Aufgespiesst: Schlechte Werbung für König Fussball

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über das Runde, bei dem es im Moment etwas eckig läuft.

Ach du meine Güte! Die Schweizer misstrauen der UBS und der SVP. Das ergab kürzlich eine Umfrage bei 1277 Meinungsträgern, für die Werbeaushängeschild Frank Bodin verantwortlich zeichnet. Damit wären schon mal zwei tragende Säulen der Schweizer Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttert – und obendrein zwei der wichtigsten Schweizer Marken. Aber damit nicht genug: Auch im Fussball, DEM Schweizer Nationalsport (quasi), kriselt es im Moment gewaltig. Und das zum Start der Fussball-Europameisterschaft! Das könnte uns zwar eigentlich kalt lassen, denn schliesslich kickt die Schweiz 2012 nicht mit. Was aber andererseits auch dumm ist. Denn diesmal hätten wir echt Europa- meister werden können. Jedenfalls, wenn die Italiener nicht mitspielen.

Kummer für die Frauen

Weil es im südlichen Nachbarland, bei der Squadra Azzurra, wegen eines Wettskandals ordentlich kriselt, hat der Chef des italienischen EM-Teams, Demetrio Albertini, die Nase gestrichen voll. Das würde beim Fussballspielen noch nicht so sehr stören. Aber Cesare Prandelli, der Nationaltrainer der schönsten Fussballer der Welt, schloss vergangene Woche nicht mehr aus, dass die Italiener bei der EM komplett kneifen. Denn wenn Torwart Gianluigi Buffon im Wettbüro herumhängt und Abwehrspieler Leonardo Bonucci auf der Anklagebank sitzt, können die Azzurri schliesslich nicht kicken. Und andere Spieler aufstellen? «Kasche nitte macke!» In Italien bebt nicht nur die Erde, sondern auch der Rasen. Und so mancher Busen vor Angst, die schönen Männer könnten sich dieses Jahr nicht auf dem europäischen Rasen blicken lassen.

Viel Lärm um nichts

Der wahre Fussballfan hat den Defibrilator in diesen wilden Zeiten ohnehin stets griffbereit. Denn nicht nur bei den Meldungen aus Italien bleibt einem schier das Herz stehen. In der vergangenen Woche twitterte «Fox Sports», Weltfussballer Lionel Messi sei an einem Herzstillstand (!) gestorben. Zehn Minuten später liess der Sender den argentinischen Spieler wieder auferstehen. Ein böser Hacker hatte die Falschmeldung platziert, wohl um zu testen, wie schnell eine Ente durch die Medien flattert. Er hatte aber nicht mit der wachen Abwehr der Sportfüchse gerechnet. Dennoch: Zehn Minuten sind auf Twitter eine halbe Ewigkeit, ähnlich wie bei einer Verlängerung. Also gab es eine Menge Lärm um einen (glücklicherweise) Untoten.

Ein Schuss, ein Treffer

Vielleicht kommt dem gebeutelten König Fussball ausgerechnet ein Schweizer Hofnarr zur Hilfe. Fifa- Präsident Sepp Blatter hatte nämlich letztens «än güeti Idee»: Um sich ein Denkmal zu setzen und ja nie in Vergessenheit zu geraten, will er den Elfmeter abschaffen. Das ist in etwa so, als wolle man die Oper des Finales berauben oder das Liebesspiel des Höhepunkts. Wie Blatter unentschiedene Partien in Zukunft entscheiden will, weiss er allerdings auch noch nicht so genau. Vielleicht mit einer flotten Pokerrunde «bin emänä güetä Fendant»? Der Fifa-Boss soll bereits mit dem italienischen Nationaltorhüter und Zockprofi Buffon im Gespräch sein.

Mittendrin statt nicht dabei

Eine gute Möglichkeit wäre auch ein kleiner Schwingkampf der jeweiligen Mannschaftskapitäne. Schliesslich duftet frisches Sägemehl fast so gut wie frisch gemähter Rasen. Ich jedenfalls würde zu gerne einmal sehen, wie sich Gianluigi Buffon und Cristiano Ronaldo im Holzgespreissel wälzen. Ausserdem wäre so immer ein wenig Schweiz dabei, wenn Fussball gespielt wird. Wenn wir schon nicht mitkicken. So viel Markenbewusstsein muss sein. Na dann: schöne EM!
 

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