Blutroter Auflagenfrühling

Wemf Markanter Auflagenverlust der Wirtschaftspresse und ein heftiger Aderlass bei Tamedia-Titeln.

Wemf Markanter Auflagenverlust der Wirtschaftspresse und ein heftiger Aderlass bei Tamedia-Titeln.Beim Blick auf die diesjährige Wemf-Beglaubigung muss man sich die Augen reiben – markant wie nie zuvor sausten die Auflagen vieler Printmedien talwärts. Vor allem die Titel von Tamedia mussten massiv Federn lassen. Der Tages-Anzeiger verliert 15482 (–6,2 %), die SonntagsZeitung 19000 Exemplare (–8,2 %). Geradezu dramatisch erodierten die Tamedia-Zeitschriften. So brachen Facts um 23163 (–22,4%), Annabelle um 26315 (–26,3 %) und Du um 4200 Exemplare (–19,3%) ein. Einzig der Schweizer Familie gelang – nur dank Übernahme des Abostammes von Meyer’s – ein Zuwachs um 4276 Exemplare (+2,7 %). Die starken Verluste begründet Tamedia mit «neuen Wegen in der Auflagenpolitik». Man habe die einzelnen Absatzkanäle einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen und festgestellt, dass einige Kanäle unbefriedigende Resultate erzielten. Daher verzichte man bei der diesjährigen Beglaubigung auf jene «Kanäle, die neben hohen Kosten kaum Leser generieren». Dies betreffe besonders die Airline- und Lesezirkel-Exemplare. Zudem würden auch «Abo-Promotionen optimiert».
Nicht nur Tamedia-Titel litten, auch andere Zeitungen mussten zurückbuchstabieren. So die Basler Zeitung, die 5446 weniger verkaufte Exemplare (–5 %) ausweist. Der Bund strich einen Verlust von 1970 (–2,9 %) ein, und auch die NZZ beglaubigte 3822 Exemplare (–2,2 %) im weniger.
Desaster Wirtschaftspresse
Keine Überraschung ist das katastrophale Abschneiden der Wirtschaftspresse. Cash verlor 7482 (–11 %), die HandelsZeitung 2527 (–7,1 %), die Bilanz 7975 (–14,6 %), und Stocks büsste 5858 Exemplare ein (–21,7 %). Ausstehend ist noch das Resultat von Finanz und Wirtschaft.
Eine Abwechslung der erfreulichen Art im Deutschschweizer Zeitschriftenmarkt: Die Weltwoche – erstmals als Magazin beglaubigt – legte um 6137 (+7,2 %) auf 91094 Exemplare zu.
In der Westschweiz notierte Le Matin Dimanche mit einem Minus von 11211 Exemplaren (–5,2 %) den kräftigsten Verlust unter den Tageszeitungen. Als Trost legte Le Matin Semaine um 1033 Exemplare (+1,6 %) zu.
Jürg Brauchli, Bereichsleiter Tamedia-Zeitungen.
(dse)

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