Der Motz von Butz: Coopzeitung versus Vogue
Müssen Highend-Fashion-Produkte attraktiv und alltägliche Produkte unattraktiv beworben werden? Das ist zu einfach gedacht.
Nach längerem Italien-Aufenthalt in unserem Büro Süd bin ich wieder hier in der Werbewelt Zürich gelandet und habe mich darum rasch umgesehen, ob ich gute und auch abscheuliche Werbung sichten kann. Von der wenigen Werbung mit Ausnahme am TV konnte ich nichts sichten, nichts begreifen und somit nichts Gutes entdecken.
In den Tageszeitungen ist ausser Sex-, Todesoder Günstiganzeigen eigentlich gar keine Werbung mehr vorhanden. Im Internet sind die Pop-ups von der NZZ lästig. Die Werbung ist auch zu printmässig gedacht, und geklickt habe ich noch nie.
Meine Konzentration galt dann zwei Medien. Der deutschen Vogue, 402 Seiten, 50 Prozent Werbung. Der Coopzeitung 112 Seiten, weit mehr als 60 Prozent Werbung. Das eine ist die Werbetrommel von Coop und die grösste Wochenzeitung der Schweiz. «Sie finden neue leckere Rezepte, spannende Reportagen und Gewinnspiele,» heissts auf Google. Was da aber nicht steht, dass weit über die Hälfte mit Schrottwerbung der untersten Schublade bestückt ist. Aktionswerbung mit Hunderten von Elementen, Symbolen, Kleintexten, dilettantischen Illustrationen, hässlichen Farbkombinationen. Sie können es sich vorstellen, was ich meine.
Bei der Zeitschrift Vogue trifft man auf eine ganz andere Welt. Hervorragend fotografierter, designter und gestalteter Redaktionsteil. Unüberladene, ruhige, originelle Inserate von 3 Doppel- bis zu 1/3 Seiten sind eine Wohltat.
Wessen Theorie ist es, zu denken, dass nur Luxusprodukte bessere und modernere Werbung verdienen? Meine Theorie ist eine andere: Ich glaube, dass die Auftraggeber für Inserate in der Coopzeitung die Meinung vertreten, dass die Preiskracher auf gelbem Grund mit roten Preisen, einem Bon und einem Wettbewerb usw. überladen werden müssen, damit sie Beachtung finden. Irrtum!
Warum, liebe Coopzeitungs-Macher, warum wendet Ihr nicht das Prinzip der Vogue an? Dieses funktioniert anscheinend ganz gut. Da werden unter verschiedenen Themen Produkte redaktionell vorgestellt (Product Placement). Die Coop-Redaktion könnte Produkte zu Themen wie Weintrinken, Schönheitspflege, Kochen usw. mittels Product Placement anstatt mit hässlichen Anzeigen locker und appetitlich anpreisen.
Noch eine weitere Theorie von mir: Ich glaube, dass hinter den Vogue-Anzeigen wenige, entscheidungskompetente Menschen stehen. Und bei Coop ganze entscheidungsinkompetente Gremien.
Mein Aufsteller der Woche war, dass ich das legendäre Petangue-Turnier auf dem Lindenhof letzten Sonntag zusammen mit Rolf Hürlimann gewinnen konnte.

Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
