Aufgespiesst: Heiteres Schlagzeilen-Raten

Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier vergleicht Titel auf Medienwebsites.

Viele Medienseiten weisen auf ihren Webpages die meistgelesenen Artikel aus. Wir haben am Mittwoch, 7. April um 9.30 Uhr jeweils die Top-Five-Artikel auf den Websites von Blick, 20 Minuten, Tagesanzeiger und NZZ unter die Lupe genommen.
Das sind die insgesamt 20 Top-Storys in alphabetischer Reihenfolge:
Alena Gerber: Unfreiwillig im US-Playboy
Auf der Autobahn in den ersten Gang geschaltet
Ausbrecher: Der angebliche Schweizer … der gar keiner ist
Demographische Zukunft der Schweiz
Die fantastische Show von Lionel Messi
Die UBS als Lehman-«Kosmetikerin»
Gaga-Urteil: Freispruch für Stocker
Gut, besser, Messi
Heute bin ich ein Star! Tamara (18) aus Rümlang ZH
Lob und Skepsis für neue Atom-Strategie der USA
Man sollte Nicolas Blancho nicht unterschätzen
Odenwaldschule: Schüler mit Banane vergewaltigt
Schläger von München prügelten an berüchtigten Orten
Sexy Promi-Kunst: Livs Nacktritt für die Kunst
Teures Versäumnis: 300 Neulenker müssen ganz von vorn beginnen
Tochter klagt an: Mein Vater hat mich vergewaltigt!
Tod eines Rassisten: «Ich bring euch um»
Traumjob-Zicke: Trotz Krankheit sexy!
Verschmähte Liebe: Der tiefe Fall einer Finanzexpertin
Zwei Landarbeiter in Südafrika angeklagt

Erstaunlicherweise finden sich nur gerade mal zwei Themen unter den Top Five auf mehr als einer Seite. Einmal das Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel des FC Barcelona gegen Arsenal, das am Vorabend stattfand und dann die Ermordung des südafrikanischen Extremistenführers Eugène Terre Blanche. Alle anderen der Top-Five-Themen sind unterschiedlich.
Versuchen wir doch mal, wie einfach die Schlagzeilen den einzelnen Medien zugeordnet werden können. Bei den Titelzeilen «Demographische Zukunft der Schweiz», «Zwei Landarbeiter in Südafrika angeklagt» und «Lob und Skepsis für neue Atom-Strategie der USA» scheint die Sache noch einfach zu sein: Die könnten auf Nzz.ch stehen
Bei den anderen Titeln wird es schon schwieriger. Gehört der Schlagzeile «Odenwaldschule: Schüler mit Banane vergewaltigt» zu Blick.ch oder zu 20Min.ch? Findet sich «Gut, besser, Messi» auf Tagesanzeiger.ch oder gar auf Blick.ch? Ist «Alena Gerber: Unfreiwillig im US-Playboy» ein typischer Blick.ch-Titel oder eher einer für 20Min.ch? Findet sich «Teures Versäumnis: 300 Neulenker müssen ganz von vorn beginnen» auf Nzz.ch oder auf Tagesanzeiger.ch?
Bei Schlagzeilen wie «Tochter klagt an: Mein Vater hat mich vergewaltigt!», «Ausbrecher: Der angebliche Schweizer … der gar keiner ist» und «Verschmähte Liebe: Der tiefe Fall einer Finanzexpertin» scheint es schon einfacher zu sein. Aber wo sind sie wirklich erschienen?
Die Unterscheidung der einzelnen Medienseiten durch deren Schlagzeilen ist nicht so einfach, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Die allgemeine Boulevardisierung der Themen und die damit einhergehende Zuspitzung der Titel führt zu einem Einheitsbrei, der nur schwierig zuzuordnen ist. Es ist unwahrscheinlich, dass der Medienkonsument in Zukunft bereit ist, für solche Geschichten Geld zu bezahlen. Da wird es andere Themen und andere Schlagzeilen brauchen.
Auflösung unter Webcode 0610titel

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