NZZ-KMU-Barometer 2026: Pessimismus auf Rekordhoch

Schweizer KMU blicken so pessimistisch in die Zukunft wie noch nie seit Beginn der Erhebungen. Das NZZ-KMU-Barometer 2026 zeigt: Geopolitik, US-Handelspolitik und Bürokratie belasten die Stimmung – und strategische Anpassungsfähigkeit bleibt für viele eine offene Baustelle.

KMU-Barometer 2026: Gesamtindex bricht auf Tiefstwert ein. Quelle: zvg

Die Stimmung unter Schweizer KMU hat sich im Jahr 2026 so stark eingetrübt wie nie zuvor seit Beginn der Erhebungen. Dies zeigt das NZZ-KMU-Barometer 2026, das die NZZ in Zusammenarbeit mit der Kalaidos Fachhochschule jährlich im Vorfeld des Swiss Economic Forum (SEF) durchführt. Im April 2026 nahmen 495 Personen in Führungspositionen von Schweizer KMU an der bereits sechsten Ausgabe der Studie teil.

Gesamtindex auf neuem Tiefstwert

Der Gesamtindex des NZZ-KMU-Barometer 2026 bricht auf einen neuen Tiefstwert von −7,3 Indexpunkten ein. Die abgefragten Aspekte werden fast durchgängig schlechter bewertet als im Vorjahr 2025. Besonders negativ beurteilen die Unternehmen das Wirtschaften mit dem Ausland, das vor allem aufgrund der handelspolitischen Umwälzungen in den USA als erschwert gilt, sowie die Währungssituation und die Zuverlässigkeit der Lieferketten, die von geopolitischen Unsicherheiten belastet werden. Hinzu kommen die gesetzlichen Regulierungen, bei denen die Befragten mit weiteren bürokratischen Aufwänden rechnen.

Ein positiver Ausreisser bleibt jedoch die Einbindung moderner Technologien: In diesem Bereich sieht eine grosse Mehrheit der Unternehmen eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.

Operativ stark, strategisch anfällig

Angelehnt an das diesjährige SEF-Leitthema «Unbreakable?» untersuchte das NZZ-KMU-Barometer 2026 auch die Resilienz der befragten Unternehmen. Das Bild ist geteilt: Mehr als die Hälfte – 55 Prozent – stuft sich als eher bis sehr resilient ein, jedes zehnte Unternehmen hält sich hingegen für eher weniger oder wenig resilient, die übrigen schätzen ihre Resilienz als mittelmässig ein.

Im operativen Bereich beurteilt sich eine Mehrheit als handlungsfähig und krisenfest. Auf der strategischen Ebene stösst die Widerstandsfähigkeit jedoch an deutliche Grenzen: Ein unerwarteter Umsatzrückgang wäre für knapp ein Fünftel der Befragten kaum zu bewältigen oder gar existenzbedrohend. Zur grundlegenden Anpassung des Geschäftsmodells innerhalb von sechs Monaten sieht sich weniger als ein Drittel in der Lage. Auch die Diversifikation bei Lieferanten und Kunden bleibt für die Mehrheit eine ungelöste Herausforderung.

KI und Digitalisierung als Resilienzfaktoren

Als resilienzfördernde Faktoren nennen die Befragten neben einer ausgeprägten Lernbereitschaft aus Krisen mehrheitlich einen proaktiven Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Eine überwiegende Mehrheit der Unternehmen experimentiert mit KI oder investiert bereits gezielt in entsprechende Technologien.

Peter A. Fischer, NZZ-Chefökonom, ordnet die Ergebnisse wie folgt ein: «Bisher haben die Schweizer KMU ihre Situation trotz aller Schwierigkeiten Jahr für Jahr bemerkenswert positiv eingeschätzt. Diese traditionelle Zuversicht hat sich angesichts des schwierigen globalen Umfelds und der gleichzeitigen Verschlechterungen am Standort Schweiz besorgniserregend verändert.» Und weiter: «Zwar beherrschen die Firmen das operative Krisenhandwerk perfekt. Viele sehen derzeit jedoch begrenzte Möglichkeiten, ihre Geschäftsmodelle schnell und umfassend an das volatile Umfeld anzupassen. Die eigentliche Bewährungsprobe der Gegenwart liegt jedoch genau in dieser strategischen Flexibilität.»

Der vollständige Ergebnisbericht mit weiteren Grafiken und Detailauswertungen ist auf der Website der NZZ abrufbar: https://unternehmen.nzz.ch

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