Cool sein, ohne uncool zu werden

Grand Prix bei den Epica-Awards – und nun beim Eurobest. Die Kampagne für das Modelabel Jack & Jones mit Christopher Walken ist brillant umgesetzt und vor allem eines: absolut cool. Wie schafft man das? Die Werbewoche hat mit Regisseur Martin Werner gesprochen.

In der Schweiz kennt man den dänischen Regisseur Martin Werner unter anderen von Spots für die Ovomaltine oder Love Life « Juckt’s? Dann bitte zum Arzt». Internationale Beachtung findet derzeit vor allem sein jüngstes Werk, eine fünfteilige Spotserie für eine Premiumkollektion des Modelabels Jack & Jones, in dem sich Christopher Walken zum überaus coolen Superschneider mausert. Getreu dem Claim der Kampagne «Made from cool» entfaltet der Hollywood-Schauspieler, den man als Captain Koons aus dem Kultstreifen Pulp Fiction kennt, bei der Herstellung der Kollektion seine Superkräfte – ohne nur einmal mit der Wimper zu zucken. Nach Paris wurde die Kampagne der dänischen Agentur & CO. Copenhagen nun auch in Lissabon beim Eurobest mit dem Grand Prix honoriert.

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WW: Martin Werner, der Claim der Kampagne heisst «Made from cool». Eine schwierige Vorgabe für einen Regisseur?
Sehr. Es hat seinen Grund, weshalb das Wort «cool» in der Werbung nicht allzu oft gebraucht wird. Alles, was mit «cool» zusammenhängt, ist beinah verdammt dazu, «uncool» zu werden. Das Ziel war, ein attraktives, eben «cooles» Image rund um das Produkt zu kreieren. Meine Ambition als Regisseur war es, dass sämtliche Elemente im Spot – die Kleider, die Szenografie, die Musik –, die Coolness unterstützten.

Wie lautete das Briefing oder anders gefragt: Was war vorgegeben, was ist Ihr Beitrag?
Meine Aufgabe war es, einen Darsteller zu finden, der im Stande war, den Claim «Made from cool» glaubhaft zu verkörpern. In diesem Zusammenhang kam der Name Christopher Walken auf. Weder die Agentur noch ich konnten uns einen besseren Schauspieler für die Rolle vorstellen. Mein Beitrag bestand hauptsächlich darin, Walken und seinen Agenten zu überzeugen. Ein ambitioniertes Ziel, denn Walken hat zuvor noch nie Werbung gemacht.

Wie haben Sie ihn überzeugt?
Ich schrieb ihm immer und immer wieder, wie ich das Projekt angehen möchte und erklärte im: Falls er sich jemals dafür entscheide, Werbung zu machen, sei das genau das Richtige… Und dann war da glücklicherweise noch seine Frau, eine bekannte Casting-Direktorin in Los Angeles. Sie war begeistert von meinen Spot mit George Clooney für die DNB Bank und leistete ebenfalls Überzeugungsarbeit.

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Ein bekannter Schauspieler macht noch keine gute Werbung. Sie haben schon oft mit Hollywood-Schauspielern gedreht. Worauf kommt es an?
Wenn man einen prominenten Schauspieler engagiert, nur um ein berühmtes Gesicht zu zeigen, kommt es zumeist schlecht heraus. Es geht um die Person als Ganzes. Nehmen Sie zum Beispiel den Film mit George Clooney. Er ist der begehrteste Junggeselle der ganzen Welt. Wenn eine Frau nach einer durchzechten Nacht mit einem Typen an ihrer Seite aufwacht, einen Typen, den sie offenbar sogar geheiratet hat; wen Besseres gäbe es als ihn? Clooney war perfekt! Das ist bei Christopher Walken dasselbe. Seine Integrität und seine geheimnisvolle Art machten ihn zur idealen Besetzung. Stellen Sie sich den Spot nur mal mit Mick Jagger oder David Bowie vor, das ginge nicht.

Was war für Sie beim Dreh die grösste Herausforderung?
Walken ist eine introvertierte Person. Die Schwierigkeit bestand darin, eine Beziehung zu ihm aufzubauen und dafür zu sorgen, dass er sich wohl fühlte, Werbung zu machen.

Wie gelang Ihnen dies?
Indem ich ein 3-Gang-Menu für ihn und seine Frau kochte. Walken liebt Essen und ist selbst ein passionierter Koch. Als er für das zweitägige Shooting nach Kopenhagen reiste, wollte er ursprünglich im Noma essen gehen (Anm. d. Red.: bekanntes Restaurant mit zwei Michelin-Sternen). Schliesslich entschied er sich dafür, bei mir zu essen. Ich kochte selbst. Es war sehr schön, sehr persönlich.

Wie viel in den Filmen ist real, wie viel Computer-generiert?
Die meisten Tricks sind computer-basiert. Das war ein ganzes Stück Arbeit. Die Vorbereitungen dauerten vier Monate. Wir mussten sicher gehen, dass die Tricks auch dann funktionierten, wenn sich Walken nicht genau an die Regieanweisungen hielt. Walken spielt eben so, wie er will.

Was gefällt Ihnen an den Filmen besonders?
Natürlich Walken. Und: Die Filme sind sehr «cinematic», beinahe «old school». Es passiert wenig, doch dann geschieht plötzlich etwas – zum Beispiel die Art, wie er das Hemd faltet (Video 0:25). Die Kombination macht es aus. Zuerst nichts, und dann, plötzlich, «one thing becomes everything». Zuerst wollte ich auch keine Musik. Als wir dann begannen, mit den Spots zu spielen, realisierten wir, es wäre spannend, wenn sich die Spots entwickelten. (Musik: Nick Cave & The Bad Seeds)

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Zwischen Coolness und Peinlichkeit ist es ein schmaler Grat. Wie gelingt es, nicht auf die falsche Seite abzurutschen?
Man muss den Mut aufbringen, zu reduzieren und sich auf den Kernaussage zu konzentrieren. Wir sagten beispielsweise: Wir haben Christopher Walken, aber, wir lassen ihn nicht sprechen. Angereichert mit ein paar simplen aber präzisen und wirkungsvollen Filmeffekten kam die Komik, das Bezaubernde richtig zur Geltung. Walken wirkt dabei nicht wie ein Hollywoodstar, der etwas verkaufen möchte. Es tut nicht plötzlich etwas, das man nie von ihm erwartete.

Es sind insgesamt fünf Spots. Welcher ist Ihr Favorit?
Der mit dem Schaf, der ist der coolste.

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Gibt es eine Fortsetzung der Kampagne?
Man weiss nie…

Was ist Ihr nächstes Filmprojekt?
Momentan bin ich an einem Commercial für ein Parfum von Benetton. Für einmal aber ohne berühmte Schauspieler.

Interview: Isabel Imper

In der Schweiz wird Martin Werner von Pumpkin Film repräsentiert. Weitere Informationen: Pumpkinfilm.ch.

 

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