Der Motz von Butz: Adieu Pierre C. Meier

Ein berühmter Schlagersänger hat behauptet, dass das Leben mit 66 anfängt. Das traf auf Pierre nicht zu und ist deshalb einen Motz nach oben wert.

PCM war mir zu den besten Zeiten der Werbung ein sehr intensiver Werbe-Sparringspartner und in den letzten 4 Jahren mein Chefredaktor bei der Werbewoche.

Ich nehme diese Kolumne als Gelegenheit, über den Meier, den Pierre, das Mediamonster – wie ihn CEO Berberat von Fiat nannte –, oder auch den PCM (Das C habe ich vergessen oder nie richtig zur Kenntnis genommen. Journalisten nennen sich halt so: Frank A. Meier, Kurt W. Zimmermann), Anekdoten zu erzählen. Wieder lebendig machen kann ich ihn dadurch leider auch nicht. Aber ich will versuchen, einige lebendige Momente aus unseren gemeinsamen Zeiten zu verraten.

Ganz zu Beginn der TBWA Zürich stiess Pierre als erfahrener Mediaspezialist zur damals fünfköpfigen Truppe. Übers Büro Genf von Carl Ally kamen wir zum Pitch des Fiat-Suisse-SA-Budgets und angelten uns diesen grossen Fisch. So reisten Pierre und ich des Öfteren nach Genf, speisten im Entrecôte, genehmigten uns noch ein Bier im Bataclan und nächtigten im Du Rhône. Unser AD Josi Spühler und der Texter Francis Sulzer (leider auch nicht mehr unter uns), Pierre und ich hatten dieselbe Idee: eine eigene Agentur zu gründen.

Auf einer für damalige Zeiten üblichen Klausur in Venedig im Gritti Palace wurde die B,S,S,M ins Leben gerufen. Pierre war immer ein extremer Gourmet und so wurde dieser Neuanfang entsprechend gekrönt.

Das Fiat-Budget – Pierres Lieblingskunde – hat sich dann von TBWA verabschiedet und sich für B,S,S,M entschieden. Zweimal pro Jahr wurde dem Management in Turin die Schweizer Werbung vorgestellt, alles in Englisch. Pierre präsentierte die Strategie. Darin kam das Wort «Proposition» vor. Zu unserer internen Belustigung schaffte er es nicht nur beim Rehearsal, sondern auch vor dem Fiat-Management daraus «Proposchissen» zu machen. Ich glaube sogar, es war Absicht! Nach der Präsi gab’s Prosecco und sieben Mirafiori (Fiat 131) chauffierten alle ins Gatto Nero. Um 4 Uhr nachmittags waren die 12 hervorragenden Gänge verspeist und um 18.30 Uhr ging’s mit dem Flieger von Milano Linate nach Zürich. An der Bar in der Abflughalle liess Pierre seinen James Bond Attaché Case aus Versehen stehen, was er erst auf dem Flug bemerkte. Anderntags konnte man in der Zeitung lesen, dass Linate für 4 Stunden aufgrund eines mysteriösen Gepäckstücks evakuiert werden musste. Seinen Koffer mit all den Aktennotizen hat er ohne Komplikationen wieder zurückerhalten.

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Pierre war immer ein unterhaltender Reise- und Arbeitsbegleiter. Ob jährlich zur Eröffnung des Automobil-Salons in Genf oder bei unserem Kunden Badrutt’s Palace Hotel in St. Moritz, es war immer amüsant. Pierre pflegt stets zu sagen, das Honorar vom Badrutt’s Palace sei in etwa identisch mit der Spesenrechnung vom King’s Club und den Junior-Suiten.

Eine Zeit lang haben wir uns aus den Augen verloren, bis Pierre aus mir den Kopf der Woche machte. Er schlug mir die Idee vor, ich sollte doch meine Verbesserungsvorschläge für die Werbung als Kolumne niederschreiben. Eben diesen «Motz von Butz». Zu dieser Zeit haben wir wieder öfter zusammen gegessen und geplaudert, zwar nicht wie im Gritti Palace, mit aber demselben Spass. Pierre, wir vermissen Dich.

Diese Woche also kein Aufsteller.

Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

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