Blick heute
René Worni über Boulevard-Optionen
René Worni über Boulevard-OptionenGeht es um das Wie-weiter der ersten und einzigen Boulevardpostille der Schweiz, dann ist die Ratlosigkeit gross. Der Auflagenschwund hat sich zwar verlangsamt, wie die Ringier-Verantwortlichen entspannter als auch schon mitteilen. Doch die Wende ist nicht geschafft. Verleger Michael Ringier sieht darin kein Blick-spezifisches Phänomen, schaut er nach Deutschland auf artverwandte Gebrechen der Bild-Zeitung. Kein Geringerer als Claus Larass, einstiger Chefredakteur der Bild (früher bekannt als Vizevorstands- und Zeitungschef und damit sozusagen Statthalter von Axel Springer für die Schweiz), werkelt an den neuen Blick-Konzepten mit. Selbst diese vermochten jedoch nicht, den begutachtenden Projektausschuss aus den Socken zu heben.
Dem ehemaligen Chefredaktor a. D. und Hardliner Peter Uebersax ist klar, dass die Macher beim Aufkommen der Pendlerpresse verpasst haben, den Blick in einen Gratistitel zu verwandeln. Auch Verleger Ringier hat beizeiten eingestanden, von der Gratispresse auf dem linken Fuss erwischt worden zu sein. Doch ein Gratis-Blick geht auch ihm gegen den Strich. Er warf sich wiederholt dafür in die Bresche, dass journalistische Inhalte, bitte schön, etwas zu kosten haben. Seine Überzeugung ist intakt, denn, so will es der Verleger, der Blick bleibt eine Bezahlzeitung. Diese gönnen sich Leserinnen und Leser besonders in den ländlichen Gebieten der Deutschschweiz.
Dort passt der Blick – so will es das Klischee – ins Ambiente von Wirtshäusern und Gaststuben, an Stammtische mit schmiedeisernen Aschenbechern, wo nur Eingeweihte von sich aus Platz nehmen und abendfüllend – so hofft die Redaktion (kein Klischee?) – über die Deutschen in der Schweiz gestikulieren. Und in der Stadt? Auch hier gibt es Kneipen und Spelunken, wo Blick-Kontakte (auch mit Deutschen) vorstellbar sind.
Doch die Mehrheit greift lieber zu 20 Minuten und Heute und zu den Qualitätsblättern. Die Stadtmenschen scharen sich kaum mehr um den journalistischen Stammtisch. So gesehen bleibt es ein Rätsel, warum Ringiers Gratisblatt für die jüngere Generation heute heisst und warum Heute nicht schon längst als Blick am Abend oder Ausgeh-Blick oder Freizeit-Blick zur Verjüngungsspritze des schlingernden Flaggschiffs genutzt wurde.
René Worni, Redaktor
Dem ehemaligen Chefredaktor a. D. und Hardliner Peter Uebersax ist klar, dass die Macher beim Aufkommen der Pendlerpresse verpasst haben, den Blick in einen Gratistitel zu verwandeln. Auch Verleger Ringier hat beizeiten eingestanden, von der Gratispresse auf dem linken Fuss erwischt worden zu sein. Doch ein Gratis-Blick geht auch ihm gegen den Strich. Er warf sich wiederholt dafür in die Bresche, dass journalistische Inhalte, bitte schön, etwas zu kosten haben. Seine Überzeugung ist intakt, denn, so will es der Verleger, der Blick bleibt eine Bezahlzeitung. Diese gönnen sich Leserinnen und Leser besonders in den ländlichen Gebieten der Deutschschweiz.
Dort passt der Blick – so will es das Klischee – ins Ambiente von Wirtshäusern und Gaststuben, an Stammtische mit schmiedeisernen Aschenbechern, wo nur Eingeweihte von sich aus Platz nehmen und abendfüllend – so hofft die Redaktion (kein Klischee?) – über die Deutschen in der Schweiz gestikulieren. Und in der Stadt? Auch hier gibt es Kneipen und Spelunken, wo Blick-Kontakte (auch mit Deutschen) vorstellbar sind.
Doch die Mehrheit greift lieber zu 20 Minuten und Heute und zu den Qualitätsblättern. Die Stadtmenschen scharen sich kaum mehr um den journalistischen Stammtisch. So gesehen bleibt es ein Rätsel, warum Ringiers Gratisblatt für die jüngere Generation heute heisst und warum Heute nicht schon längst als Blick am Abend oder Ausgeh-Blick oder Freizeit-Blick zur Verjüngungsspritze des schlingernden Flaggschiffs genutzt wurde.
René Worni, Redaktor
