Geht Ihnen jetzt eine Lampe auf?

Der Aufsteller der Woche war Titti, die Dorf- Coiffeuse im Kaff Bucine (Toskana). Zweimal Haare waschen, schneiden zu einem perfekten Schnitt inkl. Augenbrauen, föhnen in 14 Minuten für 18 Euro. Ich habe noch Haare (siehe Foto). Übrigens incluso Prosecco.

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Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit drei Jahren auch noch
Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]
 

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