Der Motz vom Butz: Tsch Tsch geht Hollyfoodsch

Wie man eine gute Idee unsensibel in den Irrsinn treibt. E.T. und die Feuerwehr müssen herhalten. Von Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit über anderthalb Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche-Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected]

Generell finde ich die TV-Werbung zu harmlos oder zu absurd und unverständlich. Wenn man die Feuerwehr ausrücken lassen muss, um einen Tsch-Tsch-Brand zu löschen, dann ist das schlechter Geschmack. Ein Ufo, das vor der bünzligen Grill-Party von oben herab erscheint und dem ein Drittklass-Marsmensch entsteigt, ist nicht nur peinlich, sondern nochmals geschmacklos. Die Feuerwehr nehme ich ernst, und damit Spass zu treiben, ist unethisch. Wieso soll der Feuerwehrmann der Trottel sein, wenn einer für Coop Tsch Tsch macht. Den E.T. verstehe ich gar nicht. Das ist nochmals so eine Furzidee.

Die Coop-Verantwortlichen und die Werbeagentur haben nicht begriffen, wie man eine kleine, gute Idee weiterentwickelt. Man muss nicht Dinosaurier, Spiderman oder andere Hollywood-Grössen benutzen, um Tsch Tsch zu bewerben. Diese Art Werbung finde ich falsch. Sie hat so wenig mit der feinen Komik des Lebens zu tun. Dieses Hollywood ist sowieso auf dem absteigenden Ast.

Meine Theorie: Ich bin mir nicht sicher, ob Grillieren für Coop ein Werbethema ist, das so viel psychologische Präferenz bringt. Dazu kommt, dass Coop schon letzten Frühling das Thema Grillen nicht mit den Wetterfröschen abgesprochen hat. Und schon Feldschlösschen löscht die Grillade mit Bier ab. Aldi bietet die billigsten Grillwürste an. Lidl anscheinend auch.

Bei Coop ist der Wahnsinn zur Superproduktion eingefahren. Haben Sie den Spot für die Coop Bank mit den Fischen schon mal gesehen? Eine aufgeblasene Filmidee. Fische aus Geldnoten geformt schwimmen um die Wette. Die Produktionskosten liegen schätzungsweise bei einer halben Million. Der Effekt beim Publikum ist unter Wasser, denn ich glaube nicht, dass dieses den Link zu den Haien nachvollzieht.

Da gefällt mir der Migros-Bank-Spot viel besser. Die sagen «Ja, Nein, Jaaa.» Sehr sympathisch, und die Message kommt bei mir an. Ich glaube, dass die Ideenlosigkeit zu Gunsten von Grosskotzerei Einzug gehalten hat. Ein vor zwanzig Jahren in Cannes mit Gold prämierter Audi- Film, der das Prinzip des Vierradantriebs mit zwei Fingern in einer Streichholzschachtel demonstrierte, war genial. Wer mag sich daran noch erinnern? Produktionskosten sicher nicht über 20 000, im Gegenzug hohe Beachtung und viel Sympathie für Audi.

Warum sucht die Werbung nicht die Reduktion und damit auch die Verständlichkeit zur Erreichung der psychologischen Präferenz? Lasst doch diesen aufwendigen Shit weg. Wir sind ein kleines Land. Reduktion ist gefragt.

Mein Aufsteller ist, dass die 90 eigenhändig aufgepfropften Rebenstecklinge in unserem Weinberg zu 100 Prozent ausgetrieben haben.

motzbutz9
 

More articles on the topic