Der Kult mit dem Kult
Kommentar Von Möbeln über Klamotten bis zum Fussball: Was früher nur cool war, ist heute kultig – und damit längst schon wieder nur Mainstream, meint Luca Aloisi.
Kommentar Von Möbeln über Klamotten bis zum Fussball: Was früher nur cool war, ist heute kultig – und damit längst schon wieder
nur Mainstream, meint Luca Aloisi.
Ungeachtet der unzähligen Flucht- und Regimeopfer machte der Film «Goodbye Lenin» die DDR zum Kult. Sogar das Wohnen in den so genannten Arbeiterschliessfächern, den muffigen Plattenbauten, war plötzlich kultig. Kult war vorübergehend eine Fotokamera – oder zumindest das, was man in der UdSSR darunter verstand – namens Lomo. Immer noch Kult sind die Ikea-Evergreens Billy, Klippan und Co. Grosses Kultpotenzial haben die M-Budget-Partys, die demnächst landauf, landab durch die Schweizer Clubs tingeln dürften. Ganz zu schweigen von den flachen Puma-Tretern, mit denen sich die Träger zur Kult-Gemeinde zählen durften und Einlass in die angesagtesten Kult-Clubs erhielten.
Sowieso scheint in Sachen Mode schlicht alles Kult sein respektive werden zu können, was sich aus Fasern und Häuten so schneidern lässt. Vergessen wir nicht, dass auch Kitsch und Trash, Werbestar Verona Feldbusch und Schlagerkönig Heino ebenso Kult sind wie die lebenden und toten Marken Aldi, Putin oder Atari und Commodore.
An David Beckham, der gelegentlich Fussball mit der halben Fernsehwelt spielt, ist alles Kult, von der Zehen- bis zur Haarspitze, auch wenn Letztere kürzlich einer Totalrasur gewichen ist. Dank dem grossen Beck ist ManU endgültig zur Legendenelf mit kultigen Trikots und dem absolut kultigen Fussballtempel Old Trafford avanciert.
Kurzum: Kult ist seit einigen Jahren sehr in Mode. Umgekehrt hat Mode an Kultstatus etwas verloren. Trotzdem kennen Brigitte, Petra und Annabelle die Kultfarbe der kommenden Sommersaison, nämlich …
Doch wählen Sie selbst! Klassiker wie Blütenweiss, Black-beauty oder Chinared haben in den Kollektionen der Kult-Designer natürlich immenses Kultpotenzial. Beim Googlen stösst man gegenwärtig auf 288 Kultfarben. Es bleiben also nicht mehr viele kultunverdächtige Netzhautempfindungen. Selbiges gilt übrigens auch bei der Suche nach Kultfrüchten, -autos, -kaffees oder -stränden: Wer Ausschau hält, findet sie. Und zwar garantiert.
Nun fragen Sie bloss nicht, was denn (noch) nicht kultig oder gar dezidiert unkultig ist. Eine Antwort darauf würde die genannten Produkte, Menschen, Werte oder Orte nämlich automatisch auch mit der Aura des Kults schmücken. Akribisch suchen Trendforscher und -setter nach den letzten Oasen, die den Anschluss an die Glamourwelt noch nicht geschafft haben. Sich bewusst der Verkultung und Kultisierung zu entziehen, ist also eine Überlebenskunst. Doch selbst diese scheint bereits wieder zum Kult zu werden. Polterte doch kürzlich der in Bedrängnis geratene US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: «You gotta know, I’m a survivor.» Lang lebe der Kult vom Kult.
> Luca Aloisi, stellvertretender Chefredaktor
nur Mainstream, meint Luca Aloisi.
Ungeachtet der unzähligen Flucht- und Regimeopfer machte der Film «Goodbye Lenin» die DDR zum Kult. Sogar das Wohnen in den so genannten Arbeiterschliessfächern, den muffigen Plattenbauten, war plötzlich kultig. Kult war vorübergehend eine Fotokamera – oder zumindest das, was man in der UdSSR darunter verstand – namens Lomo. Immer noch Kult sind die Ikea-Evergreens Billy, Klippan und Co. Grosses Kultpotenzial haben die M-Budget-Partys, die demnächst landauf, landab durch die Schweizer Clubs tingeln dürften. Ganz zu schweigen von den flachen Puma-Tretern, mit denen sich die Träger zur Kult-Gemeinde zählen durften und Einlass in die angesagtesten Kult-Clubs erhielten.
Sowieso scheint in Sachen Mode schlicht alles Kult sein respektive werden zu können, was sich aus Fasern und Häuten so schneidern lässt. Vergessen wir nicht, dass auch Kitsch und Trash, Werbestar Verona Feldbusch und Schlagerkönig Heino ebenso Kult sind wie die lebenden und toten Marken Aldi, Putin oder Atari und Commodore.
An David Beckham, der gelegentlich Fussball mit der halben Fernsehwelt spielt, ist alles Kult, von der Zehen- bis zur Haarspitze, auch wenn Letztere kürzlich einer Totalrasur gewichen ist. Dank dem grossen Beck ist ManU endgültig zur Legendenelf mit kultigen Trikots und dem absolut kultigen Fussballtempel Old Trafford avanciert.
Kurzum: Kult ist seit einigen Jahren sehr in Mode. Umgekehrt hat Mode an Kultstatus etwas verloren. Trotzdem kennen Brigitte, Petra und Annabelle die Kultfarbe der kommenden Sommersaison, nämlich …
Doch wählen Sie selbst! Klassiker wie Blütenweiss, Black-beauty oder Chinared haben in den Kollektionen der Kult-Designer natürlich immenses Kultpotenzial. Beim Googlen stösst man gegenwärtig auf 288 Kultfarben. Es bleiben also nicht mehr viele kultunverdächtige Netzhautempfindungen. Selbiges gilt übrigens auch bei der Suche nach Kultfrüchten, -autos, -kaffees oder -stränden: Wer Ausschau hält, findet sie. Und zwar garantiert.
Nun fragen Sie bloss nicht, was denn (noch) nicht kultig oder gar dezidiert unkultig ist. Eine Antwort darauf würde die genannten Produkte, Menschen, Werte oder Orte nämlich automatisch auch mit der Aura des Kults schmücken. Akribisch suchen Trendforscher und -setter nach den letzten Oasen, die den Anschluss an die Glamourwelt noch nicht geschafft haben. Sich bewusst der Verkultung und Kultisierung zu entziehen, ist also eine Überlebenskunst. Doch selbst diese scheint bereits wieder zum Kult zu werden. Polterte doch kürzlich der in Bedrängnis geratene US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: «You gotta know, I’m a survivor.» Lang lebe der Kult vom Kult.
> Luca Aloisi, stellvertretender Chefredaktor
