Deine Niere gefällt mir!

Was in anderen Ländern bereits seit Anfang Jahr möglich ist, steht seit dem 1. November jetzt auch in der Schweiz zur Verfügung: ein Lebensereignis auf Facebook, bei dem man sich als Organspender zu erkennen gibt. Doch hilft diese Zusatzfunktion im Social Network tatsächlich auf der Suche nach neuen Spendern? Von Manuel P. Nappo, Studienleiter CAS Social Media Management an der HWZ, Chief Networking Officer bei Centralway. www.about.me/mpn

Die Suche nach geeigneten Organspendern gestaltet sich nach Angaben von Swisstransplant, der nationalen Stiftung für Organspende und Transplantation, noch immer schwierig. In Zusammenarbeit mit Facebook wurde nun am 1. November in der Schweiz eine Zusatzfunktion freigeschaltet, die in anderen Ländern bereits seit einigen Monaten erfolgreich genutzt wird. Auf dem persönlichen Profil kann sich jedermann als Organspender zu erkennen geben. So wie beispielsweise der Beziehungsstatus angepasst wird, kann man nun auch den eigenen Willen zur Organspende kundtun.

Diese Angabe allein genügt allerdings nicht, um sich offiziell als Organspender auszuweisen. Zusätzlich muss auf der Facebook-Fanseite von Swisstransplant ein Spendenausweis ausgefüllt und ausgedruckt werden. Diesen sollten die Personen sodann immer auf sich tragen. Zudem müssen Angehörige über den eigenen Willen informiert sein, da diese im Notfall entscheiden. Der Facebook-Status gilt also ohne Spendenausweis grundsätzlich nicht als Willensäusserung. Aber was, wenn die Angehörigen doch auf Grund des Facebook-Eintrages ihre Entscheidung treffen?

Grundsätzlich ist die Aktion natürlich zu begrüssen, da sie das Bewusstsein für die Thematik fördert und Diskussionen unter Freunden anregt. Was jedoch, wenn der Status nur aus Spass oder auf Grund sozialen Drucks angepasst wurde und Freunde und Familie diesen trotzdem als Willensäusserung verstehen? Es ist natürlich zu hoffen, dass den Spenden- Entscheid jeder ganz persönlich trifft. Wie gehen aber gerade Teenager mit diesem allenfalls sozialen Druck auf Facebook um? In der Schweiz gilt man ab 16 Jahren medizinisch als volljährig und kann selber über eine Organspende entscheiden. Bereits wenige Tage nach dem Start der Aktion wurden gemäss SF Tagesschau deutlich mehr Spendenausweise bestellt. Auch auf der Webseite verzeichnete Swisstransplant das Sechsfache an Besuchern, und die Facebook-Fanseite schnellte von 680 auf 1300 Fans. Diese Zahlen sind natürlich äusserst erfreulich und deuten auf eine positive Tendenz hin, welche in anderen Ländern bereits bestätigt wurde. Auf der Fanseite selber wird jedoch auch Kritik laut. Nebst hitzigen Diskussionen für oder gegen die Organspende haben einige Mühe, die Einstellungen vorzunehmen oder den Spendenausweis online auszufüllen. Zudem erzürnen sich einige Personen aus der italienischen Schweiz darüber, dass ihre Sprache nicht berücksichtigt wurde.

Bei einer so fortschrittlichen Aktion würde man von Swisstransplant im Social Web deutliches Engagement und Dialog erwarten. Kommentare über Organhandel und weitere heikle Themen plätschern jedoch dahin, auf 72 Kommentare folgt lediglich eine kurze Rückmeldung von Swisstransplant. Ein Auftritt auf Facebook kann auf keinen Fall nur für Selbstzwecke genutzt werden. Wer sich in den Neuen Medien bewegt, muss den Dialog wollen und für Fragen und auch Kritik offen sein.
 

More articles on the topic