Aufgespiesst: Time to go
Werbewoche-Redaktorin Anne-Friederike Heinrich verabschiedet sich in den Mutterschafts-«Urlaub».
Schwanger zu sein, wäre einfacher, wenn es die Blicke der Mitmenschen nicht gäbe. Sie streifen verstohlen über meinen sich rundenden Bauch, fixieren die Kugel direkt oder, mit zunehmendem «Zustand», umrunden das Objekt der Betrachtung mit rollenden Augen. Die Blicke sagen alles, von «ach wie schön» über «schon wieder so eine» bis «wie kann man nur!» – so schauen vorzugsweise die vergrätzten Alten, deren Renten unser Kleines später bezahlen soll. Gut beraten ist da das werdende Mami, das gar nicht hinschaut, wenn einer schaut. Und das sich der kleinen Glückseligkeit besinnt, die in ihrem Bauch heranwächst und quirlig gegen all diese blöden Gaffer anzappelt. Aber irgendwann reichts auch der coolsten, glücklichsten Mutter in spe. Mir hat kürzlich die nebenstehende Werbung «den Zapfen usseghaue ». Ich freue mich über meine wachsenden Rundungen, zeigen sie doch, dass mein kleiner Untermieter so gedeiht, wie ich es mir wünsche. Wie frustrierend zu erkennen, dass alle anderen in mir nur eine pralle Melone mit zwei dicken Nektarinen darüber sehen. Hey, ich bin schwanger – kein Früchtekorb!
Werberische Fehlzündung
Versetzen Sie sich einmal, nur ganz kurz, in den Körper einer brutal fitten Hochschwangeren: Sie fühlt sich unbeweglich wie ein Elefant, watschelt wie eine Ente, hat im besten Fall einen Rücken, der sich nur 23 von 24 Stunden anfühlt, als würde er durchbrechen, und ihre Beine und andere abstehende Dinge am Körper drohen zu platzen. Wohlgemerkt: «brutal fit». Es gibt eine Menge Schwangere, die sich zum Verrecken elend fühlen. Für all diejenigen ist diese Kampagne der Gesundheitsförderung voll daneben und diskriminierend. Und ich verwette mein letztes Schwangerschaftshemd, dass jene Schwangeren nach Sichtung dieses Sujets ganz sicher keine Melonen oder Nektarinen mehr anrühren werden. Werbeziel erreicht?
Selbst ich als hartgesottene Selbstironikerin finde diese werberische Meisterleistung so dumm, dass sie fast schon wieder gut ist. Ha ha ha! Da hat wohl mal wieder ein besonders männlicher Hochkreativer nicht kapiert, wer seine Zielgruppe ist. Und die Herren bei der Gesundheitsförderung, die diesen Fruchtsalat durchgewunken haben, hatten sicher eine Menge Spass. Toll, Jungs. Kleiner Tipp: «Achten Sie während Ihrer Werbung auf Ihre Zielgruppe.» Aber ich habe verstanden: Ich bin dann mal weg! Ihr könnt mir ja ein paar Früchte ins Spital schicken – aber bitte keine Melonen. Diese Saison ist nämlich nun vorbei.

