Ausweitung der Kampfzone

Nach ersten traumhaften Leserzahlen steht die NZZ am Sonntag vor der Nagelprobe Aboumwandlung

Nach ersten traumhaften Leserzahlen steht die NZZ am Sonntag vor der Nagelprobe AboumwandlungDie ersten Leserzahlen der NZZ am Sonntag (NZZaS) lassen keinen Zweifel offen: Sonntagszeitungen sind und bleiben im Trend. Laut der ersten Zwischenauswertung der Mach Basic kommt das feiertägliche Blatt von der Zürcher Falkenstrasse auf 427000 Lesende – das ist etwas mehr als die Hälfte des Publikums, das in der SonntagsZeitung (SoZ) (783000) blättert. Im Hause NZZ ist man mit dem erzielten Resultat zufrieden. «Wir liegen ziemlich genau im Bereich unserer Erwartungen», erklärt Verlagsleiter Tobias Trevisan.Die Nagelprobe für die NZZaS steht noch bevor. Erst Ende Jahr erfolgt der Wechsel von der Gratiszustellung in die kostenpflichtige Abophase. Vorläufig dürfte sich aber bei den ausgewiesenen Zahlen nicht viel ändern, weil der Übergang nicht abrupt erfolgt und sich aufs gesamte nächste Jahr verteilt.
Die letzten Abo-Rechnungen, mit denen erstmals der Zusatzbetrag von 67 Franken fürs Kombi-abo (NZZ und NZZaS) eingefordert werden, gelangen im Oktober 2003 in den Versand. «Es werden sich längst nicht alle bisherigen Gratisempfänger für das Kombiabo entscheiden», rechnet Trevisan nicht ganz unrealistisch vor. Während der langen Umwandlungsphase werde der Verlag deshalb versuchen, auch ausserhalb der bisherigen NZZ-Stammkundschaft Abonnenten zu gewinnen.
Einführungsphase Schritt um Schritt herunterfahren
Zusätzliche Potenziale verspricht sich der Verlagsleiter im Einzelverkauf. Mit der nun auslaufenden Einführungsphase würden auch die Probeabos, von denen immer noch zwischen 25000 und 40000 im Markt sind, Schritt für Schritt heruntergefahren: «Das wird positive Auswirkungen auf den Kioskverkauf haben», vermutet Trevisan.
Von den 170000 bis 180000 Exemplaren, die derzeit pro Ausgabe vertrieben werden, ist erst ein kleiner Teil bezahlt. Laut Verlagsleiter können am Kiosk im Durchschnitt zwischen 22000 und 25000 Exemplare abgesetzt werden. Bei den bezahlten Abos habe man die Schwelle von 50000 erreicht.
Unabhängig davon, wie rasch und in welchem Umfang die Umwandlung von Gratis- in zahlende Leser erfolgt, kann man schon heute von einer auf dem Deutschschweizer Sonntagszeitungsmarkt reden. Bereits die Mach Basic 2002 vom vergangenen September zeigte, dass die feiertägliche Lektüre an Beliebtheit gewinnt: Während der SonntagsBlick sein Publikum zu halten wusste, konnte die SoZ gar 29000 Lesende dazugewinnen – allerdings: Die NZZaS wurde in dieser Erhebung noch nicht mitgezählt.
Offen bleibt aber noch, ob und wie viele Personen ihre Lektüre nun statt an der Werdstrasse an der Falkenstrasse abonnieren werden. Gemäss Branchenschätzungen gilt die SoZ als stark und resistent im Markt. Die Chancen stehen deshalb gut, dass sich ihre Abgänge in Grenzen halten werden. Falls dies tatsächlich eintrifft, darf man sich jetzt schon auf die Mach Basic 2003 freuen: Diese könnte dann leicht eine halbe Million zusätzlicher Deutschschweizer Sonntagsleser ausweisen. Und das innerhalb eines einzigen Jahres – ein gewaltiger Schritt.
Daniel Schifferle

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