Das Kleinvieh, der Mist und die Brosamen

Gastkommentar Wer meint, mit Weblog- Werbung rolle der Rubel, der irrt, sagt Nick Lüthi.

Gastkommentar Wer meint, mit Weblog-Werbung rolle der Rubel, der irrt, sagt Nick Lüthi.Wer viel Zeit in sein Weblog investiert,
im Internet recherchiert, Texte formuliert, Grafiken erstellt oder gar
Ton und Bild auf seiner persönlichen Webseite zum Abruf oder Abonnement
bereitstellt, spielt irgendwann mit dem Gedanken: Liesse sich meine
Amateurpublizistik in bare Münze verwandeln? Gut: Die meisten bloggen
aus Spass an der Freude. Gegen ein paar zusätzliche Franken als
Entschädigung für das oft zeitaufwändige Hobby haben deshalb die
wenigsten Blogger etwas einzuwenden. Sich neben dem Pub lizieren auch
noch als Werbeakquisiteur zu betätigen, dazu mangelt es dann aber an
Lust und Zeit. Wenn schon Geld verdienen, dann möglichst automatisch.

Den scheinbar perfekten Ausweg aus dem Dilemma bieten die
Partnerprogramme von Internet giganten wie Google, Amazon oder Yahoo.
So bietet seit drei Jahren das Adsense-Programm von Google die
Möglichkeit, mit äusserst geringem Aufwand Anzeigen in sein Weblog
einzubinden. Wer aber meint, nun rolle der Rubel, der irrt. Selbst viel
beachtete Weblogs, wie zum Beispiel «schockwellenreiter.de», das laut
seinem Betreiber Jörg Kantel rund 200000-mal pro Monat angeklickt wird,
generiert monatliche Nettoeinnahmen von gerade mal 180 Euro. Mit seinem
Aufwand verrechnet, entspreche dieser Betrag einem Stundenlohn von 2
Euro, schrieb Kantel im Juni 2005. Ähnliches berichtet auch andere
Bloggerprominenz. Web log-Autorinnen und -Autoren, die von ihrer
Tätigkeit leben können, gibt es weltweit höchstens ein paar Dutzend –
bei einer geschätzten Anzahl Weblogs in zweistelliger Millionenhöhe.

Auch wenn Google fast 80 Prozent des Umsatzes aus dem Adsense-Programm
(mehr als 600 Millionen Dollar allein im dritten Quartal 2005!) an die
Partner weitergibt, bleibt der grösste Einzelbetrag beim
Anzeigenvermittler. Mit Web logs lässt sich also durchaus Geld
verdienen, wird sich Google sagen. Viel Kleinvieh macht auch viel Mist
– dem Kleinvieh bleiben die Brosamen. Diese ökonomische Realität
verbietet im Prinzip die Frage: Wie werde ich Profi-Blogger? Und das
ist nicht einmal schlecht. Schliesslich kommt auch niemand auf die
Idee, sich die Konversation auf der Strasse, das Gespräch im Café
versilbern zu lassen. Die Blogosphäre ist in erster Linie eine globale
Plauderecke. Wenn begrenzte Ressourcen dazu führen, dass man sich in
seinen Weblog-Einträgen nur knapp fassen kann, dann ist das der
Qualität nur zuträglich.

> Nick Lüthi ist Medienjournalist und Blogger auf www.bernergazette.ch.

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