Bitte nicht gleich spülen

Die Agentur Face verschafft sich Gehör am stillen Örtchen

Die Agentur Face verschafft sich Gehör am stillen ÖrtchenVon Bruno Amstutz Die Umsätze der klassischen Werbung müssen seit Monaten Einbrüche hinnehmen, doch die Werbung in Toiletten scheint davon nicht betroffen: Die Klommunikation blüht trotz Krise.
«Gehört die einer Sekte an?» war der erste Gedanke des frisch gekrönten Werbers des Jahres Dominique von Matt, als ihm eine Unbekannte nach der Preisverleihung gratulierte und ausdrücklich betonte, sie habe die Hände vorher gewaschen. Zwei Begegnungen mit ungewöhnlich intensiver Betonung der Körperhygiene später war das Rätsel gelöst: Von Matt verdankte das reinliche Händeschütteln nicht rituellen Waschungen, sondern der Agentur Face, welche die Umgebung der Kloschüssel als idealen Ort für Werbung ausgemacht hat. «Bitte Hände waschen, bevor Sie mir gratulieren» forderte eine Sprechblase neben von Matts Kopf auf Kleinplakaten über Pissoirs und Schüsseln im Zürcher Xtra Limmathaus.
Klommunikation nennt die Ostschweizer Agentur Face diese Form der Below-the-line-Werbung. Sie hat sich den Begriff sogar schützen lassen. Mit ihrem Konzept, an ungewöhnlichen Orten ungewöhnliche Werbemedien einzusetzen, verbucht Face Erfolge von Klowand zu Klowand. Sales Manager Thomas Back freut sich schon zu Jahresbeginn über volle Auftragsbücher, und die Agentur wird von 18 auf 23 Mitarbeiter ausgebaut. Zu den Neukunden zählen Novartis, Nokia, Coca-Cola und andere renommierte Unternehmen.
Von der Krise der klassischen Werbung scheint Face nicht betroffen zu sein. «Wir entwickeln immer wieder neue Ideen und gehen gezielt auf die Kundenbedürfnisse ein», erklärt Back die viel versprechende Lage. Die Werbeträger von Face haben sich mittlerweile von den Nasszellen her ausgebreitet und bevölkern nun auch Aufzüge und Mietautos.
«Die Leute haben Spass an guter Werbung an originellen Orten», ist Back überzeugt, «und unsere Produkte sollen immer auch zum Schmunzeln anregen.» Am Werber des Jahres haben sie dieses Ziel zweifellos erreicht. «Von der Kommunikationsleistung her war es ein Erfolg», anerkennt Dominique von Matt, «Klommunikation ist ein Medium, das gut funktioniert, aber es kommt aufs Produkt an. Für meinen Kopf zum Beispiel kann ich mir auch noch andere Orte vorstellen als ein Pissoir.»

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