Beteiligung an BaZ gegen Tagi-Regie?

Oliver Classen über mögliche nächste Konsolidierungsschritte der PubliGroupe.

Oliver Classen über mögliche nächste Konsolidierungsschritte der PubliGroupe.Die Paukenschläge, mit denen PubliGroupe Anfang Juli bei NZZ und Cinecom eingestiegen ist, sind noch nicht verhallt, und schon raunt die Branche «Who’s next?». Je nach Absender tönt diese Frage eher hoffnungs- oder angstvoll.
Beide Stimmlagen sind nachvollziehbar und durchaus berechtigt.
Eine solche Übernahmekandidatin ist die im Handelsregister nach wie vor als «National-Zeitung und Basler Nachrichten AG» firmierende
Herausgeberin der Basler Zeitung.
In diesem Szenario käme indes nicht die P, sondern vielmehr Tamedia zum lang ersehnten Handkuss. Allerdings bekämen die Zürcher «nur» die Finger zu greifen, da die P mit 37 Prozent eine Minderheitsbeteiligung am Traditionsverlag hält. Dafür erhielte die Inseratevermittlerin als angemessenen Gegenwert die schon ewig angestrebte Anzeigenregie beim Tages-Anzeiger, ganz nach dem Muster des NZZ-Deals.
Profitieren würden von einem solchen Trade-off beide gleichermassen. Tamedia könnte aus ihrer neuerdings noch verschärften Isolation ausbrechen und das goldene Dreieck ZH-BS-BE – nach 20 Minuten – auch im Kaufzeitungsmarkt schliessen. (An der Berner Zeitung halten Coninx & Co ja bereits 49 Prozent.) Und die um möglichst rasche und radikale Konsolidierung der Schweizer Presselandschaft bemühte Inseratevermittlerin käme ihrem eigentlichen strategischen Ziel einen grossen Schritt näher. Dieses besteht darin, durch die Schaffung von maximal vier Deutschschweizer Zeitungsgrossverlagen den Markteintritt ausländischer Konkurrenz zu verhindern.
Diese Heimatschutzrechnung der P(ressekönigin) geht freilich auf Kosten von Regionalfürsten wie BaZ-Verleger Matthias Hagemann, der Zürcher Verwaltungsräte bekanntlich scheut wie der Teufel das Weihwasser. Sollte P-Chef Hanspeter Rohner sein Basler VR-Mandat tatsächlich an Tamedia-CEO Martin Kall übergeben, bliebe Hagemann dennoch ein Trost: dass nämlich die ungeliebten Werdsträssler der Entwicklung der Berner Zeitung letztlich nicht geschadet haben.
> Oliver Classen, Redaktor

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